Zentrum Neckarsulm: Nicht mehr unbegrenzt kostenlos parken

Neckarsulm  Der Neckarsulmer Gemeinderat bringt Parkgebühren auf den Weg. Nach einer kostenlosen Zeit sind bis maximal acht Euro pro Tag drin. Der Oberbürgermeister erhofft sich dadurch, den Verkehr zu lenken. Es gibt auch kritische Stimmen im Gremium.

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Parken gratis? Das Schild stimmt noch, braucht aber bald eine Ergänzung. Kostenloses Parken gibt es nur noch für maximal zwei Stunden.

Foto: Ralf Seidel

Die Einkaufsstadt Neckarsulm wirbt auf Schildern ganz groß mit kostenlosem Parken. Besucher des Zentrums können zwar auch langfristig im Zentrum ihre Autos abstellen, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen, allerdings gilt das nicht mehr unbegrenzt. Bis zu zwei Stunden sind im Ballei-Parkhaus möglich, an anderen Stellen in der Stadt ist es nur noch für höchstens eine Stunde möglich. Danach bittet die Stadt die Fahrer zur Kasse - mit einem Euro je Stunde geht es los, es sind aber auch zwei Euro für 60 Minuten drin. Der Tageshöchstsatz beträgt acht Euro.

Betriebskosten sind nur vage aufgeführt

Der Gemeinderat hat die Gebühren mehrheitlich beschlossen. Dass zu bezahlen sein wird, dem hat das Gremium bereits vor einigen Monaten zugestimmt. Dennoch gab es kritische Stimmen. Joachim Eble (Freie Wähler) bedauerte, dass Betriebskosten nur vage angegeben wurden. Er bezweifelte zudem, dass man durch diese Regeln tatsächlich die Verkehrsströme lenken könne. Es gebe ja eine Freipark-Dauer, deshalb war er dagegen.

Auch Ina Maria Berthold (CDU), die ein Geschäft in der Innenstadt führt, sprach sich gegen die Gebühren aus. Ihr sei nicht klar, dass sich die Investitionen tatsächlich rechnen. Dauerparker könne man auch anders fernhalten. Die Gebühren seien zwar günstig, aber am Ende stünde nur eine "verödete Innenstadt". Sie appellierte ans Gremium: "Wir sollten alles tun, um die Frequenz in der City zu erhalten." SPD-Stadtrat Nicolas Härdtner, der Vorsitzender des städtischen Gewerbevereins ist, lehnt Gebühren nicht ab. Wegen der Coronapandemie herrsche allerdings gerade eine große Verunsicherung in der Bevölkerung. Er fragte: "Ist es der richtige Beschluss zur falschen Zeit?"

Für Kommunalpolitikerin sind die beschlossenen Gebühren ein "eher zaghaftes Zeichen für weniger Verkehr"

Zu den Befürworterinnen gehörte Susanne Blawert (Grüne). "Öffentlicher Raum ist ein kostbares und wertvolles Gut", sagte sie. Parkplätze verursachten Kosten, dafür komme bislang die Kommune auf. "Mit dem heutigen Beschluss setzen wir ein wichtiges, wenn auch vorerst ein eher zaghaftes Zeichen für weniger Verkehr in der Innenstadt und für mehr Gleichwertigkeit aller Verkehrsarten." Susanne Blawert erinnerte zugleich daran, dass man immer noch günstiger mit dem Auto ins Zentrum komme als mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Dieter Steiner (SPD) sah das ähnlich, man müsse die Preise angleichen. Zugleich hofft er, dass auch "attraktive Radstellplätze" aufgestellt werden.

Der OB sieht Handlungsbedarf in allen Parkhäusern

Oberbürgermeister Steffen Hertwig erhofft sich durch die Maßnahme, dass man die Autofahrer gezielt steuern kann. "Es geht auch um Verkehrslenkung." Man habe einen guten Kompromiss gefunden, da freies Parken möglich bleibt. Zugleich blickte er auf die städtischen Finanzen. "Wir haben Handlungsbedarf in allen Parkhäusern", sagte der Rathauschef. "Das kostet Geld."

Ob der Zeitpunkt der Einführung der richtige sei, beantwortete der Oberbürgermeister nicht. Steffen Hertwig sagte aber, dass man sein Auto direkt am Rathaus eine Stunde kostenlos stehen lasse könne. Auch das Ballei-Parkhaus sei nicht weit vom Zentrum entfernt, dort sind zwei Stunden möglich. Eine Stunde parken, "das reicht für vieles". Der OB sagte: "Wir werden die Innenstadt dadurch weder schwächen noch stärken."

Die Stadtverwaltung Neckarsulm will die Stellplätze in den Parkhäusern neu markieren und damit mehr Platz für größere Fahrzeuge schaffen. Einige Parkplätze fallen deshalb weg, erklärte Manuel Heer, der im Rathaus das Amt für Stadtentwicklung und Gebäudewirtschaft leitet. Ladesäulen für Elektrofahrzeuge werden installiert, in der Rathaustiefgarage stünden sie bald zur Verfügung. Schranken werden montiert, Parkscheinautomaten aufgestellt: Die Umsetzung erfolge im ersten Quartal 2021, kündigte Manuel Heer an. Anwohner können weiterhin abends im Freien parken.

So sieht es in Bad Rappenau und Eppingen aus

So sieht es in den anderen Großen Kreisstädte im Landkreis aus: In Bad Rappenau zahlt man überwiegend nichts: Man kann auf dem Festplatz unbegrenzt parken, am Bahnhof teilweise mit Parkscheibe. Das gilt auch für das Rathaus. Zu bezahlen ist am Rappsodiebads: 25 Cent je 30 Minuten, maximal fünf Euro. Eppingen: Unbegrenzt oder maximal zwei Stunden parken sind möglich, in der Altstadt sind 50 Cent je Stunde fällig, in den Einkaufsstraßen 50 Cent je 30 Minuten. Im Parkhaus kostet die erste Stunde 50 Cent, die zweite nichts, dann wieder 50 Cent. Tagespauschale: vier Euro.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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