Licht bringen von Abstatt nach Afrika

Interview  Von Abstatt nach Kapstadt: Im Interview spricht Sonnenglas-Gründer Stefan Neubig darüber, wie ein Urlaub sein Leben und das vieler Menschen in Afrika verändert hat.

Von Patricia Okrafka
Email

Stefan Neubig (rechts unten) hat in Südafrika Arbeitsplätze geschaffen: Das Sonnenglas wird in Johannesburg produziert.

Stefan Neubig (32) aus Abstatt ist Gründer von Sonnenglas. Das Start-Up produziert eine Lampe: ein kleines Einmachglas mit Solarzellen, das Licht spendet. In Deutschland werden damit Terrassen dekoriert. In Afrika wird es im Alltag gebraucht. Im Interview spricht Neubig darüber, wie sich sein Leben und das vieler Afrikaner durch ein Glas verändert hat.

 

Herr Neubig, was ist ein Sonnenglas?

Stefan Neubig: Das Sonnenglas ist ein kleines Solarkraftwerk, das Licht spendet. Es besteht aus Glas, auf dem sich eine Solarzelle befindet. Wenn man es nach draußen stellt und die Sonne einstrahlt, lädt sich im Inneren der Akku auf. Am Abend kann man es wie eine Laterne verwenden. Es spendet richtig helles Licht. Entworfen wurde das Sonnenglas als Gebrauchslampe für Afrika.

 

Für Afrika? Wie kam es dazu?

Neubig: 2013 wollte ich etwas von der Welt sehen, deshalb bin ich nach Kapstadt gereist. Damals gab es viele Stromausfälle in Südafrika, weil die Kapazität des Stromnetzes nicht ausgereicht hat, um alle Regionen zu versorgen. Der Glashersteller, mit dem wir heute noch zusammenarbeiten, hatte die Idee, aus dem Glas eine Laterne zu entwerfen, die nachhaltig ist. Er hat daraufhin einen lokalen Ingenieur angesprochen. Man muss wissen, dass in Afrika heute noch Kerosin- und Paraffinlaternen im Einsatz sind. Die sind nicht nur umweltschädlich, weil sie Ruß erzeugen, sondern auch gefährlich, weil es oft zu Bränden kommt.

 

Licht ins Dunkeln bringen

Das Sonnenglas ist ein kleines Solarkraftwerk, das Licht spendet. Auf dem Glas befindet sich eine Solarzelle, die bei Sonneneinstrahlung den Akku auflädt.

Fotos: Sonnenglas

"Made in South Africa." Warum?

Neubig: Ursprünglich sollte das Ganze in China produziert werden. Aber wir hatten damals schon gesagt: ,Es fühlt sich nicht richtig an." In Südafrika gibt es eine Arbeitslosenquote von über 30 Prozent. Der Ingenieur fragte: ,Können wir das nicht einfach selbst machen?" So haben wir angefangen. Irgendwann begannen wir, dass auch nach Deutschland zu bringen.

 

Was bedeutet der Vertrieb in Deutschland für die Arbeiter in Afrika?

Neubig: Durch den Verkauf in Deutschland, konnten wir die Produktion vor Ort ausbauen. Als wir begonnen haben, waren es zehn Mitarbeiter. Inzwischen sind es weltweit 100 Menschen, die an der Produktion beteiligt sind.

 

Die Sonnengläser sind Fair Trade. Was bedeutet das konkret?

Neubig: Wir produzieren vor Ort in Johannesburg. Unsere Belegschaft stammt aus den größten Townships Südafrikas, Soweto und Alexandra. Viele dieser Menschen haben keine Berufsausbildung. Wir geben ihnen eine feste Arbeitsstelle nach Fair-Trade-Kriterien: Sie werden fair bezahlt, haben Versicherungen und geregelte Arbeitszeiten.

 

Sind Sie ein Visionär?

Neubig: Nein, kein Visionär. Aber ich würde mich als jemanden bezeichnen, der eine Leidenschaft entwickeln kann, wenn er etwas entdeckt, das sinnvoll ist. So ging es mir damals. Ich habe das gesehen und dahinter das Potenzial entdeckt.

 

Gibt es in Deutschland den Trend zu mehr Nachhaltigkeit?

Neubig: Absolut. Ich bin überrascht, dass es so viele Menschen in Deutschland gibt, die sich beim Kauf von Produkten Gedanken machen. Darüber was sie kaufen und wo es herkommt.

 

Ist man in Afrika nachhaltig?

Neubig: Aufgrund der begrenzten Ressourcen, und weil die Menschen dort wesentlich ärmer sind als wir, ist der Stromverbrauch geringer. Aber es werden viele Dinge benutzt wie Kerosin und Paraffin, die natürlich nicht nachhaltig sind.

 

Das sind wohl äußere Umstände ...

Neubig: Ich habe dort aber eine andere Form von Nachhaltigkeit entdeckt: dass man mit weniger glücklich sein kann. Das heißt, ein nachhaltiger Umgang mit Glück, Lebensfreude und positiver Aussicht. Das hat mich vor Ort beeindruckt. Dass die Menschen, die weniger Glück und Möglichkeiten hatten als ich, trotzdem einen positiven Blick aufs Leben hatten. In Deutschland sind wir oft unzufrieden und beklagen uns, obwohl unsere Probleme um ein Vielfaches kleiner sind, als in Afrika, wo man unter anderen Bedingungen aufwächst.

 


Zur Person: Sonnenglas Gründer und Geschäftsführer Stefan Neubig (32) kommt aus Abstatt und leitet von dort aus den europaweiten Vertrieb. Der Jungunternehmer hat zuvor digitale Medien studiert und als Fotograf gearbeitet. Daraufhin gründete er zuerst die Aboalarm GmbH: Ein Unternehmen, das Verbrauchern half, ihre Verträge rechtzeitig zu kündigen.

In Südafrika initiierte er dann im Jahr 2013 das Projekt Sonnenglas - mit Erfolg. Mittlerweile wird das Produkt weltweit verkauft. Seit zwei Jahren gibt es sogar eine Niederlassung in Japan.

 

Kommentar hinzufügen