Bürger beschäftigen sich mit der Frage: Wie soll Weinsberg in Zukunft aussehen?

Weinsberg  Handel, Wohnen, Mobilität: Projektbüro startet Umfrage unter den Weinsbergern. Unterdessen diskutiert der Gemeinderat bei einem kleinen Baugebiet in Grantschen über die Frage: Was darf hier gebaut werden?

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Bürger bringen sich bei Stadtentwicklung ein

Aus dem Acker soll Baufläche werden: Der Gemeinderat will ermöglichen, dass auf diesem Areal in Grantschen bis zu vier Gebäude entstehen können.

Foto: Simon Gajer

Wie viele Bürger leben im Jahr 2035 in Weinsberg? Wo zeichnet sich ein Nachholbedarf in der Betreuung ab? Wie denken die Weinsberger über die Bereiche Wohnen, Arbeiten, Kultur/Soziales und Mobilität? Im Gemeinderat stellt das Büro Reschl Stadtentwicklung einmal mehr vor, wie das sogenannte Stadtentwicklungskonzept für Weinsberg in den nächsten eineinhalb Jahren erarbeitet wird.

Projektbüro spricht von einem großen Angebot an die Bürger

"Das ist ein großes Angebot an die Bürger, das Gesicht der Stadt mitzugestalten", sagt Richard Reschl. Er hofft, dass sich die Stadt auf Zielvereinbarungen verständigt. Dass es nämlich schon jetzt unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie sich die Kommune entwickeln soll, verdeutlicht die Sitzung an anderer Stelle: einem kleinen Baugebiet in Grantschen.

Reihenhaus oder Einfamilienhaus: Stadträte sind unterschiedlicher Ansicht

Reihenhäuser, Doppelhaushälften oder Einfamilienhäuser? Maximal vier Bauplätze können aus Sicht des Rathauses in Grantschen entstehen. "Die Tendenz in den Teilorten geht zum Einfamilienhaus", sagt Thomas Goth, der das Amt für Baurecht, Umwelt und öffentliche Ordnung leitet. Auf gerade diese Bebauung soll die Stadt aus Sicht von Markus Bleyer (FWV) ihr Augenmerk legen: Man solle darauf achten, dass keine Reihenhäuser entstehen.

Linken-Stadtrat Florian Vollert hat jedoch eine andere Haltung: Man benötige Wohnraum, spricht er sich für eine dichtere Bebauung aus. Mit den Details befasst sich der Gemeinderat in einem nächsten Schritt.

Bei der Stadtentwicklung geht es um einen ganzheitlichen Ansatz

Die Sitzung zeigt: Auch mit einem Stadtentwicklungskonzept hat der Gemeinderat das letzte Wort. Doch dürfte gerade die geplante repräsentative Umfrage unter Bürgern klar machen, wie diese sich das Leben vor Ort vorstellen. Der Ansatz ist umfassend, wie Adrian Schwake und Richard Reschl vom Stadtplanungsbüro hervorheben. Sie schauen nach, wo Potenziale für Wohnen und Gewerbe liegen und wo Defizite sind. Auch die Bevölkerungsentwicklung analysiert das Büro - besonders im Gebiet Heilbronner Fußweg, in dem mehrere Hundert Bürger leben werden.

Eberhard Keilbach (SPD) erwartet, dass die Bürger über die Umfrage mehr Themen vorbringen, als die Stadt bearbeiten kann. "Das Hauptorgan heißt Gemeinderat", sieht Richard Reschl das Gremium in der Pflicht, über die Prioritäten zu entscheiden. Als eine gute Sache bewertet Linken-Stadtrat Vollert das Stadtentwicklungskonzept. Dem bezahlbaren Wohnraum solle man sich zuwenden, in diesem Bereich fehlt seiner Ansicht nach die Struktur. Anders laufe es in Erlenbach oder Eppingen.

Projektbüro hat auch das Klinikum am Weissenhof auf dem Schirm

Für FWV-Kommunalpolitiker Michael Ostertag ist das Klinikum am Weissenhof für Weinsberg wichtig. "Es ist fast ein vierter Ortsteil", sagt er. Seiner Ansicht nach ist die Einrichtung auch mitentscheidend, wenn man auf den Verkehr blickt oder die Kaufkraft in der Stadt bewertet. Auch Reschl weiß um die Bedeutung des größten Arbeitgebers in der Stadt, und selbstverständlich werde man sich mit Verantwortlichen des Zentrums unterhalten.

Bürgermeister Stefan Thoma setzt viel auf das Stadtentwicklungskonzept, damit sich Weinsberg gut positioniere. "Wir müssen eine Größe sein, mit der man rechnen kann und muss", sagt er. Zugleich müssten die Bürger in der Stadt wissen, dass es sich lohnt, in Weinsberg zu leben und zu arbeiten.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen in Neckarsulm, Ilsfeld, Untereisesheim und Weinsberg.

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