Die Leitfarbe Grün hat es bei der Halleneröffnung in Eberstadt allen angetan

Eberstadt  Das ganze Wochenende wird in Eberstadt die Einweihung der neuen Eberfirsthalle gefeiert. Besonders die VfL-Mitglieder freuen sich als Hauptnutzer auf die moderne Anlage. Anderen hingegen fehlt jetzt schon ein Küchenbereich.

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Die Leitfarbe hat es allen angetan

Egal, ob Tischtennis, Tennis oder Schach: Beim Tag der offenen Tür stellt der VfL viele Mitmachangebote auf die Beine. Fast alle Abteilungen des Hauptnutzers der neuen Eberfirsthalle sind dabei.

Fotos: Christiana Kunz

Jahrelang wurde um das Projekt gerungen, monatelang wurde gebaut, drei Tage lang ist jetzt gefeiert worden: Endlich hat die Gemeinde Eberstadt eine neue Halle. Und was für eine! Wen man am Festwochenende mit dem Mammutprogramm auch fragt: Allen gefällt die neue Immobilie. Nur eine Küche vermissen manche schon jetzt.

"Jetzt Jonas! Nochmal schön ausholen", ruft Elisabeth Schmitt dem sechs Jahre alten Jungen zu und wirft einen rotgelben Ball in die Luft - und Jonas holt mit seinem Tennisschläger weit aus. Ein paar Meter weiter assistiert der frühere Bürgermeister Timo Frey einem siebenjährigen Jungen beim Schach: "Wir fahren jetzt mit dem Bauer eins vor: von F3 nach F4."

Kleine Mädchen kugeln sich über blaue Matten

Gleich daneben jagen zwei Mädchen auf der Tischtennisplatte einen kleinen Plastikball hin und her, und nochmal ein paar Meter weiter kugeln sich kleine Mädchen über blaue Matten. Am Samstagnachmittag ist Halligalli in der neuen Halle. Der VfL, mit 950 Mitgliedern größter Verein am Ort und Hauptnutzer der neuen Eberfirsthalle, hat beim Tag der offenen Tür etliche Mitmachangebote auf die Beine gestellt. Viele Leute sind da, die Neugier ist groß: Wie sieht sie denn nun aus, die neue gute Stube?

"Toll gemacht - kein Vergleich zu früher", findet Dragana Bikic. "Das freundliche Grün gefällt mir." Grün ist die Leitfarbe, grün ist der Sportboden, grün sind Türen und Fensterrahmen. "Für sportliche Aktivitäten sehr gut", urteilt Lothar Siebert. Aber ihm kommt der Mehrzweck zu kurz - dass es keine feste Bühne und keine Küche gibt. Beides wurde aus Kostengründen gestrichen.

Das Spülmobil hat Startschwierigkeiten

Julia Scharly findet: "Die Farben sind toll. Alles ist schön hell." Auch Jenny Weiß und Nina Ladwein sind angetan: "Es ist superschön geworden." Jedoch: "Eine Küche fehlt." Die Mütter helfen beim Kaffee- und Kuchenverkauf des Kindergartens Schmalbach und spülen das Geschirr in Plastikwannen. Das gemietete Spülmobil hat Startschwierigkeiten.

Schmalbach-Leiterin Anja Nitsche freut sich, dass der Neubau zweiteilbar ist. "Und das Grün passt gut zu Eberstadt." VfL-Chef Thomas Dierolf strahlt: "Es ist ein Schmuckstück geworden. Der grüne Hallenboden ist gut. Auch die Funktionalität ist gelungen." Die Mitglieder seien beeindruckt. "Jeder freut sich auf die Übungsstunden."

Häppchen für geladene Gäste

Die Leitfarbe hat es allen angetan

Die Musiker des Posaunenchors sind die ersten, die im Neubau auftreten.

Die eine oder Premiere dürfte der Posaunenchor bereits erlebt haben, eine solche aber noch nie: Die Musiker sind die allerersten, die im Neubau auftreten. Drei Stücke spielen sie auf der gemieteten mobilen Bühne beim Festakt mit geladenen Gästen am Freitagabend.

Da gibt es Häppchen, vom Gasthaus Lamm kredenzt, und viele Worte. Bürgermeister Stephan Franczak ruft die Historie ins Gedächtnis: Sanierung oder Abriss? Wenn Neubau, wo? 2015 dann das Ja zur neuen Halle unter Bürgermeister Timo Frey, schließlich die Umplanung zur abgespeckten Version unter Franczak. Der Weg zu dem, was an der Straße nach Lennach steht, war steinig.

