Erster Spatenstich für neues Talheimer Baugebiet

Talheim  In "Graben/Vorderer Tiefer Graben" am Ortsrand entstehen 45 Bauplätze. Nach fünf Jahren kann die Gemeinde Talheim wieder Grundstücke anbieten. Im August 2020 können Häuslebauer loslegen.

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Erster Spatenstich für neues Talheimer Baugebiet unter dem Haigerrn ist erfolgt.

Der symbolische Spatenstich unterhalb des Haigern. Am Montag beginnt die Tiefbaufirma mit der Erschließung des neuen Wohnbaugebiets in Talheim. Im Juli 2020 soll diese fertig sein.

Foto: Dennis Mugler

Bürgermeister Rainer Gräßle bemühte große Worte, die er von der Mondlandung vor 50 Jahren entlehnte. "Für mich ist es ein kleiner Schritt, für die Gemeinde aber ein gigantischer in der Wohnbauentwicklung." Dann griff er mit neun anderen Frauen und Männern zu Helm und Spaten, um den symbolischen Startschuss für das Wohnbaugebiet "Graben/Vorderer Tiefer Graben" zu geben. Nach fünf Jahren kann die Gemeinde wieder Bauplätze verkaufen. 45 Grundstücke werden unterhalb des Haigern, von zwei Seiten umgeben von Weinbergen, erschlossen. 33 sind in kommunaler Hand. 18 Jahre nach dem Aufstellungsbeschluss wird das letzte Baugebiet im aktuellen Flächennutzungsplan realisiert.

Rund 100 Leute versammeln sich beim Startschuss

In Scharen kamen die Leute am Freitagnachmittag aufs Feld zwischen Haigernstraße, Breslauer Straße und Verlängerung der Fleiner Straße: künftige Häuslebauer, Eigentümer, die die landwirtschaftlichen Flächen verkauft haben, frühere und aktuelle Gemeinderäte, Anwohner sowie die an Planung und Erschließung beteiligten Firmen.

Nachfrage kann nicht befriedigt werden

2,9 Hektar groß ist das Gebiet, in dem Bauherren ab 1. August 2020 loslegen können. Die Zufahrt erfolgt über die Haigern- und die Fleiner Straße, der Feldweg bleibt bestehen. Die Nachfrage nach Baugrund ist in Talheim wie anderswo auch groß und kann gar nicht befriedigt werden. Zwei bis drei Anfragen gehen pro Woche bei Kämmerer Dieter Uhler ein. Der Verkauf der Grundstücke spült Geld in die Gemeindekasse, 3,9 Millionen Euro sind im Haushaltsplan 2019 eingestellt. Allerdings muss die Kommune 1,65 Millionen Euro für den Erwerb von Flächen in der Umlegung, an der weitere neun Eigentümer beteiligt waren, aufbringen.

Erschließungskosten teuer als gedacht

Wer in "Graben/Vorderer Tiefer Graben" einen Bauplatz kauft, der muss zwischen 265 und 285 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Hinzu kommt die Erschließung, und die ist teurer als vor eineinhalb Jahren angenommen. Damals lag die Schätzung des Erschließungsträgers, der KE (LBBW Immobilien Kommunalentwicklung), bei 145 Euro. Die Ausschreibung hat 170 Euro pro Quadratmeter ergeben. Grund ist die Hochkonjunktur am Bau. Dabei kann Talheim froh sein, eine Tiefbaufirma gefunden zu haben. Nur zwei Angebote wurden abgegeben, die Firma Leonhard Weiss bekam den Zuschlag. Neu auszuschreiben, war für den Gemeinderat keine Option, scharrten die Bauwilligen doch bereits mit den Hufen.

"Wir warten schon lange auf eine Möglichkeit, zu bauen und standen schon lange auf der Liste", sagte Carolin Fischer, die stellvertretend für die Häuslebauer den ersten Spatenstich mit tätigte. Seit rund zehn Jahren wohnt sie mit ihrer Familie in Talheim. "Hier oben ist schöne frische Luft", gefällt ihr die Lage des Baugebiets am Ortsrand, fast inmitten der Weinberge.

Maßvolles Wachstum erfolgt

Erster Spatenstich für neues Talheimer Baugebiet unter dem Haigerrn ist erfolgt.

"Graben/Vorderer Tiefer Graben" verschwand nach dem Aufstellungsbeschluss 2001 wieder in der Schublade, wurden doch andere Baugebiete vorgezogen: 2004 "Wart II" mit 19 Bauplätzen und 2006 bis 2008 "Jungen" mit 83 Grundstücken, wie Gräßle ausführte. Er rechnete vor: Mit dem neuen Baugebiet seien seit 2002 nunmehr 147 Bauplätze erschlossen worden. Dadurch wuchs die Bevölkerung von 4755 auf heute 4950 Einwohner. Für den Bürgermeister der Beweis, dass Talheim, so wie es politischer Wille ist, nur maßvoll gewachsen sei.

Das sah zuvor ganz anders aus. Von 1985 bis 2002 stieg die Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum von 17 Jahren von 3493 auf 4755. Dieses Plus von 36 Prozent, bedingt durch die Baugebiete "Mühläcker", "Wart" und "Hühnerbrünnele", habe ein großes Wachstum bedeutet, so der Bürgermeister weiter.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Bad Friedrichshall sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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