Fast 15 Millionen Euro fürs Schulzentrum in Beilstein

Beilstein  Lange gewünscht und doch irgendwie gefürchtet: Die Sanierung von Grundschule und Herzog-Christoph-Gymnasium soll im kommenden Jahr beginnen. Der Zeitplan ist recht eng.

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Fast 15 Millionen Euro fürs Schulzentrum
Das Gymnasium atmet den Charme der 70er. Foto: Anja Krezer

Da kommt was auf Beilstein zu. Ab Mitte 2020 soll das Schulzentrum grundlegend saniert werden. Das Vorhaben steht schon lange auf der Wunschliste der Stadt - und ist doch irgendwie gefürchtet.

Denn das Vorhaben ist ein Kraftakt, sowohl organisatorisch als auch finanziell: Die Rundum-Erneuerung von Grundschule und Herzog-Christoph-Gymnasium mit insgesamt rund 1200 Schülern soll unter laufendem Betrieb vonstatten gehen und ist mit knapp 15 Millionen Euro veranschlagt. Ohne einen satten Zuschuss von sieben Millionen Euro könnte sich die Stadt das gar nicht leisten.

Freier Blick aufs Styropor

Patrick Holl öffnet eines der schon lange milchig gewordenen Fenster und zeigt auf eine Dichtungsfuge. An manchen Stellen ist das porös gewordene Dichtungsmaterial gar nicht mehr vorhanden und gibt den Blick auf Styropor frei. Der Bürgermeister geht weiter auf dem Flur des Herzog-Christoph-Gymnasiums (HCG) und blickt hoch zu bräunlichen Flecken an der Decke: deutliche Hinweise dafür, dass das Dach undicht ist. Mit der Dachsanierung - das Gymnasium ist weitgehend mit Flachdächern versehen - soll das Großprojekt auch starten.

Fast 15 Millionen Euro fürs Schulzentrum
Zum Glück sind nicht alle Ansichten der Langhans-Grundschule so trostlos wie diese. Foto: Anja Krezer

Wände sind rissig, der Putz bröckelt

Handlungsbedarf gibt es fast überall: an den Fassaden und Fenstern sowie in den Sanitärräumen und an den Innenwänden. Decken und Bodenbeläge sind zu erneuern, hinzu kommen Heizungs-, Lüftungs- und Elektro-Arbeiten. Feine Risse in den Wänden oder bröckelnder Putz: Einige Mängel fallen beim Gang durchs Schulzentrum gleich ins Auge, andere sieht man erst auf den zweiten Blick. Viele bemerkt man gar nicht, weil sie sich hinter Holzwänden oder Decken verbergen.

Beginn für das bisher finanziell größte Projekt der Langhansstadt ist "im Idealfall in den kommenden Sommerferien", sagt Holl beim Vor-Ort-Termin mit der Heilbronner Stimme. Das ist ein sportlicher Zeitplan, denn es steht noch nicht einmal fest, welches Planungsbüro das Vorhaben betreut.

Leistungen werden europaweit ausgeschrieben

Allerdings hat der Gemeinderat dafür neulich die Weichen gestellt: Er beauftragte die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH damit, das Ausschreibungsverfahren zu betreuen, mit dem ein geeigneter Architekt gefunden werden soll. Angesichts der Dimension des Vorhabens müssen die Architektenleistungen europaweit ausgeschrieben werden. Demnächst müssen die Bürgervertreter noch ein paar Details festzurren. Sobald sie das getan haben, sagt Holl, könne die Ausschreibung für den Teilnahmewettbewerb vorbereitet werden.

Bis 2022 muss alles fertig sein

Der Zeitplan ist aus zuschusstechnischen Gründen eng gestrickt. Da es sich die Stadt nicht leisten kann, auch nur auf einen Cent der sieben Millionen Euro schweren Förderung zu verzichten, tut sie gut daran, sich an die Vorgaben zu halten, die an die Zusage des Regierungspräsidiums Stuttgart geknüpft sind: Demnach muss bis Ende März 2020 ein Architekturbüro beauftragt sein. Diese Beauftragung gelte, so Holl, als Baubeginn, und der müsse laut Förderbescheid eben Ende März sein.

Während der gesamten Bauzeit sollte möglichst wenig schief gehen, denn: "Bis Ende 2022 muss die Sanierung abgeschlossen sein", sagt der Bürgermeister. "Was bis dahin nicht erledigt ist, würde nicht bezuschusst." Ohnehin wird nicht alles unterstützt, was die Stadt erneuern möchte. Zehn der 15 Millionen Euro werden gefördert, erläutert der Rathauschef. Deshalb haben diese Arbeiten Priorität.

Fast 15 Millionen Euro fürs Schulzentrum
Das Gymnasium ist weitgehend mit Flachdächern versehen. Foto: Anja Krezer

Rathaus muss weiter in die Warteschleife

Ohne den Zuschuss müsste sich die Stadt Beilstein über ein solches Projekt überhaupt keine Gedanken machen - sie könnte sich das Vorhaben nämlich nicht leisten. Sowieso wird die Kommune womöglich Schulden machen müssen - "je nachdem, was wir in den nächsten Jahren alles anpacken". Ein weiterer lang gehegter Wunsch ist es bekanntlich, das Rathaus zu sanieren. Doch da dank des Förderprogrammes die Frischzellenkur der Schulen in greifbare Nähe gerückt ist, muss das stattliche Fachwerkhaus weiter in die Warteschleife.

Daten und Fakten

Ein Teil des Grundschultraktes stammt aus den 1950er Jahren. Das Herzog-Christoph-Gymnasium ist weitgehend ein Relikt der 70er Jahre, ein Teil wurde laut Bürgermeister Patrick Holl in den 90er Jahren errichtet. In beiden Schulen wurden immer wieder Bereiche saniert oder umgebaut. So wurde zum Beispiel in Sachen Brandschutz nachgerüstet, im Gymnasium wurden Klassenzimmer digitalisiert, der Schulhof der Grundschule wurde eingezäunt, das Atrium im HCG umgestaltet. "Aber vieles ist noch im Ursprungszustand. Es gibt Abnutzungen und Undichtigkeiten, auch energetisch liegt einiges im Argen", bedauert Patrick Holl. "Deshalb ist es höchste Zeit, Hand anzulegen."

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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