Gibt es bei der Baugebietsplanung tatsächlich keine Stolpersteine mehr?

Eberstadt  Der Eberstädter Gemeinderat stimmt Erschließungsvertrag für das lange diskutierte Baugebiet "Kirchhofäcker/Krautgärten" zu.

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Gibt es tatsächlich keine Stolpersteine mehr?

Man kann es nicht so recht glauben, dass hier in ein paar Monaten Baumaschinen das Sagen haben sollen. Das Planverfahren für das Gebiet "Kirchhofäcker/Krautgärten" zog sich über Jahre hin.

Foto: Archiv/Mugler

Sind wirklich alle Hürden genommen? Sind tatsächlich alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt? Es scheint, als ob Bürgermeister Stephan Franczak das selbst nicht so recht glauben kann - was beim geplanten Baugebiet "Kirchhofäcker/Krautgärten" auch kein Wunder ist.

Seit sieben Jahren - bereits unter Franczaks Vorgänger Timo Frey - befasst sich die Gemeinde Eberstadt damit, die Äcker und Krautgärten zwischen Friedhof und Kreisstraße in Wohnbauland umzuwandeln. Endlich: Wohl nächstes Jahr sollen die ersten Bauherren loslegen können.

Es ist wie bei den Lottozahlen 

Eigentlich ist der Rathauschef ja Optimist. Doch als er jetzt im Gemeinderat den weiteren Zeitplan für die "Kirchhofäcker/Krautgärten" erläuterte, formulierte Franczak mehr als vorsichtig. "So alles läuft, wie wir uns das vorgestellt haben", meinte er - und setzte hinzu: "Unter Vorbehalt und wie bei den Lottozahlen: ohne Gewähr."

Zu oft gab es bei den Planungen für dieses Baugebiet Bauchlandungen: Eigentümer, die sich quer stellten und so dafür sorgten, dass das Gebiet in Abschnitte zerlegt werden musste, mögliche Geruchs- und Lärmbelästigungen... Die Planungen zogen sich wie Gummi, und mancher, der mit einem Bauplatz geliebäugelt hatte, hat sein Eigenheim längst woanders stehen.

Nachfrage nach Bauland ist sehr groß

Dennoch sei die Nachfrage enorm, sagt Stephan Franczak im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Sein Telefon habe so oft geklingelt, dass er längst aufgehört habe, eine Warteliste zu führen. Wie andernorts praktiziert, in Ellhofen zum Beispiel, will der Bürgermeister die Vergabe mit einem Punktesystem regeln. Wer einen der rund 25 kommunalen Bauplätze im ersten Abschnitt haben will - mit den privaten sind es 35 - muss möglichst viele Punkte sammeln. Die gäbe es zum Beispiel, wenn man bereits in Eberstadt wohnt oder sich ehrenamtlich engagiert. Noch 2019, spätestens Anfang 2020 müsse der Gemeinderat die Vergabekriterien für die Plätze festlegen, die die Gemeinde zu verkaufen hat, sagt Bürgermeister Franczak. Und natürlich den Quadratmeterpreis für das erschlossene Bauland. Die Satzung des Bebauungsplans soll im Oktober verabschiedet werden. Im ersten Quartal 2020 sollen die Plätze vergeben werden.

Bald soll mit der Erschließung begonnen werden

"Wir können zum Jahreswechsel mit der Erschließung des ersten Bauabschnittes beginnen", sagte der Rathauschef in der Gemeinderatssitzung, als die Bürgervertreter dem Vertrag mit dem Erschließungsträger, dem Ingenieurbüro Willibald aus Bad Waldsee, zustimmten. Der einstimmige Beschluss musste im Lauf des Abends wiederholt werden, weil zuerst die Befangenheit von Neu-Gemeinderätin Annemone Weiner (BWV) nicht bedacht worden war. Alle Grundstückseigentümer - inklusive Gemeinde sind es acht - hätten dem Erschließungsvertrag zugestimmt, so Franczak. Alle, bis auf eine Erbengemeinschaft. Sie habe aber Einverständnis signalisiert, müsse nur noch abklären, in welcher Form sie bei der Erschließung mitmacht.

Die Erschließungskosten für den gut zwei Hektar großen ersten Abschnitt hinter dem Eberstädter Friedhof sind mit 2,2 Millionen Euro kalkuliert. Ein happiger Betrag, der laut Schultes nicht nur steigenden Preisen in der Baubranche geschuldet ist, sondern auch dem langwierigen Verfahren mit Umplanungen und Gutachten.

Licht am Ende des Tunnels

Was auch immer in der Vergangenheit war: Nun sieht der Bürgermeister "Licht am Ende des Tunnels". So im letzten Tunnelstück nichts mehr Unvorhergesehenes passiert, "kann 2020/21 tatsächlich gebaut werden", frohlockt Franczak mit Vorsicht in der Stimme.

Der nächste Abschnitt soll auch bald kommen

Weil sich Eigentümer sträubten, wurde das geplante Baugebiet "Kirchhofäcker/Krautgärten" in Abschnitte unterteilt. Lieber weniger Bauplätze als gar keine, lautete die Devise. Mittlerweile haben sich, wie berichtet, im nächsten Abschnitt Eigentumsverhältnisse geändert, so dass nach Angaben von Bürgermeister Stephan Franczak daran gedacht ist, auch diesen Bereich "zeitnah an den ersten anzuschließen". Konkreter wird er nicht. Warum erschließt man nicht alles in einem Aufwasch, wenn nun doch auch im zweiten Abschnitt die Zeichen günstig stehen? Weil dadurch das Bebauungsplanverfahren noch einmal hätte aufgerollt werden müssen und sich alles erneut verzögert hätte, argumentiert der Bürgermeister. Im zweiten Abschnitt sollen laut Franczak weitere 35 Plätze ausgewiesen werden.


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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