2019 ereigneten sich im Bereich des Polizeireviers Weinsberg mehr Unfälle als im Vorjahr

Östlicher Landkreis  Mehr Verkehr zieht auch mehr Unfälle nach sich. Die Talheimer Waldkreuzung nach dem Umbau jetzt unauffällig. Senioren, Motorradfahrer und junge Fahrer sind die Sorgenkinder im Polizeirevier Weinsberg.

Von unserer Redaktion
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Der Kreisverkehr hat die Wende gebracht. Seit dem Umbau der Talheimer Waldkreuzung im Sommer 2019 hat es hier nicht mehr gekracht.

Fotos: Mario Berger

Die 1,5 Millionen Euro sind gut investiert: Seit im vergangenen September der Kreisverkehr an der Talheimer Waldkreuzung fertig gebaut worden ist, hat es hier nicht mehr gekracht. Die jahrelange unfallträchtige, weil unübersichtliche Kreuzung zwischen Talheim, Flein, Untergruppenbach und Ilsfeld ist damit entschärft. "Das ist ein Vorzeigekreisel", stellt Uwe Trumpp, Leiter des Polizeireviers Weinsberg, zufrieden fest. Dieser Schwerpunkt ist aus der Unfallstatistik 2019 verschwunden. Auch an anderen auffälligen Kreuzungen im Revierbereich besteht Handlungsbedarf, sind es doch Jahr für Jahr dieselben Abschnitte, an denen Unfälle sich häufen und Menschen verletzt werden.

Zu schnell in Rechtskurve nach Vorhof

Berüchtigt ist die kurvenreiche Landesstraße 1111 von Löwenstein nach Untergruppenbach. So beliebt die Strecke bei Bikern aus nah und fern ist, so unrühmlich ist ihr Ruf. Hier verunglücken viele Motorradfahrer. Der Knackpunkt ist die Rechtskurve unmittelbar nach dem Untergruppenbacher Teilort Vorhof. Alle Unfallverursacher an dieser Stelle seien zu schnell gewesen, analysiert Uwe Trumpp. 2019 hat sich die Situation leicht gebessert bei nur sechs Unfällen auf dieser Strecke, nachdem es in den Vorjahren 14 und 15 waren. Vielleicht fruchten hier die vielen Kontrollen der Polizei.

Die hat aber auch die B39 in den Löwensteiner Bergen im Visier. Mit der L1111 die Straße, auf der die meisten Motorradunfälle im Weinsberger Tal, im Schozach- und Bottwartal passieren. 62 gingen 2019 in die Statistik ein. Zu beklagen waren ein Verkehrstoter, 22 Schwer- und 34 Leichtverletzte. Bei 39 Unfällen waren die Biker die Verursacher.

Trotz Ampeln eine unübersichtliche Kreuzung

"Es muss sich langsam was tun", kommentiert Trumpp die Lage auf dem Untergruppenbacher Zubringer. Die Kreuzung von L1111, K2086 und K2155 hat Ampeln, dennoch kommt es zu Unfällen. Sieben waren es 2019 mit zwei Schwer- und vier Leichtverletzten. "Durch die vielen Fahrspuren ist die Kreuzung unübersichtlich", meint der Revierleiter. Dazu kommt eine hohe Verkehrsbelastung. Eine Ampel könnte für mehr Sicherheit an der Einmündung der Querspange zwischen Weinsberg und Lehrensteinsfeld in den Autobahnzubringer B39a sorgen. Neun mal kam es zu Zusammenstößen beim Ab- und Einbiegen, was sich beim hohen Verkehrsaufkommen als schwierig gestaltet. "Hier muss eine Regulierung her", fordert Trumpp. Am besten in Kombination mit der Autobahnauffahrt.

2019 ereigneten sich im Bereich des Polizeireviers Weinsberg mehr Unfälle als im Vorjahr

Die Einmündung der Öhringer Straße in Weinsberg in die B39 ist unfallträchtig. In Stoßzeiten findet sich hier kaum eine Lücke zum Einfädeln und Abbiegen.

Der Verkehr ist so dicht auf der B39, dass sich zu Stoßzeiten kaum eine Lücke findet zum Ein- und Abbiegen in die Öhringer Straße in Weinsberg. Wie im Vorjahr gab es hier neun Zusammenstöße.

61 Schwer- und 213 Leichtverletzte

Seit Jahren steigen die Unfallzahlen im Revierbereich Weinsberg. 2019 waren es 2053 (2018: 2016). Trumpp führt das auf die Zunahme des Verkehrs in einer wirtschaftlich starken Region zurück. Zwei Menschen wurden auf den Straßen getötet, 61 schwer und 213 leicht verletzt. Nichtbeachtung der Vorfahrt war die Hauptunfallursache, gefolgt von zu wenig Abstand.

"Die Senioren sind mobiler als früher. Sie fahren bis ins hohe Alter", begründet Trumpp die weiter steigende Zahl von Unfällen dieser Personengruppe - meist innerorts. Weil Senioren in der Regel langsamer fahren, sind die Folgen nicht so gravierend wie beim Unfallgeschehen mit jungen Erwachsenen, das allerdings leicht sinkend ist. Dennoch bleiben diese Fahrer weiter Sorgenkinder der Polizei, verunglücken sie doch meist wegen zu hohem Tempo oder sind alkoholisiert. "Sie fahren mit mehr Risiko und sind sorgloser", stellt Trumpp fest. Und in 65 Prozent der Unfälle, in die sie verwickelt waren, waren sie der Verursacher. Bei den Senioren lag die Zahl nur leicht darunter.

Was bei Verkehrskontrollen herauskam

So oft wie möglich mache das Polizeirevier Weinsberg Verkehrskontrollen. Unter den regelmäßigen Überwachungen seien auch zwei bis drei Alkoholkontrollen pro Monat, sagt Leiter Uwe Trumpp. 66 Alkoholsünder wurden 2019 erwischt. 38 hatten zwischen 1,1 und 1,59 Promille intus, 25 sogar noch mehr. "Der Normalbürger findet da sein Auto nicht mehr", kommentiert der Weinsberger Revierleiter diese Straftat am Steuer, die auch ein Fahrverbot nach sich zieht. Die Zahl der Alkoholsünder war niedriger als 2018, weil die Polizei 2019 mehr Wert auf die Drogenüberwachung legte. Hier kam es zu einer Zunahme von 62 auf 86 positive Ergebnisse. 56 Kontrollierte hatten Cannabis konsumiert. "Das ist salonfähig geworden", beschreibt Trumpp diese bedenkliche Entwicklung.

Die geahndeten Handyverstöße am Steuer gingen im vergangenen Jahr von 505 auf 471 Fälle zurück. Tendenz steigend hieß es allerdings bei den Gurtmuffeln. "Der Automatismus lässt bei einigen Gruppen stark nach", stellt der Revierleiter fest. 729 nicht angeschnallte Verkehrsteilnehmer wurden deshalb zur Kasse gebeten (2018: 563). Dass bei den Kontrollen 19 Kinder in Fahrzeugen nicht gesichert waren, ist für Uwe Trumpp ein No-Go.


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