Handtaschen made in Hölzern

Eberstadt  Simone Umbach designt, näht und verkauft Objekte weiblicher Begierde in alle Welt. Die 37-Jährige aus Eberstadt-Hölzern macht alles in Eigenregie.

Von Anja Krezer
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Am großen Tisch mitten in ihrer Werkstatt im kleinen Eberstädter Teilort Hölzern schneidet Simone Umbach die Lederstücke zu. Fotos: Dennis Mugler

Wer weiß: Vielleicht flaniert gerade in den USA eine Frau mit einer Handtasche made in Hölzern über eine Avenue. Oder eine Russin geht in diesem Moment mit einer "Timeless Bag" aus Simone Umbachs Werkstatt shoppen. Wär durchaus denkbar. Die Handtaschen-Designerin verkauft ihre Ware in alle Welt.

Dank Internet hat die 37-Jährige ihr Hobby zum Beruf gemacht. Wer eine ihrer Taschen will, muss warten können. Denn der Eine-Frau-Betrieb produziert in kleinen Stückzahlen. Dafür gibt es dann auch ein Unikat, bei dem alles selbstgemacht wird - vom Entwurf bis zum Versand.

Tannengrün und brombeerrot

Simone Umbach steht am Zuschneidetisch, den ihr Mann Daniel gebaut hat und legt eine Pappschablone auf ein großes maisgelbes Nappa-Lederstück. Sie schneidet mit einer speziellen Lederschere. Danach setzt sie sich an ihre Pfaff-Ledernähmaschine und näht das Teil auf ein Stück Stoff. Oft haben Simone Umbachs Ledertaschen ein Seitenteil aus stabilem Babytragetuch-Stoff. Unzählige Farben und Muster sind in durchsichtigen Plastikboxen geschichtet, ebenso wie Lederstücke. In einer Schublade liegen Schnittmuster, andere sind mit "Reißverschlüsse" oder "Klebebänder" beschriftet. Tannengrün, himmelblau oder brombeerrot: Etwa 30 verschiedene Nähgarne speziell für Leder stehen in Reih" und Glied in schmalen Wandborden.

Kreativität wurde ihr in die Wiege gelegt

Handtaschen made in Hölzern

Fünf Nähmaschinen besitzt Simone Umbach. Drei sind dauernd im Einsatz.

Bevor vor vier Jahren Tochter Lina geboren wurde, hatte Simone Umbach als Maschinenbautechnikerin gearbeitet. Schon immer hat sie gerne genäht oder andere Handarbeiten gemacht. Es liegt an den Genen: "Meine Mutter und meine Oma waren auch immer kreativ." Für sich selbst, für die Schwester oder für Freundinnen hat sie hin und wieder eine Tasche genäht. Zunächst nur aus Stoff. Als sie das Geld für das notwendige Equipment beieinander hatte - die Ledernähmaschine kostete 2500 Euro -, spezialisierte sich die Frau mit diversen Piercings auf Lederwaren und machte das Hobby zum Beruf. "Wobei - bei mir ist es eher Berufung."

Der Online-Vertrieb läuft gut

Wann immer es geht, ist Simone Umbach in ihrer Werkstatt. Sie schneidet, stanzt, näht, punziert - und denkt sich neue Farb- und Leder-Stoff-Kombinationen für ihr Label "Moes Design" aus. Dass sie ihre Produkte im Internet vertreibt - auf Facebook hat sie mittlerweile 2700 Follower - hat enorme Vorteile. Aber die Pflege ihrer Homepage und ihres Facebook-Accounts nimmt auch viel Zeit in Anspruch.

Dazu kommt, dass die E-Mails ihrer Kunden beantwortet werden wollen. Wer möchte, kann sich in der Werkstatt in Hölzern eine Tasche ganz nach Wunsch anfertigen lassen und sogar eigene Stoffe schicken. Und dann sind da ja auch noch die kleine Tochter, der Haushalt und der Motorradhandel samt Werkstatt, den Ehemann und Schwiegervater betreiben und in dem Simone Umbach manchmal hilft. Außerdem leitet sie regelmäßig Kreativ-Workshops bei den örtlichen Landfrauen. Und das eine oder andere Hobby hat sie auch noch: Fahrradfahren und Klettern zum Beispiel.

"Ich kann nicht jeden Tag Vollgas geben", sagt die 37-Jährige denn auch. "Sonst kann ich meine Kreativität nicht ausleben." An einer ihrer "Moonbags", ein Modell mit durchschnittlicher Größe, sitzt sie etwa drei Stunden, das Designen nicht eingerechnet. Größere Modelle dauern länger.

Bis Mitte 2020 ausgebucht

Gut 70 Handtaschen hat sie im vergangenen Jahr verkauft, 2018 sind es bis dato 30. Da die Nachfrage groß, Simone Umbachs Kapazität aber begrenzt ist, müssen ihre Kundinnen warten lernen: "Bis Mitte 2020 bin ich ausgebucht", bedauert Simone Umbach - und wundert sich selbst ein bisschen: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so einschlägt. Am Anfang war ich schon ein bisschen baff." Warum stellt sie niemanden ein und expandiert? Die Eine-Frau-Firma ist schwäbisch-vorsichtig. "Ich habe darüber nachgedacht. Aber ich will noch ein bisschen abwarten, wie sich alles entwickelt. Gerade passt es so, wie es ist." Sagt"s und setzt die Schere an.

 


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