Die Burgruine Weibertreu soll einen neuen Kiosk erhalten

Weinsberg  Der Justinus-Kerner-Verein und der Frauenverein bringen ein Großprojekt auf den Weg. Ein Einzelspender unterstützt das Vorhaben bereits mit 230.000 Euro.

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Die Burgruine Weibertreu soll einen neuen Kiosk erhalten

Der Kiosk in der Burgruine Weibertreu ist in die Jahre gekommen: Er soll ersetzt werden. Zum Investitionspaket gehören auch Toiletten.

Foto: Simon Gajer

Für den Justinus-Kerner-Verein und den Frauenverein ist es ein Vorhaben besonderen Ausmaßes: Ihnen gehört die Burgruine Weibertreu, und sie wollen in das Wahrzeichen der Stadt bis zu 830.000 Euro investieren - sofern das Geld zusammenkommt. Diese Kostenschätzung stellte im Gemeinderat Matthias Klatte vor, der Vorsitzender beider Vereine ist.

Zwar liegt der Stadt mittlerweile der Bauantrag vor, ob aber tatsächlich Kiosk und kleine Hütte sowie eine Toilettenanlage als Gesamtpaket realisiert werden, wird sich zeigen. Los gehen soll es im kommenden Jahr mit dem Kiosk.

Der Vereinsvorsitzende spricht von einem "langen Prozess"

"Es war ein langer Prozess", berichtete Matthias Klatte den Stadträten aus den zahlreichen Gesprächen, an denen auch Vertreter des Landesdenkmalamts beteiligt waren. Grund für das lange Verfahren ist die Bedeutung der Ruine als Kulturgut, das bewahrt werden soll - auch optisch: "Dem Denkmalamt ist wichtig, dass es keine wilden Bauten gibt." Das betonte in der Sitzung auch Ulrike Schubart, die beim Landesamt für Denkmalpflege mitarbeitet: "Alles, was man dort oben zubaut, führt zu Beeinträchtigungen der geschichts-trächtigen Anlage." Sie formulierte deshalb die klaren Vorgaben: Neue Bauten müssten sich dem Bestand unterordnen.

Der erste Bauabschnitt kostet 507.000 Euro

Alles aus einem Guss - das ist das Ziel der drei Maßnahmen, die nicht zeitgleich umgesetzt werden. Die Kosten für Kiosk und Hütte werden derzeit auf 507.000 Euro geschätzt. Ein einziger Spender unterstützt das Vorhaben bereits mit 230.000 Euro, den Verantwortlichen fehlen nach Angaben des Vorsitzenden noch gut 270.000 Euro. Der Gemeinderat sicherte ebenfalls 100.000 Euro zu, weitere Unterstützung durch Weinsberg ist möglich.

Der Kiosk soll neu errichtet werden. Außerdem hoffen die Verantwortlichen in den Vereinen und in der Stadt, einen Pächter für die Bewirtung zu finden. Darauf setzen zudem die Stadträte. "Wir müssen schauen, dass wir einen guten Betreiber finden", sagte beispielsweise Claudia Steinbrenner (CDU).

Die Toiletten kommen in den Hang

Für Irritationen sorgte die Idee, dass außerhalb der Mauern die Toilettenanlage in den Hang gebaut werden soll. Der Architekt stellte Pläne vor, wonach der Sanitärtrakt - von Weinsberg aus betrachtet - wie eine Mauer aussehe. Weinstöcken sollen auf dem Flachdach wachsen. Dieser Bau verändere den Blick auf die Burg, sagte ABW-Stadträtin Birgit Werner.

Der Vereinsvorsitzende Klatte beruhigte: Wer über den Fußweg die Burg erreiche, laufe nicht auf die Toiletten zu. Den Plänen zufolge steigt man erst einmal Treppen nach unten, um zum WC zu gelangen. Den Anbau an eine andere Stelle zu versetzen, sei wegen der bestehenden Kanäle nicht möglich. Auch Ulrike Schubart berichtete von den Bedenken der Denkmalschützer, die letztendlich grünes Licht gaben: Der Sanitärbereich werde eingefügt, die Mauer mit Naturstein errichtet.

Die Zeitschiene sieht vor, dass im kommenden Jahr mit den Arbeiten begonnen wird. Nach gut eineinhalb Jahren soll der erste Abschnitt mit dem neuen Kiosk abgeschlossen sein. Wann - und ob überhaupt - mit den Toiletten begonnen wird, wird sich zeigen: Erst sollen Erfahrungen gesammelt werden, ob dieser Sanitärbereich benötigt wird. Die Burgruine, betonte Matthias Klatte, solle während der Bauphase so weit wie möglich offen bleiben. Die Stadt überlegt, langfristig den Zugang besser zu beleuchten.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen in Neckarsulm, Ilsfeld, Untereisesheim und Weinsberg.

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