Bürgermeisterwahl Weinsberg: Herausforderer Lutz Ronneburg will Bürger stärker einbeziehen

Weinsberg  Diplombetriebswirt Lutz Ronneburg ist kämpferisch: Als Bürgermeister will er Rathaus-Abläufe analysieren und neue Veranstaltungen schaffen. Den Bürgermeister Stefan Thoma kritisiert er, der reagiert gegenüber unserer Redaktion.

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Vor dem Weinsberger Rathaus: Lutz Ronneburg will Bürgermeister in der Stadt werden.

Foto: Simon Gajer

Weinsberg hat am 2. Februar die Wahl: Drei Männer wollen Bürgermeister werden. Stefan Thoma kandidiert für eine dritte Amtszeit. Samuel Speitelsbach ist Dauerkandidat in vielen Orten. Lutz Ronneburg ist daher der einzige Herausforderer, der es mit dem Posten ernst meint. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt er sich kämpferisch.

Der Herausforderer achtet genau auf den Wahlkampf

Es zeigt sich schnell: Lutz Ronneburg aus Tamm, der einen BA-Abschluss als Diplombetriebswirt hat und Geschäftsführer einer Finanzgesellschaft ist, ist auf den Bürgermeister und dessen Wahlkampf-Inhalte nicht gut zu sprechen. Er schaut genau hin, womit der Amtsinhaber wirbt – manches sei von ihm kopiert, behauptet Lutz Ronneburg. 

In Flyern der beiden Kandidaten ist von der bürgernahen Verwaltung die Rede. Und im Rathaus, wenn man dem Herausforderer glaubt, laufe es alles andere als rund. Stefan Thoma hat gegenüber unserer Zeitung bereits betont, dass man als Chef den Mitarbeitern auch Grenzen aufzeigen müsse. Er, Thoma, sei aber Teamplayer, seinen Führungsstil beschreibt er als „kooperativ und sehr menschlich“.

So reagiert Bürgermeister Stefan Thoma auf die Plagiatsvorwürfe

Auf die Plagiatsvorwürfe reagiert Stefan Thoma gegenüber unserer Zeitung „mit Unverständnis“. Das seien Themen, die in vielen Kommunen diskutiert werden und deshalb sei der Wortlaut gleich. Das Thema Stadtentwicklungskonzept hat Thoma nach eigenen Angaben bereits am 2. April 2019 in den Gemeinderat gebracht. Eine bürgernahe Verwaltung wolle man schon immer.

Der Herausforderer will als neuer Bürgermeister erst einmal alles analysieren

Sollte Lutz Ronneburg Bürgermeister werden, will er erst einmal alles genau anschauen – „alles von A bis Z analysieren und dann optimieren.“ Als Chef würde er seinen Mitarbeitern „unvoreingenommen“ entgegentreten. Durch Bekannte kennt der Finanzexperte schon lange Weinsberg und die Region. Bei Gesprächen mit ihnen sei es um die aktuelle Rathauspolitik gegangen, und dabei sei ihm gegenüber verdeutlicht worden: „Man braucht jemanden, der qualifiziert ist, sich durchsetzen kann und ein breites Fachwissen hat.“ 

Der Tammer fühlt sich für den Job gerüstet. Wie schnell man seine Handschrift als Verwaltungschef bemerken würde, kann er nicht abschätzen. Lutz Ronneburg ist überzeugt, dass er ein halbes Jahr brauche, um alles zu analysieren. Schneller ginge es in der Verwaltung. „Im Rathaus wird man es spüren, das garantiere ich.“

Der Herausforderer sieht sich als "Dienstleister für die Weinsberger"

Lutz Ronneburg will den Wir-Gedanken pflegen und als Bürgermeister „der Dienstleister für die Weinsberger sein“. Er möchte eine Bürgerbeteiligungsplattform installieren. Die Menschen sollen sich seinen Angaben zufolge über Umfragen einbringen oder ihre „kreativen Ideen“ äußern können. So könne man „das enorme Potenzial“ der Stadt nutzen. Davon profitiere ganz Weinsberg: „Wenn man die Stadt voranbringen will, dann geht das nicht ohne die Bürger“, betont der 55-Jährige.

Lutz Ronneburg ist präsent. Seine Wahlkplakate hängen, er stellt sich bei Vereinen und Gruppen vor, er organisiert Diskussionabende, verteilt Flyer mit zehn Zielen. Seine Ideen: Die Innenstadt solle belebt werden. Um ungenutzte Handelsflächen mit Leben zu füllen, will er gezielt Einzelhändler, Bäcker oder Metzger ansprechen und für den Standort gewinnen. Der Parkplatzsituation und dem Verkehrsfluss will er sich annehmen. Um den Verkehr im Zentrum zu optimieren, denkt er über einen Innenstadtring nach – mit der Hauptstraße als Einbahnstraße.

Weiteres Thema für den Kandidaten ist Wohnraum. Er will schauen, wo es Entwicklungsmöglichkeiten gibt und sich mit Bauträgern und Baugenossenschaften zusammensetzen. Für Weinsberg schwebt Ronneburg eine neue Veranstaltungskultur vor. Die Hallen sollen stärker genutzt werden.

Als Verwaltungschef führt der Bürgermeister eine Mannschaft mit gut 300 Mitarbeitern, dafür sieht sich Lutz Ronneburg gewappnet. Zurzeit betreut er mit seinem Beratungsbüro und Zuarbeitern nach eigenen Angaben Firmen und einzelne Kunden. In Unternehmen habe er Führungspositionen innegehabt, er sei in Hauptverwaltungen tätig gewesen. „Ich habe Verwaltungserfahrung“, betont er.

Das sind einige Termine mit Lutz Ronneburg

Donnerstag, 16. Januar, ab 19 Uhr im Vereinsheim der Sportfreunde Gellmersbach; Samstag, 18. Januar, 15.30 Uhr, Nalans Butcherei; Dienstag, 21. Januar, 18.30 Uhr, Zum Löwen in Wimmental sowie samstags auf dem Wochenmarkt, ab 10 Uhr. Hinzu kommen die städtische Bewerbervorstellung am Mittwoch, 22. Januar, ab 19.30 Uhr sowie das Stimme-Wahlforum am Dienstag, 28. Januar, ab 19 Uhr – jeweils in der Weibertreuhalle. Beim Stimme-Forum haken Redakteure bei Stefan Thoma und Lutz Ronneburg nach.

Zwar kandidiert auch Samuel Speitelsbach, allerdings will er als Dauerkandidat in vielen Orten den Rathausposten haben. Fragen an die Kandidaten bis 27. Januar an: simon.gajer@stimme.de. Die Weinsberger wählen ihren Bürgermeister am Sonntag, 2. Februar. Sollte kein Bewerber die absolute Mehrzahl der Stimmen erreichen, findet die Neuwahl am 16. Februar statt. 

 
 
 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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