Ilsfelder Landwirte sorgen sich um ihr Ackerland

Ilsfeld  Die Landwirte der Gesamtgemeinde sprechen sich klar gegen die geplante Umgehungsstraße für Ilsfeld aus. Für manche Bauern geht es um die Existenz.

Von Stefanie Pfäffle
Verhindern ist ihre einzige Option

Martin Frank, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins, fürchtet die tiefe Schneise, die die Umgehungsstraße durch die Felder ziehen wird.

Foto: Stefanie Pfäffle

Wenn irgendwo eine neue Straße gebaut wird, geht das meist zu Lasten landwirtschaftlicher Flächen. Das ist in Ilsfeld nicht anders, wo derzeit die Baugrunderkundungen für die Ortsumfahrung laufen. "Die führt komplett über bestes Ackerland im Gewann Hürbel und Hetzenberg", stellt Martin Frank, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins Ilsfeld, nüchtern fest.

Er und seine 59 Kollegen aus Ilsfeld, Wüstenhausen und Schozach sind dementsprechend keine Fans der Planung. "Ich verstehe die Leute in der Ortsmitte, aber die müssen auch uns verstehen. Es geht um unsere Existenz."

Die Straße ist seit Jahrzehnten im Gespräch

Das Thema Umgehungsstraße steht in Ilsfeld schon seit Jahrzehnten auf der Agenda. Schon in den 1970ern wurde in dem nun betroffenen Gebiet eine Umlegung durchgeführt. "Damals forderte die Landwirtschaft schon einen Korridor für eine Umgehungsstraße, aber es hieß: Nein, sowas steht überhaupt nicht zur Debatte."

Ende der Achtziger kommt das Thema dann erstmals konkret auf, doch es tut sich lange nichts. Vor knapp 20 Jahren fand die Variantenuntersuchung statt. Es gab Vor-Ort-Termine mit Politikern. "Damals haben wir eine große Demo veranstaltet, um für die von uns bevorzugte Wessering-Variante zu werben", erinnert sich Frank. Doch die ist zu nah am damals neuen Wohngebiet Steinhälde. Eine Bürgerinitiative wehrt sich wegen des Lärms. "Wir wurden auch von den Anwohnern in der Ortsmitte angegangen, wie wir es wagen könnten, dagegen zu sein, sie hätten schließlich den Dreck vor der Tür."

Als die Autobahn noch zweispurig war

Frank kennt das Problem, denn als seine Familie aussiedelte, war die Autobahn noch zweispurig. "Wenn mein Vater gewusst hätte, wie sich das entwickelt, wäre er nie dahin gezogen." Bei der Vollsperrung am Freitag habe man es wieder sehen können, welche Massen an Verkehr über die A81 und in diesem Fall dann durch die Dörfer rollen.

Der Gemeinderat entscheidet sich damals einstimmig für die sogenannte B2-Variante, selbst die Landwirte im Gremium. "Bei anderen Straßenprojekten werden wir immer gehört, aber hier nicht", klagt Frank. Er ist überzeugt: Die Variante bringt den Anwohnern dort nicht weniger Lärm, denn nur die größere Entfernung allein helfe hilft nichts. Stattdessen sei die Straße ja nun teilweise auf gleicher Höhe. Aus genau diesem Grund sind BI und Bauern jetzt aus Sicht des Landwirts auf derselben Seite.

Verkehr führt quasi durch den Vorgarten

Verhindern ist für sie die einzige Möglichkeit, neue Varianten werde es sicher nicht geben, ist Frank überzeugt. Doch noch ist es ruhig. Eine Demo sei derzeit nicht geplant, doch mit den Bohrungen werde alles akuter. "Viele hoffen einfach, dass die Umgehung noch lange nicht kommt." Drei Landwirte seien besonders betroffen. Für sie bedeute der Straßenverlauf nicht nur enormen Flächenverlust, sondern auch Verkehr quasi durch den Vorgarten der Aussiedlerhöfe. "Die haben sich teilweise auch schon Rechtsbeistand geholt."

30 Hektar Ackerland würden dem Projekt zum Opfer fallen. Der Straßenverlauf schlage eine regelrechte Schneise durch die Wellenformationen der Felder. "Wir vom Ortsverein können jetzt nichts mehr machen außer zu demonstrieren, und am Ende wird es wohl vor Gericht gehen", seufzt Frank, der scherzhaft ergänzt, über diese Angelegenheit ließe sich ein ganzes Buch schreiben. Das Ende allerdings, das ist noch nicht geschrieben.

Hoffnung auf eine Bewusstseinsveränderung

Ein bisschen Hoffnung kam für Martin Frank beim Erörterungstermin wegen des neuen Parkplatzes Wunnenstein auf. Bei dem Projekt werden derzeit noch Varianten diskutiert. "Das klingt bei den Planern immer so, als wäre das alles hier nur Agrarsteppe, aber bei diesem Termin waren tatsächlich ein paar Frauen, die fragten, wovon wir denn leben sollen, wenn alles zubetoniert wird." Diese schleichende Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung freut den Landwirt.

 


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