Die Faszination der alten Technik

Ilsfeld  Die Holzverarbeitung im Wandel der Zeit - das erleben die Besucher beim Ilsfelder Holzmarkt. Bürgermeister Thomas Knödler eröffnet die Ausstellung, die an diesem Sonntagnachmittag sehr gut besucht ist.

Von Harald Schmidt
Die Faszination der alten Technik

Michael Sifft aus Frankenbach (links) baut zahlreiche Traktorenmodelle maßstabsgerecht nach. Besucher Alfred Schieferdecker ist von den Modellen begeistert.

Fotos: Harald Schmidt

Ein wahres Eldorado bietet sich den Liebhabern historischer Schlepper und Arbeitsmaschinen am Sonntagnachmittag auf dem Ausstellungsgelände beim Ilsfelder Holzmarkt. Unter dem Motto "Waldarbeit einst und heute" hat die Gemeinde eingeladen.

Aussteller aus dem Schwäbisch-Fränkischen oder dem Mainhardter Wald und aus den Kreisen Ludwigsburg und Heilbronn sind nach Ilsfeld gekommen. Alle haben ihre Raritäten mitgebracht. Schlepper, selbstfahrende Bandsägen, Spalter und historisches Handwerkszeug lassen die Augen der Besucher glänzen.

Eröffnet wird die Ausstellung von Bürgermeister Thomas Knödler in Begleitung seiner historischen Marktwache. "Die Wache sorgt dafür, dass hier in Ilsfeld nur redliche Geschäfte gemacht werden", sagt er schmunzelnd. Die Veteranenfreunde aus Ottmarsheim sind mit mehren Fahrzeugen über den Berg nach Ilsfeld gefahren.

Die Faszination der alten Technik

Die Veteranenfreunde aus Ottmarsheim sind mit mehreren historischen Fahrzeugen gekommen. Auch eine Bandsäge aus den 30er Jahren haben sie dabei.

Eine selbstfahrende Bandsäge, Marke Eigenbau

"Wir sind heute mit 15 Leuten gekommen und wollen einige unserer Schlepper präsentieren", erzählt Vorsitzender Bernd Schwandner. Mitgebracht haben die Vertreter des 150 Mitglieder großen Vereins auch eine selbstfahrende Bandsäge, Marke Eigenbau. "Der Unterbau stammt von einem Opel Blitz aus den 30er Jahren. Mit der Säge wurde bis 1990 gearbeitet", erklärt Schwandner und wirft die Maschine zusammen mit seinen Kollegen an. Beim Schausägen stellen sie die Funktionsfähigkeit vor zahlreichen Zuschauern eindrucksvoll unter Beweis.

Wenige Meter weiter hat Norbert Weissinger (59) aus Freiberg seinen Lanz-Bulldog aus dem Jahre 1922 aufgestellt. Jetzt bringt er den Verdampfer mit einer Lötlampe zum Glühen und kann dann den 12-PS-Glühkopfmotor anwerfen. Den interessierten Besuchern Jochen und Marie Koch aus Friolzheim zeigt er noch eine Besonderheit des Bulldogs. "Zum Rückwärtsfahren muss ich den Motor umwerfen", erklärt er und demonstriert dies gleich. Weissinger hat die Maschine noch immer im Einsatz, von neuen Arbeitsmitteln ist er nicht so überzeugt. "Wer beim Alten bleibt, wird vom Neuen nicht enttäuscht", erklärt er lächelnd.

Ein Exemplar aus der ehemaligen DDR

Zwischen den in Reih und Glied abgestellten Schleppern der Marken Güldner, Farmer, Fendt, Massey-Ferguson und Schlüter steht ein Exemplar auf der ehemaligen DDR. "Hart geknechtet unter Egon und seiner Brigade" steht auf dem Hinweisschild an dem 108 PS starken Traktor des Typs Fortschritt ZT vom Traktorenwerk Schönebeck.

Michael Sifft (55) aus Frankenbach ist passionierter Modellbauer und hat sich auf Traktoren spezialisiert. Auf seinem Ausstellungstisch hat er auch einen im Maßstab von 1:4 nachgebauten 12-er Lanz von 1922 stehen. "Daran habe ich rund drei Jahre gearbeitet", erklärt er. Alfred Schieferdecker (66) aus Talheim ist von den Modellen begeistert. "Als ehemaliger Ingenieur habe ich technische Kenntnisse und interessiere mich für die alten Fahrzeuge", erzählt er.

Eine besondere Rarität auf dem Gelände ist ein Schlepper aus der Gasmotoren-Fabrik Deutz in Köln. Das 220 Kilogramm schwere Gefährt stammt aus dem Jahr 1912 und wird von einem sechs PS starken Motor angetrieben. Jürgen Plath aus Beilstein ist davon fasziniert. "So ein alter Schlepper würde mich auch reizen", meint er.

Viele Veränderungen beim Holzeinschlag

Bereits seit Jahrtausenden nutzt der Mensch den Wald. In den letzten Jahrzehnten hat sich beim Holzeinschlag viel verändert. Waren bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts die Axt und die Zugsäge die typischen Werkzeuge, hielt mit der Einführung der Zwei-Mann-Motorsäge die Technik Einzug in die Waldarbeit. Ab den 60er Jahren verwendeten die Waldarbeiter die kompakten Einmann-Motorsägen, und auch Sicherheitselemente wurden berücksichtigt. Bei der Aufarbei-tung der Winterstürme "Vivien" und "Wiebke" im Jahr 1990 wurden erstmals Holzvollernter (Harvester) eingesetzt. Heute erledigen die mit Bordcomputer und GPS ausgestatteten Maschinen vom Fällen bis zum Vermessen alles in einem Arbeitsgang.

 

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