Mühlenhexen ziehen mit 900 Hästrägern durch Auenstein

Ilsfeld  Von der Hexenkessel-Tragödie in Eppingen lassen sich Narren den Spaß nicht verderben: Die Organisatoren rechnen beim Faschings-Spektakel im Februar mit 900 Hästrägern. Beim Umzug im letzten Jahr waren 60 Gruppen dabei. Diesmal haben sich 52 angemeldet.

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Nachtumzug: Mühlenhexen aus Ilsfeld werten Zuspruch als Erfolg

Große Hexe trifft kleine Hexe: Das Treiben geht in Runde zwei.

Foto: Archiv/Kunz

Seit dem Hexenkessel-Vorfall verzichtet Eppingen auf den beliebten Nachtumzug mit Hunderten Hästrägern und Tausenden Zuschauern. Im Ilsfelder Teilort Auenstein halten die Mühlenhexen an ihrem Treiben fest. Zum zweiten Mal richten sie einen Nachtumzug aus, der dieses Jahr am Samstag, 1. Februar, um 17 Uhr beginnt. Das Spektakel im Freien endet gegen 20 Uhr, dann geht die Party in der Tiefenbachhalle weiter.

Zuschauerin hat in Eppingen schwere Verbrennungen erlitten 

Vielerorts sind Narren auf den Eppinger Vorfall nicht gut zu sprechen. Beim dortigen Nachtumzug vor zwei Jahren hatten verkleidete Mitglieder einer Narrengruppe eine Zuschauerin über einen Kessel mit heißem Wasser gehalten. Sie geriet in den Kessel und zog sich schwere Verbrennungen zu. Nun müssen der Verkehrsverein der Stadt Eppingen als Veranstalter und ein Mitglied einer Hexengruppe 50.000 Euro Schmerzensgeld an die Frau bezahlen.

Während der Verkehrsverein das Urteil nach Recherchen unserer Zeitung akzeptieren will, wird das verurteilte Mitglied einer Hexengruppe in Berufung gehen. Im Strafprozess hat das Heilbronner Amtsgericht Ende 2018 einen 33-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 6600 Euro verurteilt.

In Auenstein ist jeder Hästräger zu identifizieren

"Uns interessiert Eppingen nicht", betont Jürgen Maier, Erster Zunftmeister der Mühlenhexen aus Ilsfeld. In Eppingen waren Teilnehmer nicht markiert gewesen, in Auenstein sei es anders: An jedem Häs sei eine Nummer angebracht, betont Jürgen Maier. Aus Sicht der Verantwortlichen ist also nachvollziehbar, wer genau hinter einer Verkleidung steckt. Außerdem schauen die Veranstalter genau hin: Schlägt eine Gruppe über die Stränge, wird sie ausgeschlossen.

Dem ersten Nachtumzug vor einem Jahr schlossen sich 60 Gruppen mit 1250 Teilnehmern an. Der Gemeindeverwaltung war dies offenbar zu groß. Jürgen Maier berichtet von Gesprächen mit dem Rathaus: Dieses Mal ziehen nur 52 Gruppen mit 900 Hästrägern durch Auenstein.

Der Veranstalter spricht von einem Erfolg

Trotz der Beschränkung: Die Bewertung der Teilnehmerzahl ist eindeutig. "Mit Sicherheit ist das für uns ein Erfolg", betont der Zunftmeister. Den Verein gebe es schließlich erst seit fünf Jahren, mittlerweile hat er 62 Mitglieder. "Wir haben nicht erwartet, dass der Nachtumzug so schnell einschlägt." Auf eine spezielle Gruppe freut sich Jürgen Maier nicht: Alle seien gut. Froh ist er, dass so viele mitmachen.

Der Eintritt kostet 2,50 Euro

Wer dem Treiben folgen will, zahlt 2,50 Euro. Im Preis enthalten ist der Eintritt zur großen Sause in der Halle. Für den Verein ist es ein arbeitsintensives Wochenende, denn am Sonntag um 14 Uhr beginnt in der Tiefenbachhalle der Kinderfasching.

Alles in allem beginnen die Vorbereitungen des langen Wochenendes am Samstag um 9.30 Uhr, am Sonntag gegen 18.30 Uhr sei wieder alles aufgeräumt, sagt Jürgen Maier. Der eigene Umzug ist keinesfalls der einzige für die Mühlenhexen: In diesem Jahr nehmen sie an 16 Freiluft-Veranstaltungen teil.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen in Neckarsulm, Ilsfeld, Untereisesheim und Weinsberg.

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