Grundschule in Wüstenrot ist nun Naturparkschule

Wüstenrot  Kurz vor Ferienbeginn wurde die Zertifizierugsurkunde überreicht: Die Grundschule der Georg-Kropp-Schule darf sich ab sofort Naturparkschule nennen.

Junge Entdecker können loslegen

Feierlich wurde die Zertifizierungsurkunde in der Georg-Kropp-Halle enthüllt. Mit dabei war der Schulchor mit einigen berührenden Beiträgen. Hinter der Staffelei freut sich Rektor Peter Wetter.

Fotos: Dennis Mugler

Rund 130 Jungen und Mädchen aus Wüstenrot sind keine Nullachtfünfzehn-Grundschüler mehr. Ab sofort sind sie Naturparkschüler. Kurz vor Ferienbeginn ist die Zertifizierungsurkunde bei einer Feierstunde in der Georg-Kropp-Halle überreicht worden.

Was das genau ist, eine Naturparkschule, und was nach den Sommerferien anders werden wird - "das weiß ich nicht so genau", sagt Alina von der 3a. Aber dass es an diesem Morgen Spaß gemacht hat, in den Wald zu gehen, um Zapfen, Blätter und Moos zu sammeln - das weiß Alina ganz genau. Mit ihrer Ausbeute hat sie einen Schuhkarton ausgelegt und darauf die Schnecke und den Tausendfüßler drapiert, die sie neulich aus Ton geformt hat: "Das war mittelschwierig."

Schüler zeigen, was sie gemacht haben

Stolz präsentieren Alina und ihre Mitschüler ihre Kartons in ihrem Grundschul-Zimmer der Georg-Kropp-Schule. Auch die anderen Klassen zeigen, was sie in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten gemacht haben: Da sind abgesägte Baumstämme, versehen mit vielen Infos rund um Buche, Bergahorn und Co. Die Gäste, Eltern zumeist, können in den Herbarien ihrer Kinder blättern. Oder die ausgesägten Tiere des Waldes im Treppenhaus bestaunen.

"Wir machen bereits sehr viel", sagt Rektor Peter Wetter über das Engagement seiner Schule für die Natur. Besuche bei einem Imker gehören dazu oder Lehrgänge im Wald. Wenn man wie Wüstenrot mitten im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald liegt, ist es schon beinahe eine Frage der Ehre, dass man früher oder später zur Naturparkschule, einer Initiative des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN), ernannt wird. Die Idee ist, "Kindern die Natur nahe zu bringen und die Verbundenheit mit ihrer Heimat und der Region zu fördern", sagt Wetter. Ganz wichtig sei der Aspekt, "die Kinder im Umgang mit der Natur zur Nachhaltigkeit zu erziehen".

Lehrer haben geackert und gezahnt

Ein Jahr lang habe das Kollegium Lehrinhalte durchforstet. "Wir haben geackert und gezahnt, um das Zertifikat zu bekommen." Denn die Kriterien, die eine Schule erfüllen muss, damit sie sich Naturparkschule nennen darf, sind genau festgelegt. Einer, der sie mit erarbeitet hat, ist Bernhard Drixler, Geschäftsführer des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald. Zusammen mit der Schwäbischen Waldfee Leonie Treml, der offiziellen Naturparkbotschafterin, übergibt er die Zertifizierungsurkunde. Innerhalb der 105 Naturparke in Deutschland gibt es, so Drixler, mittlerweile 100 Naturparkschulen, 40 davon sind in Baden-Württemberg - und davon wiederum zehn im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. "Wir decken also deutschlandweit zehn Prozent ab. Darauf sind wir stolz", freut sich Drixler, der zu den Motoren der Idee einer Naturparkschule gehört. Die anderen neun Naturparkschulen liegen außerhalb des Landkreises Heilbronn.

Schule hat nun Entdecker-Westen

Junge Entdecker können loslegen

In den Schulräumen konnten die Gäste sehen, was die Kinder in Sachen Natur schon alles gemacht haben. So wurden Schuhkartons in Mini-Landschaften verwandelt.

Das Zertifikat ist fünf Jahre gültig, kann aber verlängert werden. In den fünf Jahren hilft der Naturpark den Schulen zum Beispiel, an Zuschüsse zu kommen. Die ersten brachte Bernhard Drixler in die Georg-Kropp-Halle mit - und zwar in Form eines Klassensatzes an Entdecker-Westen, ausgestattet mit Kompass, Notizbuch und Bestimmungsbuch im Gesamtwert von 1500 Euro, gesponsert vom Land Baden-Württemberg und der Glücksspirale.

Also: Nach den Ferien die braunen Westen mit den vielen Taschen übergestreift - und los geht es zu Besuchen bei den Kooperationspartnern der Schule, allen voran dem Naturpark selbst. Auch ein Biobauernhof, die Honigmanufaktur im Spatzenhof, die Wüstenroter Greifvogelwarte oder der Forstliche Hauptstützpunkt Stollenhof gehören zu den Partnern, zu denen sich weitere gesellen sollen. Was braucht"s noch für eine Naturparkschule? Einige Schlagworte werden bei der Feier an die Wand projiziert: "Fixe Einbindung der Naturparkführer" ist zu lesen. Oder "passende Schulhausgestaltung" und "verbindliche Naturthemen in allen Klassenstufen", etwa das Thema "Wolf".

Viele Wünsche stehen auf der Liste

Auf der Wunschliste stehen ein Spielgerüst, ein Lehrbauernhof, Tiere an der Schule und die Umgestaltung des Schulhofs. Damit beginnen Wüstenrots Bürgermeister Timo Wolf und Waldfee Leonie Treml nach der Zertifizierungsfeier. Gemeinsam pflanzen sie einen Apfelbaum der Sorte "Alkmene". Peter Wetter gießt ihn gleich mal ordentlich - auf dass das zarte Pflänzchen gedeihen möge.

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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