Besonderer Einsatz: Armin Trommer sammelt liegengelassenen Müll auf

Ellhofen  Armin Trommer aus Ellhofen macht sich einmal im Monat allein mit Müllbeutel und Greifzange auf den Weg und organisiert größere Gruppen-Aktionen. Er stellt fest, dass das Umweltbewusstsein nicht zunimmt, sondern ab.

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Der Griff zur Zange ist beinahe ein Reflex

Einmal im Monat ist Armin Trommer unterwegs, um gezielt Müll einzusammeln − hier an der Landesstraße zwischen Ellhofen und Lehrensteinsfeld. Dreimal im Jahr organisiert er zudem Sammelaktionen für jedermann.

Foto: Ralf Seidel

Er kann nicht anders. Zumindest nicht, wenn er ohne seine Familie unterwegs ist. Wenn Armin Trommer sich zu Fuß oder auf dem Fahrrad durch Ellhofen bewegt, und er sieht eine Flasche oder eine Papiertüte im Gras oder auf dem Gehweg, dann hebt er sie halt auf.

"Es fällt mir schwer, etwas liegen zu lassen." Er ist einfach genervt vom Müll, der am Straßenrand liegt. Deshalb geht der 55-Jährige auch einmal im Monat ganz gezielt mit Greifer und Tüte auf Sammeltour, und deshalb organisiert er dreimal im Jahr eine Müllsammelaktion für die Gemeinde.

Von Haus aus ist er ordentlich

Es ist nicht so, dass ihn die Fliege an der Wand stören würde. Dass bei Tochter Aywa (8) der eine oder andere Krümel auf den Boden fällt, wenn sie am Wohnzimmertisch sitzt und liest und dabei Chips isst - geschenkt. "Aber von Haus aus bin ich ein ordentlicher Mensch. Das haben meine vier Geschwister und ich in die Wiege gelegt bekommen", sagt Armin Trommer und lächelt.

"Meine Frau ist sogar noch pingeliger als ich." Zumindest im Haushalt. Wenn sie allerdings miteinander spazieren gehen und er versucht ist, eine plattgefahrene Dose aufzuheben, hält er sich zurück. Das ist der Gattin dann doch zu viel. "Da würde sie mir was erzählen."

Positive Nebeneffekte

Gezielt und allein macht er sich deshalb einmal pro Monat mit Müllbeutel und Greifzange auf den Weg. Positive Nebeneffekte: "Ich habe Bewegung, und ich genieße die schöne Landschaft." An diesem Abend hat sich Armin Trommer die Landesstraße zwischen der Ellhofener Sporthalle und der Feuerwehr vorgenommen. "Sie glauben ja nicht, wie viel da herumliegt", warnt er vor - und behält recht: Hier ein Plastikfetzen, dort ein Papierschnipsel, da hinten ein Stück Folie und dort drüben eine leere Bierflasche - Armin Trommer greift und greift. Er weiß aus Erfahrung: Was links und rechts auf dem nur wenige hundert Meter langen Abschnitt der L 1102 liegt, füllt den 80-Liter-Beutel fix.

Vielen mag der Abfall im Vorbeifahren gar nicht auffallen - vielleicht sind sie schon zu sehr an den Anblick von Müll am Wegesrand gewöhnt. Armin Trommer mag sich nicht daran gewöhnen: "Ich sehe ihn immer. Mich stört das." Dabei heißt es doch immer, das Bewusstsein der Menschen für ihre Umwelt nehme zu. Der groß gewachsene Mann schüttelt entschieden den Kopf: "Das Umweltbewusstsein lässt nach. Ich finde, der Müll wird immer mehr" - vor allem dort, wo viele Autos und Lkw unterwegs seien, etwa an der Querspange oder an der K 2113 zwischen Grantschen und dem Ellhofener Gewerbegebiet, aber auch an Radwegen.

Ordentlich sein muss der zweifache Vater schon von Berufs wegen. Er ist als Hausmeister beim Landratsamt Heilbronn angestellt. Er sieht bei Asylbewerberunterkünften nach dem Rechten und ist viel mit dem Auto unterwegs. Stets dabei: natürlich eine Greifzange.

Über 20 Säcke waren voll

Die braucht der gelernte Schreiner gleich mehrfach, wenn er für die Gemeinde dreimal im Jahr eine Müllsammelaktion organisiert, zuletzt vor zwei Wochen. 20 Leute haben ihm geholfen. Zu Spitzenzeiten waren es auch schon 30. Die Rathausverwaltung wirbt vorab in der Heimatschau um Helfer. Armin Trommer besorgt beim Bauhof Greifzangen, teilt die Leute in Gruppen ein und verteilt Müllbeutel. Beim letzten Mal waren über 20 Säcke à 80 Liter voll. Dazu kamen noch sperrige Sachen wie Stangen oder Reifen. "Im vergangenen Jahr haben wir mal zwei Kennzeichen gefunden. Wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, stammten sie von einem gestohlenen Auto."

Armin Trommer weiß: "Viele wundern sich und fragen sich bestimmt: Warum macht der das eigentlich?" Ja, warum denn? Der Ellhofener überlegt kurz. "Das ist eben meine Art des Ehrenamtes." Wichtig ist ihm: "Es geht mir nicht darum, in der Zeitung zu stehen. Ich will die Menschen einfach mal aufmerksam machen."

Weltweiter Aktionstag

Das passt ja zum Porträt von Armin Trommer: An diesem Samstag ist "World Cleanup Day" (WCD). Seinen Ursprung hatte der Aktionstag vor elf Jahren in Estland, als sich 50 000 Mensch daran machten, den Müll in ihrem Land einzusammeln. Die Initiative weitete sich aus, und seitdem haben sich nach Angaben im Internet weltweit 40 Millionen Menschen in 150 Ländern im Rahmen des WCD engagiert.

Als Armin Trommer vor ein paar Jahren vom hohenlohischen Griesbach nach Ellhofen zog, fragte er im Rathaus, ob es - ähnlich wie in anderen Orten - eine Müllsammelaktion gebe, bei der er sich engagieren könne. Die gab es bis dahin nicht - aber zum Glück gab es ja fortan Armin Trommer. Inzwischen hat er bereits neun Aktionen organisiert, drei pro Jahr. Der Bauhof unterstützt ihn in seinem Engagement. Bürgermeister Wolfgang Rapp freut sich sehr. "Ich finde es klasse, dass Herr Trommer das macht. So eine Uneigennützigkeit ist leider selten geworden. Es wäre schön, wenn es mehr Herr Trommers gäbe."

 


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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