Anwohner sauer wegen Straßenarbeiten im Weissenhofgelände

Weinsberg  Es regt sich Unmut unter den Anwohnern des Klinikums am Weissenhof. Grund sind die kurzfristig angesetzten Bauarbeiten an der kleinen Ringstraße in der Nähe der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Von Stefanie Pfäffle
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Mehr Platz für Autos

Die Bauarbeiten laufen bereits auf Hochtouren. Die kleine Straße wird deutlich verbreitert, von der Wiese ist kaum noch etwas zu sehen.

Foto: Stefanie Pfäffle

Hier stehen einige der von Mitarbeitern und ihren Familien bewohnten Häuser. Die Ringstraße wird verbreitert, 15 neue Parkplätze werden angelegt und dafür eine Wiese und bereits der erste Baum geopfert. Fast alle Anwohner haben ein Protestschreiben an die Klinikleitung unterschrieben, das der Heilbronner Stimme vorliegt.

Christian Nagel wohnt direkt an der bisher etwa ein Auto breiten Straße. Er ist der einzige, der sich gegenüber der Presse äußern möchte. Nagel ist kein Mitarbeiter des Klinikums. "Für mich ist das ein Schildbürgerstreich", ärgert er sich. "Uns wurde erzählt, dass kurzfristig noch Geld freigeworden ist, das dieses Jahr noch ausgegeben werden muss, weil man sonst vielleicht nicht dasselbe Budget bekomme." Man wurde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Mehr Platz für Autos

Die angedachten Parkplätze sind übrigens nicht für die Anwohner gedacht. Nicht nur deswegen bedeute die Maßnahme mehr Verkehr, ist sich Nagel sicher. "Hier fahren bisher viele Kinder Roller, wir, aber auch die Patienten haben die Wiese zur Erholung gerne genutzt, das fällt jetzt weg." Das Gelände gilt als verkehrsberuhigt, Tempo 20 ist vorgeschrieben. Der Anwohner ärgert sich vor allem darüber, dass das ganze Land über weniger Autos und Klimaschutz redet, während beim Weissenhof noch mehr Fahrzeuge aufs Gelände gelockt und Flächen versiegelt werden.

"Anstatt einer Verkehrsberuhigung zum Schutz von Personen, die sich hier in Behandlung befinden, Mitarbeitenden und Anwohnenden voranzutreiben, wird nun das genaue Gegenteil gemacht", ist in dem Protestbrief zu lesen. Außerdem gebe es bereits einen großen Hauptparkplatz, der die Hälfte der Zeit leer stehe, weil auch die Angestellten nicht gewillt seien, fünf bis zehn Minuten von dort aus zu ihrem Ziel zu laufen, ergänzt Nagel. "Es gibt auch kein sinnvolles Parkleitsystem, viele finden den Besucherparkplatz überhaupt nicht." Statt einer Verbreiterung könne ein Einbahnstraßenschild helfen. Nicht der einzige Verbesserungsvorschlag, den die Anwohner hatten, um ihre Wiese zu retten.

Interne Angelegenheit

Andreas Breitmayer, kaufmännischer Direktor des Weissenhofs, wundert sich, dass das Thema überhaupt in die Öffentlichkeit gelangt ist. "Das ist das Krankenhausgelände und damit keine öffentlich zu diskutierende Lage, sondern eine interne Angelegenheit", erklärt er auf Nachfrage. Laut Breitmayer werden auf einem so großen Gelände regelmäßig Straßen saniert. Diese spezielle Verbindung werde nun so hergestellt, dass sie den Ansprüchen des Klinikums genügen.

"Die Straße gehört dem Krankenhaus, nicht den Anwohnern, auch wenn diese das gerne hätten", betont er. Wie viele Parkplätze benötigt werden, regle das Klinikum selbst, das habe mit den Mietern nichts zu tun. "Natürlich gibt es auch ein Parkleitsystem, das ist uns wichtig." Bäume würden außerdem regelmäßig gefällt, wenn der Gutachter das für notwendig erachte. "Umweltschutz liegt uns sehr am Herzen, wenn sich da einer unserer Mitarbeiter jetzt echauffiert, hat er sich schlecht informiert."


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