Knappe Mehrheit für Photovoltaikanlage bei Wieslensdorf

Obersulm  Der Bürgerwindpark Hohenlohe darf östlich von Wieslensdorf seinen ersten Bau im Weinsberger Tal errichten. Es gibt Kritik aus ökologischer Sicht.

Von Gustav Döttling
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Benjamin Friedle, Geschäftsführer der Bürgerwindpark-Hohenlohe GmbH, zeigt, wo die Freiflächen-Photovoltaikanlage entstehen wird.

Foto: Gustav Döttling

Mit der knappen Mehrheit von neun gegen sieben Stimmen bei einer Stimmenthaltung hat der Obersulmer Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan "Freiflächen-Photovoltaikanlage Wieslensdorfer Wiesen" gefasst. Gleichzeitig beschloss das Ratsgremium, frühzeitig die Öffentlichkeit zu beteiligen.

Bereits vor einem Jahr war das Solarstromprojekt der Bürgerwindpark-Hohenlohe GmbH im Gemeinderat nicht unumstritten. Damals stimmten zwölf Räte im Grundsatz für, sechs gegen das von der Bürgerwind GmbH beantragte Planverfahren für das Projekt zur regenerativen Stromerzeugung.

Strom für rund 200 Durchschnittshaushalte

Auf der bisherigen Ackerlandfläche von rund einem Hektar wird nun eine kleine Freiflächensolaranlage mit einer maximalen Leistung von 750 Kilowattpeak gebaut. Rund 700.000 Kilowattstunden umweltfreundlichen Sonnenstroms, genug für 200 deutsche Durchschnittshaushalte, kann die geplante Anlage liefern. Die Projektfläche an der Bahnlinie gehört zwei Eigentümern und wird von der GmbH gepachtet.

"Ein Grabenhabitat für Zauneidechsen in der Mitte des Geländes soll erhalten werden und wird ausgeklammert", stellte Stadtplaner Matthias Hofmann vom Vermessungsbüro Käser seinen Bebauungsplanentwurf vor. Eine weitere Besonderheit sei die Randbepflanzung mit einer Hecke als Blendschutz gegen das Dorf. "Wir haben die Wünsche und Vorgaben der Antragsteller umgesetzt", betonte Bauamtsleiterin Fennja Kromer.

Unter den Modulen wachsen keine Blumen für Insekten

"Wir finden den Bebauungsplan gut, aber die Fläche fehlt den Landwirten, um ihre Tieren zu versorgen", meinte Michael Schepperle (SPD). Die Gemeinde schaffe ein Ungleichgewicht, weil Landwirte keine Chance mehr hätten. "Die Chance, dass in Obersulm weitere Freiflächenanlagen kommen, ist eher gering", sagte Bürgermeister Tilman Schmidt. Es sei nicht zu befürchten, dass alles mit PV zugepflastert werde. "Ich bin unglücklich und kann diese Entscheidung nicht unkommentiert stehen lassen", sagte Nico Knapp (CDU). Es seien Wieslensdorfs beste Ackerflächen. Unter den Modulen würden keine Blumen für Insekten wachsen, das sei ein völlig falscher Gedanke. "Das tut mir weh, da kann ich nicht dafür sein", so Knapp.

"Wir haben das vergangenes Jahr bezüglich der Landwirtschaft schon kritisch gesehen", ergänzte Hermann Hohl (CDU) und behauptete, durch Windräder würden tonnenweise Insekten vernichtet.

"Wir haben einen großen Nachholbedarf bei erneuerbaren Energien, vor allem, wenn bald Neckarwestheim abgeschaltet wird", begründete Armin Waldbüßer (Grüne) die Zustimmung seiner Fraktion. "Die Gemeinde kann mit vorhabenbezogenen Bebauungsplänen solche Entwicklungen steuern", beruhigte Schmidt die Gemüter.

 


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