Mehr Geld für Großprojekt in Ellhofen beantragt

Ellhofen  Geld, Geld und nochmals Geld: Das braucht Ellhofen, wenn sich die Wünsche des Gemeinderates für ein neues Gesicht des Dorfkerns erfüllen sollen. Spatenstich für die "Neue Ortsmitte" wird wohl nicht vor 2021 sein.

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Mehr Geld für Großprojekt beantragt
Im Zuge der Neugestaltung der Ortsmitte wird das Rathaus saniert und erweitert.

Das Rathaus soll bekanntlich saniert und erweitert werden, mit einem Platz der Begegnung wird geliebäugelt, und ein neues öffentliches Gebäude, eventuell mit einem Café, wäre auch nicht schlecht. Auf locker 5,5 Millionen Euro werden sich wohl die Ausgaben für das Großprojekt "Neue Ortsmitte" summieren − ein Vorhaben, für das die Bürgervertreter mehrfach in Klausur gegangen sind; so oft, dass der ursprüngliche Zeitplan ins Stocken geriet. Aufstockung dagegen, was das Finanzielle betrifft: Die Kommune erhofft sich einen weiteren Zuschuss vom Land.

Einstimmig hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, dass eine Aufstockung im Landessanierungsprogramm beantragt wird. Mit "Ortskern III" ist das 1,74 Hektar große Gebiet rund ums Rathaus betitelt, mit dem Ellhofen 2017 aufgenommen worden war. Das Landessanierungsprogramm ist bei Kommunen beliebt, gibt es doch für öffentliche und für private Vorhaben saftige Finanzspritzen. Meist gewährt das Land zunächst nicht die Wunschsumme. Das wissen die Kommunen und versuchen, über Aufstockungen ein ums andere Mal an mehr Geld zu kommen.

Ortskern soll nachverdichtet werden

Dieses Ansinnen wurde Ellhofen bereits gewährt, und auch für 2020 wird eine Teilaufstockung benötigt. Die Verwaltung hofft auf einen Zuschuss von 1,1 Millionen Euro − wohl wissend, dass das nicht reichen wird. Es soll ja auch nicht nur die "Neue Ortsmitte" gestaltet werden. Die Kommune will Grundstücke im Ortskern aufkaufen mit dem Ziel, diese nachzuverdichten. Zudem sollen Privatleute unterstützt werden. Bis die Sanierung "Ortskern III" 2026 ausläuft, möchte die Gemeinde summa summarum 5,8 Millionen Euro vom Land überwiesen haben.

Mehr Geld für Großprojekt beantragt
Auch der Parkplatz und die Buswende werden wohl neu gestaltet.

Es ist es ein weiter Weg bis dahin. Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte das Projekt "Neue Ortsmitte" schon weiter sein. 2018 hatte Bürgermeister Wolfgang Rapp gehofft, noch vor den diesjährigen Sommerferien einen Sieger des europaweit auszuschreibenden Architektenwettbewerbs zu haben. Im März 2019 wäre er froh gewesen, wenn es überhaupt noch in diesem Jahr klappt.

Nun geht Rapp davon aus, dass das Preisgericht "voraussichtlich Anfang April 2020 tagt und einen Sieger kürt". Rapp verweist im Gespräch mit der Heilbronner Stimme darauf, das es sich nun mal "um ein Mammutprojekt" handelt. "Wir hatten im Gemeinderat viele Fragen zu klären, etwa die Zahl der Stellplätze, Energiethemen und vieles zur Erweiterung des Rathauses. Das hat einfach länger gedauert." Diskutiert wurde in mehreren Klausursitzungen hinter verschlossenen Türen.

Wolfgang Rapp und Bauamtsleiter Felix Pontow erläutern gegenüber der Stimme, welche Schritte folgen: Zurzeit sind die Unterlagen für die Bewerbung um die Teilnahme am Ideen- und Realisierungswettbewerb auf einem Vergabeportal online abrufbar. Letztlich dürfen zwölf Büros ihre Entwürfe abgeben. Der Realisierungsteil bezieht sich auf die Flächen, die der Kommune gehören, eine Umsetzung also realistisch ist. Der Ideenteil umfasst private Areale.

"Bürger-Planer-Dialog" am 30. November

Drei Architekten darf der Gemeinderat von vorneherein setzen, neun wählen die Firma KE als Wettbewerbsbetreuer, Bürgermeiser, Bauamtsleiter und zwei Gemeinderäte gemeinsam aus. Anfang November werde entschieden, so Rapp, welche Büros das sind. Für 30. November ist der "Bürger-Planer-Dialog" vorgesehen. Was ist das? Die Planer aller zugelassenen Büros werden sich das Areal anschauen. "Bürger können dazu kommen und Wünsche äußern." Danach werde abgewogen, ob und wie die Wünsche berücksichtigt werden. Das Preisgericht tage wohl Anfang April.

Mit einem Baustart rechnet der Rathauschef "nicht vor 2021". Es sei noch vieles zu erledigen: Pläne werden nachzujustieren und zu konkretisieren sein, Baugesuche müssen erarbeitet werden, für die Verwaltung ist eine Interimsunterkunft zu finden, Arbeiten sind auszuschreiben und zu vergeben. "Das Ganze ist ein mehrjähriges Geschäft. Bis 2024 sollte es abgeschlossen sein."


Daten und Fakten

Ellhofen war 2017 mit einem Förderrahmen – das ist die Gesamtsumme, also der Landeszuschuss und der Eigenanteil, den die Kommune aufbringen muss – von 1,17 Millionen Euro ins Landessanierungsprogramm aufgenommen worden. Beantragt war schon damals ein Förderrahmen von 5,4 Millionen. 2018 wurde der Rahmen nach einem Aufstockungsantrag auf 2,7 Millionen erhöht. Bis die Sanierung 2026 ausläuft, soll er, so der Wunsch, auf 9,7 Millionen Euro erhöht werden – das entspricht einer Landesfinanzhilfe von 5,8 Millionen und einem Eigenanteil von 3,9 Millionen Euro.

Um für 2020 mit einer weiteren Aufstockung auf der sicheren Seite zu sein, hat es laut Bürgermeister Rapp bereits Gespräche mit dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart gegeben. „Es kamen Signale, dass wir ruhig einen Antrag stellen sollen.“ Bisher hat die Kommune das Geld stets zügig abgerufen, und sie ist finanziell so ausgestattet, dass sie ihren Eigenanteil problemlos beisteuern kann.

 
 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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