Daten und Fakten

Stephan Franczak nennt nochmals die wichtigsten Zahlen: Die Halle hat 3,78 Millionen Euro gekostet. Mit Außenanlagen summiert sich die Investition inklusive Abriss der alten Halle auf 4,2 Millionen Euro. Aus drei Fördertöpfen des Landes erhielt die Gemeinde 1,1 Millionen Euro. Für das Projekt verschuldet sich Eberstadt mit zwei Millionen Euro. Die Bauzeit betrug 18 Monate. Das Spielfeld misst 18 mal 36 Meter. Es ist größer als das der alten Halle, aber kleiner als anfangs geplant. Deshalb können nicht alle Sportarten zu Wettkampfbedingungen ausgeübt werden.

Den Festakt am Freitag umrahmen auch der Liederkranz, der Eberbacher Männerchor sowie Elke Dierolf und Marina Hofmann von der VfL-Laienspielgruppe. Etliche Stühle bleiben leer - ist den Gästen das Wetter zu schlecht?

Viele Auftritte am Samstagvormittag

Sonnig und rappelvoll ist es dagegen am Samstagvormittag zum Start in den Tag der offenen Tür. Für 200 Gäste ist bestuhlt, geschätzte 400 sind da. Kein Wunder, gibt es doch Aufführungen von den VfL-Action-Kids, den Jungen und Mädchen beider Kindergärten, der Grundschüler, der VHS, vom Chor Viva la Musica und vom Indoorflugsport.

Draußen bietet die Feuerwehr Action. Bis 2.30 Uhr in der Nacht haben Bauamtsleiter Udo Messer und die Hausmeister Jürgen Göhring und Tina Jung aufgeräumt, damit am Samstag von der Feier des Vorabends nichts mehr zu sehen ist. Gefeiert und gestaunt wird auch am Sonntag noch: beim Gottesdienst, beim Weißwurstfrühstück und bei der Kinderkleiderbörse.

Viele Gefühle bei den Grußworten

Die Fotorevue macht es noch einmal ganz deutlich: Mit der alten, rund 40 Jahre alten Eberfirsthalle, war es wirklich nicht mehr weit her. Den ersten Baggerbiss zum Abbruch des tristen und baufälligen Betonklotzes zeigt Bürgermeister Stephan Franczak beim Festakt am Freitagabend ebenso wie das stete Wachstum der Nachfolgerin.

"Lassen Sie uns stolz feiern, dass wir es in einer gemeinsamen Kraftanstrengung geschafft haben, dieses Projekt zu stemmen", sagt er zu den geladenen Gästen, darunter fast all diejenigen Bürgermeister aus der Umgebung, die den Grundschülern und den VfL-Gruppen während der 18-monatigen Bauphase Unterschlupf gewährt hatten.

200 VfL-Kinder trainieren in der Halle

Den Dank an die Nachbarorte und -vereine betont auch Sandro Dierolf. "Wir alle sind voller Vorfreude", sagt der Vize-VfL-Chef in einer angenehm frischen und kurzen Ansprache. In Sachen Belegungsplan habe man in Abstimmung mit den anderen Vereinen und Institutionen "einen guten Konsens gefunden". Über den Winter würden mehr als 200 VfL-Kinder in der Halle trainieren. "Ich denke, das ist die Investition wert", findet Dierolf und wirft dem Rathauschef einen Ball zu. Der VfL-Sportbetrieb in der neuen Halle startet in einer Woche, am Montag, 18. November.

Die Leitfarbe hat es allen angetan

Von rechts: Architekt Jochen Wilfert, Bürgermeister Stephan Franczak, Planerin Birgit Burster und Bauleiter Ralph Buseck.

Grundschulrektorin Melanie Kübler hebt die Kreativität ihres Kollegiums hervor, das während der Bauzeit mangels Halle ein alternatives Sportprogramm auf die Beine gestellt hatte: Da ging es zum Walken in den Weinberg oder zum Krafttraining nach Lennach. Über den Winter stand die Mühlrainturnhalle in Weinsberg offen. "Jetzt freut sich die ganze Schule auf die neue Halle."

Kreativ ist Jochen Wilfert. Der Architekt und Geschäftsführer der Ludwigsburger Knecht Planungs- und Bauleitungsgesellschaft verliest sein Grußwort in Reimform. Danach übergibt er einen riesigen Schlüssel aus Hefeteig und spricht dazu wieder Prosa: "Ich denke, der Schlüssel ist das einzige, das den heutigen Abend nicht überlebt."

 


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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