Hier volle Räume, da bisweilen leere Bänke

Östlicher Landkreis  Die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen im östlichen Landkreis Heilbronn liegen vor: Die beiden Gymnasien in Beilstein und Obersulm müssen Schüler abweisen.

Von Anja Krezer
Hier volle Räume, da bisweilen leere Bänke

Alle Gymnasien im östlichen Landkreis Heilbronn − im Foto das Weinsberger Justinus-Kerner-Gymnasium − verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr eine größere Nachfrage bei den Füntklässlern.

Foto: Archiv/Kunz

Das Anmeldungsprozedere ist vorbei. Inzwischen können die weiterführenden Schulen sagen, wie viele Fünftklässler ab September zu ihnen kommen. Manche Bildungseinrichtung im östlichen Landkreis Heilbronn platzt dann aus allen Nähten, manch" andere wäre froh um einige Fünfer mehr.

Eric Sohnle freut sich: "Das ist der stärkste Jahrgang, den wir je zu Beginn einer fünften Klasse hatten." 52 Fünftklässler sind in der Obersulmer Michael-Beheim-Gemeinschaftsschule angemeldet. Bisher waren es immer zwischen 40 und 45 Fünfer. "Wir fühlen uns in unserer Arbeit bestätigt. Die Leute erkennen an, dass wir bemüht sind und ordentlich arbeiten." Sohnle ist überzeugt, dass sich die Gemeinschaftsschule "einen Schritt weiter etabliert hat".

Schülerzahlen sinken

Mit 32 Anmeldungen ist auch Peter Wetter, Leiter der Wüstenroter Georg-Kropp-Gemeinschaftsschule, zufrieden. Es seien seit einigen Jahren "stabil über 30 Anmeldungen" - so können zwei Klassen gebildet werden, denn an Gemeinschaftsschulen liegt der Teiler bei 28 Schülern. Allerdings: Seit Bestehen der Gemeinschaftsschule - sie ging 2012 in Betrieb - gab es zu Spitzenzeiten laut Wetter schon 70 Anmeldungen.

Wetter hat mehrere Erklärungsansätze: "Zum einen sinken die Schülerzahlen." Außerdem mache sich die neue Realschul-Ordnung bemerkbar - und damit die Möglichkeit, dass man an dieser Schulart den Hauptschulabschluss machen kann. Angst und bange ist Wetter aber nicht. Die Erfahrung zeige: Im Laufe der Zeit wachsen die Jahrgänge - "wegen der Rückläufer aus Realschulen und Gymnasien".

Nachzügler und Wiederholer

28 Jungen und Mädchen sind bislang an der Untergruppenbacher Stettenfels-Gemeinschaftsschule angemeldet. Schulleiter Markus Nutz rechnet mit Nachzüglern und Wiederholern - und deshalb ganz sicher mit zwei Klassen. Für 2018/19 waren es 25 Anmeldungen, davor 34 - ein Trend ist also schwer auszumachen. Nutz hat beobachtet: "Die Mischung ist bunter geworden." Es seien inzwischen viele Kinder mit Empfehlungen für die Realschule oder das Gymnasium unter den Fünfern.

Mit - Stand jetzt - 25 Anmeldungen würde es in der Steinbeis-Gemeinschaftsschule in Ilsfeld eine große fünfte Klasse geben, sagt Schulleiterin Tanja Bewersdorff. Sie hofft jedoch durch Sitzenbleiber und Zuzüge auf eine zweite Klasse. "Ich bin zuversichtlich, dass es noch klappt." Für das laufende Schuljahr waren es am Ende 33 Anmeldungen.

Eine Klasse weniger

Auf demselben Gelände ist auch die Steinbeis-Realschule beheimatet. 53 Anmeldungen liegen für September vor. "Das ist eine Klasse weniger als sonst", bedauert Rektor Andreas Gremmelmaier. Über viele Jahre seien es immer drei fünfte Klassen gewesen. Einen Grund sieht er darin, dass es im Einzugsbereich der Realschule 55 Grundschüler weniger sind als im Vorjahr. "Wir hoffen, dass das ein einmaliger Ausreißer ist", sagt Gremmelmaier.

Der Anmelderückgang sei "keine Entscheidung gegen die Realschule". Seine Schule habe sich zum Beispiel beim Tag der offenen Tür gut präsentiert. Aber: Womöglich, so Gremmelmaier, tun sich Eltern leichter, sich fürs Gymnasium zu entscheiden, wenn dieses Gymnasium in neun statt der üblichen acht Jahre zum Abitur führt und zudem nur einen Katzensprung entfernt ist.

G9-Modellschule

Eben so wie das Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein. Die G9-Modellschule ist sehr beliebt - so beliebt, dass Oberstudiendirektor Jochen Bär gerne die Anforderungen hervorhebt, die an einen Gymnasiasten gestellt werden. Fürs neue Schuljahr musste er ein paar Absagen erteilen. 153 Fünftklässler - wie im laufenden Schuljahr - sind die absolute Kapazitätsobergrenze. Das ergibt fünf Klassen. Mal eben baulich erweitern, weil sie so beliebt ist, darf man eine Modellschule nicht.

Dass Eltern ihre Kinder am liebsten am Gymnasium anmelden, ist aber auch an den Zahlen der G8-Schulen ablesbar. "Sehr zufrieden" ist Jürgen Kovács, Schulleiter des Weinsberg Justinus-Kerner-Gymnasiums, mit den 109 Anmeldungen fürs Schuljahr 2019/20. Das sind 20 mehr als in der jetzigen Jahrgangsstufe 5, die aber im Einzugsgebiet auch ein zahlenmäßig eher schwacher Grundschuljahrgang gewesen sei, so Kovács. Es wird vier fünfte Klassen geben.

80 Anmeldungen für 58 Plätze sind es im Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasium in Obersulm. Auch die Privatschule muss Absagen erteilen. "Wir könnten zwar mehr aufnehmen, aber wir wollen bewusst so klein bleiben", sagt Schulleiter Dieter Kurtze mit Blick auf das pädagogische Konzept. Dass es viel mehr Anmeldungen als Plätze gibt, ist am Obersulmer PDG nichts Ungewöhnliches. Nur in den vergangenen beiden Jahren waren es nicht so viele, und alle, die kommen wollten, wurden auch genommen.

Punktlandung

Mit 78 Anmeldungen verzeichnet Daniel Grupp, Rektor der Realschule Obersulm, "eine Punktlandung". Das ergebe drei fünfte Klassen mit einer Größe, "mit der sich gut schaffen lässt. Bei Vierzügigkeit hätten wir ein Platzproblem." Die Zahl der Anmeldungen sei über die Jahre konstant.

Zwei Realschulklassen mit 18 und 19 Schülern sowie eine Werkrealschulklasse mit 24 Jungen und Mädchen gibt es nach Angaben von Rita Eichmann, Rektorin der Weibertreuschule in Weinsberg, einer Verbundschule. Das seien "stabile Zahlen".

 


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