Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Obesulm künftig wohnortnah

Obersulm  Der Bedarf steigt: In Eschenau und an der Michael-Beheim-Grundschule wird ab Herbst 2019 eine Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder eingerichtet. Die Personalkosten betragen 160.000 Euro pro Jahr.

Von Sabine Friedrich

Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Obesulm künftig wohnortnah

Doris Koch mit Grundschülern, die in Affaltrach die Betreuung vor und nach dem Unterricht besuchen. Die Kapazitäten sind erschöpft.

Foto: Dennis Mugler

In vielerlei Hinsicht ist es für Heide Schuhmacher, im Obersulmer Rathaus für die Schulen zuständig, ein "ganz wichtiger Beschluss", den der Obersulmer Gemeinderat am Montagabend gefasst hat: Die Ganztagsbetreuung für Erst- bis Viertklässler wird dezentralisiert, nach dem Motto "kurze Beine - kurze Wege". Das bedeutet, dass ab Herbst 2019 auch an der Grundschule Eschenau und der Michael-Beheim-Schule dieses Angebot, das es bisher zentral in Affaltrach gibt, eingeführt wird.

Zeitnah und wohnortnah, das sind für Schuhmacher wichtige Aspekte. Zudem bedeute die Neuerung, dass dem Wunsch der Eltern nach Flexibilität nachgekommen wird. Sie können wochen- und tageweise die Betreuung für ihre Kinder buchen, wahlweise in der Kernzeit von 7 bis 13.30 Uhr, halbtags bis 14 oder ganztags bis 17 Uhr. Die Veränderung ist notwendig, weil der Bedarf nach Ganztagsbetreuung steigt.

Kapazitäten an Plätzen und Raum sind erschöpft

In Affaltrach herrscht aktuell schon eine Überbelegung, und auch die Raumkapazitäten sind für die vier Gruppen mit 80 Plätzen erschöpft. Die Neuerung "ist eine logische Fortsetzung von Krippe und Kindergarten", macht Schuhmacher gegenüber der Heilbronner Stimme deutlich. Und sie stärkt den Standort in Eschenau, wenn Kinder aus dem Teilort, die die Ganztagsbetreuung benötigen, nicht in Affaltrach eingeschult werden.

In der Sitzung hat sie dazu keine Gelegenheit, weil dieser Punkt im Schnelldurchlauf abgehandelt wird. Nach drei Stunden sind gerade mal zehn der 21 Tagesordnungspunkte absolviert. Das Gremium stimmt dafür, in die Verlängerung zu gehen über 22 Uhr hinaus. 45 Minuten später ist dann das gesamte Pensum absolviert.

Ganztagsschule wird angemahnt

Für die SPD erwähnt Peter Dossow quasi en passant noch, dass andere Kommunen weiter seien als Obersulm und verweist auf Ganztagsschulen in Wüstenrot und Weinsberg. "Das ist keine gute Entwicklung", meint Helmut Hornung von den Grünen dazu, dass die Ganztagsbetreuung in Händen der Kommune liege und nicht wie in der Ganztagsschule von Lehrern, dem pädagogischen Fachpersonal, geleistet werde. "Wir können uns nicht gegen den Zug der Zeit stellen", meint FWV-Rat Helmut Heuser zum Ausbau der Ganztagsbetreuung.

Wunsch der Eltern war Flexiblität

Ganztagsschule, so antwortet Heidi Schuhmacher auf Nachfrage der Heilbronner Stimme, sei mittelfristig für Erst- bis Viertklässler in Obersulm nicht geplant. Sie hält die Ganztagsbetreuung für flexibler. Zudem sei diese von den Eltern nach dem Vorbild in Affaltrach gewünscht worden, erinnert sie an eine Umfrage vor zwei Jahren in der Michael-Beheim-Schule. Allerdings müssen die Eltern dafür bezahlen - die Ganztagsschule ist kostenlos. Es wäre aber möglich, dass das Land künftig die Kommunen bei dem Angebot finanzielle unterstützt.

Beim Personal legt die Gemeinde Wert darauf, dass die 100-Prozent-Kraft eine ausgebildete Erzieherin ist, um eine konzeptionelle Arbeit zu gewährleisten. Für Eschenau und die Beheim-Schule werden für je eine Gruppe jeweils 1,6 Stellen neu geschaffen. Das schlägt sich mit 160 000 Euro an Personalkosten pro Jahr nieder. Mit den schon vorhandenen 40-Prozent-Stellen in der Kernzeitbetreuung werden die erforderlichen 200 Prozent für die ersten Ganztagsgruppen erfüllt.

Kosten für die Ausstattung

Der Gemeinderat stimmt auch den Kosten für die Ausstattung zu. Für Eschenau fallen 24 000 Euro an, für die Beheim-Grundschule 18.000 Euro. Eine Minderheit von sechs Räten ist jedoch dagegen, wie in Affaltrach auch in Eschenau die Warmverpflegung mittags an die Firma Meyer Menü aus Neuenstadt zu vergeben. Da keine vollständige Küche vorhanden sei, sei nur dieses System möglich und kein cook and freeze wie an den anderen Einrichtungen, erklärt Hauptamtsleiter Jochen Dicht.

Was müssen Eltern für die Betreuung bezahlen? Heide Schuhmacher nennt Beispiele: Fünf Tage Ganztagsbetreuung inklusive den Ferien - bis auf den Sommer - kosten 147,60 Euro pro Monat, halbtags sind es 73,80 Euro. Für die Kernzeit fallen 49,20 Euro an.

 

Weitere Gruppe in der Silbergrubenstraße

Auch bei den Kindergartenkindern wird es in Obersulm eng. Die 80 Plätze im Kinderhaus Postwiese sind bis Juli 2019 ausgelastet. Das gilt auch für die neue Gruppe mit 20 Mädchen und Buben im Kinderhaus Silbergrube. Bis zu den Sommerferien 2019 stehen schon 16 Kinder auf der Warteliste für die Ganztagsbetreuung.

Der Lösungsvorschlag der Verwaltung: In der reaktivierten Einrichtung in in Affaltrach könnte ab März 2019 eine weitere Gruppe mit 20 Plätzen in Betrieb gehen. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Mädchen und Buben aus der Wasenstraße in ihren fertig sanierten Kindergarten zurückkehren.

In der Betreuungseinrichtung in der Silbergrubenstraße können maximal 60 Ganztagsplätze zur Verfügung gestellt werden. Für die zweite Gruppe sind 3,3 Personalstellen erforderlich. Bei den Eltern wird jetzt der verbindliche Bedarf abgefragt. 

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