An der Talheimer Waldkreuzung startet im Juli der Kreiselbau

Talheim  Der Unfallschwerpunkt im Talheimer Wald soll entschärft werden. An der gefährlichen Kreuzung wird ein Kreisel gebaut. Zur Vorbereitung sind jetzt Bäume gefällt worden. Die Kostenschätzung hat sich inzwischen auf 1,25 Millionen Euro verdoppelt.

Von Sabine Friedrich

An der Talheimer Waldkreuzung startet im Juli der Kreiselbau

Sichtbares Zeichen, dass etwas an der Waldkreuzung passiert: Für den Bau des Kreisverkehrs sind 40 Bäume gefällt worden, dazu kommen noch 15 weitere, die nicht mehr standsicher waren. Foto: Sabine Friedrich

Tut sich jetzt endlich etwas? Das fragen sich wohl all diejenigen, denen die Veränderung aufgefallen ist: An zwei Böschungen gibt es kahle Bereiche, statt Hochstämmen sind nur noch dünne, kurze Baumstümpfe zu sehen. Ja, es tut sich was. An der so genannten Talheimer Waldkreuzung ist die Rodung abgeschlossen.

Das ist die Vorbereitung für den Bau eines Kreisels an der gefährlichen Kreuzung zwischen Talheim, Flein, Untergruppenbach und Ilsfeld. Voraussichtlich im Juli wird mit den Arbeiten begonnen. Das teilt das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) auf Anfrage der Heilbronner Stimme mit. Dass viel Zeit ins Land gezogen ist, zeigt sich an der Kostenschätzung, die Stand September 2018 inzwischen auf 1,25 Millionen Euro geschnellt ist.

Hohe Baupreise sind ein Grund für die Verteuerung

Dabei waren schon die 657.000 Euro der Entwurfsplanung 2014 als zu teuer angesehen worden, weshalb eine abgespeckte Form des Kreisels gewählt wurde - auch um den Eingriff in die Natur zu verringern. Und nun die Verdoppelung des Betrags. Désirée Bodesheim von der Pressestelle des RP, begründet die steigenden Preise mit der Hochkonjunktur am Bau. Zudem habe man festgestellt, dass für den Untergrund hochwertigeres Material benötigt werde. Damit einher gehe ein höherer Aufwand. Wie teuer der Kreisel mit einem Außendurchmesser von 40 Metern schlussendlich wird, ergibt sich erst nach der Ausschreibung.

Auch Bäume, die nicht mehr standsicher waren, wurden beseitigt

40 Bäume, so berichtet Bodesheim, sind wegen der Baumaßnahme gefällt worden, weitere 15 waren durch die Trockenheit so geschädigt, dass sie wegen mangelnder Standsicherheit weichen mussten. Quartierbäume für Fledermäuse konnte der Biologe nicht finden. Um Haselmäuse zu schützen, wird der Waldboden erst befahren, wenn die Tiere ihr Winterquartier verlassen haben, so das RP weiter.

Während der Baumaßnahme wird der Bereich voll gesperrt

Die Vorarbeiten dauern drei bis vier Wochen, danach werden für den Kreiselbau sechs Wochen benötigt. In dieser Zeit ist die Kreuzung der L 1100/K 2155 voll gesperrt. Der Verkehr werde dann überörtlich umgeleitet. Die genaue Strecke wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Die für den Kreuzungsumbau notwendige Fläche gehört der Gemeinde Talheim. Der Gemeinderat, so Bürgermeister Rainer Gräßle, habe signalisiert, dass man diese zur Verfügung stelle. "Das ist einfach geregelt", ergänzt er, und zwar über einen öffentlich-rechtlichen Vertrag.

Die Anrainergemeinden zogen an einem Strang

Schließlich hatte sich Talheim dafür stark gemacht, den Unfallschwerpunkt zu entschärfen. Die Gemeinde hatte 2012 die Nachbarn aus dem Sprengel mit ins Boot geholt, so dass durch die vereinten Kräfte wieder Bewegung ins Spiel kam, nachdem schon seit Jahren Pläne für eine Verbesserung in der Schublade gelegen hatten. 2013 hatte der damalige SPD-Landtagsabgeordnete Ingo Rust, Regierungspräsident Johannes Schmalzl, Landrat Detlef Piepenburg, Planer und Bürgermeister an einen Tisch gebracht. Beim Vor-Ort-Termin gab Schmalzl damals zu, dass die Kreuzung eine der schwierigsten im Land sei.

Ursprünglich wurde eine Ampel favorisiert

An der Talheimer Waldkreuzung startet im Juli der Kreiselbau

Das Regierungspräsidium prüfte zwei Alternativen: eine Ampel und einen Kreisverkehr. Das Baureferat favorisierte die Lichtsignalanlage wegen der Kosten und der kürzeren Bauzeit. Bei näheren Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass der Aufwand doch höher ausfallen würde, so dass die Vorteile der Ampel fast aufgezehrt wurden. Und so kam es 2015 zur Kehrtwende, Land und Landkreis schwenkten auf einen Kreisverkehr. Das, wofür sich Talheim und die anderen drei Anrainerkommunen mehrheitlich ausgesprochen hatten.

Nach den Jahren der Diskussion und Planung ist Talheims Bürgermeister froh, dass der Kreisel jetzt realisiert wird.

Ein Blick auf die Unfallstatistik

Im Laufe der Jahre hatte es an der Waldkreuzung Entschärfungsversuche der Unfallhäufungsstelle gegeben: mit Warn- und Stoppschildern, Baken, vorgezogenen Haltelinien und Tempo 50. Was die Kreuzung der Landesstraße 1100 mit der Kreisstraße 2155 so gefährlich macht, ist die Unübersichtlichkeit. Denn es treffen hier vier Fahrbahnen im Wald zusammen, die Straße aus Richtung Ilsfeld ist schmal mit einer Kuppe und einer starken Kurve.

In den vergangenen drei Jahren gab es glücklicherweise keine Schwerverletzten oder gar Verkehrstote im Kreuzungsbereich. Laut Polizeipräsidium Heilbronn ereigneten sich 2016 acht Unfälle, bei dreien gab es je einen Leichtverletzten. 2017 wurden vier Unfälle registriert mit drei Leichtverletzten. Im vergangenen Jahr passierten vier Unfälle mit einem Verletzten.

Die geschätzten Kosten von 1,25 Millionen Euro übernimmt zu rund 52 Prozent das Land, den Rest der Landkreis.

In einem mit dem Forst und der Gemeinde Ilsfeld abgestimmten Bereich westlich der Kreuzung fördern Ausgleichsflächen die typische Vegetation des Waldtyps.

 

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