Droht dem VfL Eberstadt die Auflösung?

Eberstadt  Wenn am Freitag bei der Hauptversammlung kein Nachfolger für Vereinschef Thomas Dierolf gefunden wird, dann wird es eng für den größten Verein in Eberstadt.

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Droht dem VfL die Auflösung?

Jetzt hat der VfL als einer der Hauptnutzer zwar eine schöne, neue Halle − aber womöglich bald keinen Chef mehr.

Foto: Archiv/Kunz

Über den schlimmsten Fall mag Thomas Dierolf gar nicht nachdenken: "Der worst case wäre die Auflösung des VfL." Dieses Szenario wird aber Wirklichkeit werden, wenn sich am Freitag bei der Hauptversammlung, spätestens aber in vier Wochen, kein Nachfolger für den Chef des größten Vereins in Eberstadt zur Wahl stellen wird.

Er hatte intensiv für sein Amt geworben. Er hatte mit vier potenziellen Nachfolgern Gespräche geführt. Thomas Dierolf hatte schon lange klar gemacht, dass er als Vorsitzender des 950 Mitglieder starken Vereins nicht mehr weitermacht. Nicht, weil es Ärger gegeben hätte, sondern weil der 59-Jährige findet, dass es irgendwann mal reicht. Seit mehreren Jahrzehnten hat er beim VfL, bei dem beinahe jeder dritte Eberstädter Mitglied ist, Funktionärsposten inne. Vereinschef ist er seit 2012. Zuvor war er sechs Jahre lang Vize-Chef.

Vor sechs Wochen herrschte noch Zuversicht

Noch vor etwa sechs Wochen war Thomas Dierolf zuversichtlich, dass einer seiner Gesprächspartner bereit sein würde, ihn zu beerben. Laut Satzung braucht der Verein einen ersten Vorsitzenden. "Doch alle haben abgesagt", bedauert Dierolf am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion. Bei ihm macht sich Enttäuschung darüber breit, "dass niemand Verantwortung übernehmen will". Sein Herz hängt am Verein. Der VfL sei "finanziell gesund. Von der Organisation her sind wir gut aufgestellt." Müsste der VfL Eberstadt tatsächlich aufgelöst werden, sei das "ein Armutszeugnis. Das wäre sehr traurig."

Im Idealfall besinnt sich ein geeigneter Nachfolger bis Freitagabend kurzentschlossen und wird gewählt. Dann wäre alles gut. Bei einem Treffen am Dienstag hat der Vorstand - dazu gehören neben Thomas Dierolf seine beiden Stellvertreter, also sein Neffe Sandro Dierolf (zweiter Vorsitzender Sport) und Robin Schwarz (zweiter Vorsitzender Technik), Kassiererin Evi Sander und Schriftführerin Carmen Göhring - den Fahrplan festgelegt, falls es anders kommt. Teilnehmer am Krisengipfel war auch Ehrenmitglied Herbert Bunse.

Droht dem VfL die Auflösung?

Thomas Dierolf in der Bildmitte.

Foto: Roland Kress

Vorstand verständigt sich auf Plan B

Wenn sich kein Kandidat findet, wird Plan B umgesetzt. Dann wird das Thema vertagt. "Dann gibt es in vier Wochen einen Wiederholungstermin der Hauptversammlung", gibt Dierolf im Gespräch mit der Heilbronner Stimme wieder, was am Dienstagabend vereinbart wurde. Bis dahin würde der Vereinschef im Amt bleiben.

Die Zeit würde genutzt, um noch einmal intensiv nach einem Nachfolger Ausschau zu halten. Wenn es auch bei der zweiten Hauptversammlung keinen neuen Vorsitzenden gibt, dann wird weitere vier Wochen später - von heute aus gesehen also in zwei Monaten - eine dritte Versammlung anberaumt: "Dabei geht es dann schon um das Thema Auflösung", sagt Thomas Dierolf klipp und klar.

Im Falle einer Auflösung muss das Amtsgericht einbezogen werden. Dann muss das Vermögen und das Eigentum des Vereins - dazu gehören zum Beispiel auch die Tennisplätze oder das Sportheim - auseinanderdividiert werden. Dann muss überlegt werden, welcher Abteilung was und wie viel zusteht. Der Ärger wäre vermutlich programmiert.

Daten und Fakten

Die Hauptversammlung ist am Freitag, 28. Februar, um 20 Uhr im Sportheim. Der VfL hat zehn Abteilungen, die laut Vereinschef Thomas Dierolf ihr eigenes Budget haben und recht selbstständig agieren können. Der Verein ist 116 Jahre alt und hat aktuell rund 950 Mitglieder.

Sein Entschluss steht fest

Warum übernimmt nicht sein Neffe oder Robin Schwarz den Posten des Chefs? Das bringe ja nichts, sagt Thomas Dierolf. "Dann reißt man ja an anderer Stelle ein Loch auf." Theoretisch könnten seine beiden Stellvertreter provisorisch ohne ihn weitermachen, sagt der Noch-Vorsitzende - zumindest für eine gewisse Zeit.

"Wir sind alle drei gleichermaßen geschäftsfähig." Doch seine beiden Stellvertreter lehnten das ab. "Ohne Vorsitzenden wollen sie nicht weitermachen." Will er im äußersten Notfall nicht doch noch mal kandidieren? Thomas Dierolf winkt entschieden ab, und er will sich auch nicht in die Ecke drängen lassen: "Nach so vielen Jahren hat man das Recht aufzuhören."


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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