Das Aushängeschild hat ausgedient

Eberstadt  Wie groß ist das Bedauern, dass die Ära des Eberstädter Hochsprung-Meetings zu Ende geht? Wir haben uns im Ort umgehört.

Von Anja Krezer

Das Aushängeschild hat ausgedient
Zum letzten Mal ist das Banner über die Eberstädter Hauptstraße gespannt. Das 40. Hochsprung-Meeting ist zugleich das letzte. Foto: Anja Krezer

 

Zum letzten Mal ist das Banner über die Hauptstraße gespannt, mit dem Eberstadt die Weltelite des Hochsprungs empfängt. Das 40. Meeting von 24. bis 26. August rückt näher. Es ist das letzte. Das Sportereignis hat die 3200-Einwohner-Gemeinde weit über die Region hinaus bekannt gemacht - wie groß ist das Bedauern im Ort über das Aus? Wir haben nachgefragt.

Ein Ereignis für Liebhaber

"Das Hochsprung-Meeting hatte für uns einen tollen Marketing-Effekt", sagt Bürgermeister Stephan Franczak. "Niemand kennt Eberstadt. Aber das Hochsprung-Meeting kennt jeder." Und die Eberstädter selbst? Sind sie überhaupt hingegangen zu dem bedeutsamen Event? In den zurückliegenden Jahren stagnierten die Besucherzahlen. Der Rathauschef formuliert es so: "Es ist eine sehr spezifische Veranstaltung. Man muss Liebhaber dieses Sports sein - das kann man nicht von jedem Eberstädter behaupten."

Schöne Atmosphäre

Des Bürgermeisters langjähriger Stellvertreter, Gemeinderat Werner Pfeifer, bestätigt: Hin und wieder war er zwar dort, aber: "Ohne Schirm in der manchmal großen Hitze" zu sitzen, sei nicht immer ein Vergnügen gewesen. Gleichwohl sagt auch Werner Pfeifer: "Für Eberstadt war das Ganze sehr gut als Aushängeschild." So sieht es auch die dienstälteste Gemeinderätin Inge Roth, die bei fast allen 40 Meetings dabei war: als Zuschauerin, aber auch als Helferin im Dienste des VfL Eberstadt. "Es war aber nicht nur gut fürs Image. Es war einfach schön. Die Atmosphäre, die Athleten..."

Der Respekt ist groß

Sinkende Sponsoren-Einnahmen, eine knapper werdende Kalkulation, der schon vor längerem angekündigte Rückzug von Macher Peter Schramm: All das sind, wie berichtet, Gründe für das Aus. "Ich habe großen Respekt vor Peter Schramm. Er hat das Ganze mit viel Intensität durchgezogen", würdigt Vfl-Chef Thomas Dierolf die Leistung des 75-Jährigen. Den Eindruck, dass das Interesse der örtlichen Bevölkerung gar nicht so groß ist, bestätigt er nicht: "Ich kenne viele Eberstädter, die konstante Besucher sind. Man ist stolz drauf."

Winzer von Weinsberger Tal haben profitiert

Nein. In ihrem Geschäft sei das Aus des Meetings kein Thema, sagt Tina Romanelli, Inhaberin des Friseursalons Tinas Abschnitt. Sie selbst sagt: "Schade, dass es nicht mehr stattfindet." Das findet auch Dirk Mosthaf, Geschäftfsführer der Winzer vom Weinsberger Tal. Die WG sei als direkter Nachbar "ein starker Partner": Sie stellt Räume bereit und sponsert den Wein, der bei den Veranstaltungen rund um die Wettbewerbe ausgeschenkt wird. Im Gegenzug beschert das Sportereignis der Genossenschaft Kunden: Zuschauer wie Sportler kaufen in der WG ein, die während des Meetings geöffnet ist.

Bauhof hat mehr Luft

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Bauamts- und Bauhofleiters Udo Messer. Das kleine Bauhofteam investiert jedes Jahr viele Stunden in Auf- und Abbau. "Wir haben das immer gerne gemacht. Aber wir freuen uns auch, wenn diese Belastung wegfällt und wir uns anderen Aufgaben widmen können."