Mit dem selbstgebauten Wohnmobil "Emma" in den Kaukasus

Abstatt/Talheim  Moritz Thiele aus Abstatt-Happenbach und Luke Westernbusch aus Talheim sind bis an den östlichen Rand Europas gereist. Das waren 16.000 Kilometer in einem selbstgebauten Wohnmobil, das Neugierde bei den Einheimischen auslöste.

Von Gustav Döttling
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Moritz Thiele und Luke Westernbusch tourten mit diesem Gefährt vier Monate lang - und kamen bis nach Georgien. Foto: privat

"Ich wollte schon als kleiner Junge mal einen Urlaub mit meinem eigenen Wohnmobil machen, in fremde Länder reisen, Land, Leute und Kulturen auch abseits der Tourismuszentren kennenlernen", erzählt Moritz Thiele.

Seinen Kindheitstraum hat sich der 22-jährige Zimmermannsgeselle mit Abitur aus Abstatt-Happenbach jetzt erfüllt, zusammen mit seinem Schulfreund vom Heilbronner Mönchsee-Gymnasium, Luke Westernbusch (22) aus Talheim.

Mit "Emma", einem selbst gebauten Wohnmobil, reisten die beiden Abenteurer seit Mai vier Monate lang über den Balkan, die Türkei und Armenien bis an den östlichen Rand Europas: nach Georgien und in den Kaukasus.

In vier Monaten 16 Länder bereist

Im Lauf seines Trips besuchte das Duo 16 Länder und legte bis zu seiner Rückkehr in die Heimat am 28. August rund 16.000 Kilometer zurück. Die Idee einer gemeinsamen Reise entstand, als sich die Schulfreunde eher zufällig Anfang des Jahres begegneten und sich gegenseitig von ihren Urlaubs- und Reiseplänen erzählten. "Da haben wir spontan beschlossen, diese Tour gemeinsam zu machen", berichtet Luke Westernbusch.

"Ich wollte nicht an eine Karosserie gebunden sein, und so entstand das Modell Lkw mit Holzkiste, die auf der Ladefläche fest verschraubt ist", erzählt Moritz Thiele. Von März bis Mai bauten die beiden jungen Männer im elterlichen Holzbau-Betrieb von Thiele in Happenbach die "Holzkiste" für die Ladefläche eines gebrauchten Mercedes Benz 614D, Baujahr 1997, mit 136 PS zu einem Wohnraum um.

Den Lkw-Führerschein gemacht

Mit "Emma" in den Kaukasus

Sie haben Tolles erlebt: Moritz Thiele (links), Luke Westernbusch.

Foto: Döttling

2000 Arbeitsstunden investierten sie für den Einbau von drei Betten, Küche mit Spüle und Gasherd, Regalen und Schränken, Holzofen, Tisch und Stühlen. Parallel dazu machten sie den Lkw-Führerschein mit Prüfung im April.

In die "Dachschräge" über dem Lkw-Führerhaus baute der Zimmermann ein Velux-Dachfenster ein. Während Moritz die Holzarbeiten übernahm, stattete Elektrikergeselle Luke den Wohnraum mit der nötigen Elektrik aus. Er installierte auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage, in der Kiste LED-Beleuchtung und die Gleichstromversorgung.

Den hinteren Teil der Doppelkabine des Lkw verwandelten die Wohnmobilbauer in einen Stellplatz für ihr Yamaha-Geländemotorrad. Und auf der Heckklappe der "Wohnkiste" wurde ein Fahrradträger für zwei Mountainbikes installiert.

Jim Knopfs Lokomotive als Namensgeber

Besonders auffällig wurde das Wohnmobil durch seine Fassadenverkleidung mit Lärchenholzschindeln. Bevor die Reise losging, kamen noch Werkzeug, Verpflegung, Ersatzkanister und sogar Brennholz an Bord. "Ich hätte den Lkw total zerlegen und wieder zusammenbauen können", meint Moritz Thiele. Er hat sein Fahrzeug nach der Lokomotive aus den Jim-Knopf-Abenteuern von Otfried Preußler benannt.

Los ging die Reise am 2. Mai mit der ersten Etappe, die durch den Karawanken-Tunnel bis Slowenien führte. "Ich bin tagsüber gefahren, Moritz war der Nachtfahrer" erzählt Luke Westernbusch. Moritz habe auch gekocht. "Wir haben viele Highlights und Gänsehautmomente erlebt, besonders abseits der Fernstraßen", berichtet Thiele. "Die Landschaft und die Gastfreundschaft im Kaukasus und Georgien war der Wahnsinn", schwärmt Luke. So lud eine Bauernfamilie die Abenteurer spontan zum Essen ein.

Wohnmobil stößt überall auf Interesse

Mit "Emma" in den Kaukasus

Die Straßenverhältnisse waren nicht immer optimal.

Foto: privat

Für ihr ungewöhnliches Gefährt hätten sich die Menschen in allen Ländern interessiert. Mit sechs Israelis feierten die Unterländer bis in die Nacht in einer Gaststätte. "Ein ganz besonderer dieser Gänsehautmomente war es, als wir in Kappadokien morgens aufwachten, und rings um uns stiegen Heißluftballons in die Höhe", erzählt Westernbusch.

Nur einmal gab es eine Reifenpanne. Und in der Türkei ließen Polizei und Militär das Duo nicht durch Kurdistan fahren. Instagram und das Mobiltelefon waren in all den Wochen die Nabelschnur zur Heimat. "Angst um meinen Sohn hatte ich keine, ich wäre am liebsten mitgefahren", sagt Zimmermeister Volker Thiele. Auch Birgit Westernbusch hat sich um ihren Sohn keine Sorgen gemacht: "Wir hatten spätestens alle drei Tage Kontakt."

 

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