Wo die Sonne bald mehr Strom erzeugen wird

Region  Der Neudenauer Gemeinderat bringt das Photovoltaik-Vorhaben voran. Unterdessen werden die Möckmühler Dächer untersucht, und in Roigheim gründet sich ein Beteiligungs-Unternehmen, das selbst Anlagen betreiben will.

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Landschaftsschutzgebiet zwischen Neudenau und Herbolzheim: Bedenken sind ausgeräumt, sodass eine Photovoltaik-Anlage errichtet werden kann.

Foto: Simon Gajer

Sonnenstrom von Felder sowie von innerstädtischen Dächern: Wo und wie Photovoltaik-Anlagen errichtet werden können, ist zurzeit großes Thema im nördlichen Landkreis. In Roigheim ist sogar diese Woche ein neues Unternehmen gegründet worden.

Die Gemeinde Roigheim, der Heilbronner Energieversorger Zeag, ein Grundstückseigentümer sowie weitere Bürger bringen sich in einer GmbH & Co. KG ein, um Photovoltaik-Anlagen zu betreiben. Der Gemeinderat hat bereits einen Bebauungsplan für einen Photovoltaik-Standort im Gewann Himmel verabschiedet, jetzt folgt die nächste Anlage.

Neudenau will Sonnenstrom-Projekt an den Bahngleisen

Eine Gesellschaftsform, an der sich Bürger finanziell einbringen können, ist auch für Neudenau im Gespräch. Nun hat der Gemeinderat einen Schritt unternommen, damit an Bahngleisen zwischen Herbolzheim und der Kernstadt eine größere Photovoltaik-Anlage errichtet werden kann. Auch hinter diesem Vorhaben steht die Zeag.

"Neudenau trägt einen kleinen Teil zur Energiewende bei", betont Neudenaus Bürgermeister Manfred Hebeiß. Laut den vorliegenden Plänen soll auf der landwirtschaftlichen Fläche eine Anlage mit einer Spitzenleistung von 750 Kilowatt Peak errichtet werden. Geht alles nach Plan, könnten die Module im kommenden Jahr montiert werden. Bürgermeister Hebeiß erwartet, dass das Projekt in den ersten sechs Monaten fertiggestellt werden kann. "Die Zeag bleibt am Ball."

Dass dies überhaupt möglich ist, war vor einigen Monaten nicht absehbar. Schon Anfang 2020 befasste sich der Gemeinderat mit Photovoltaik an dieser Stelle, doch das Landratsamt als zuständige Stelle übte Kritik. Unter anderem befinden sich dort ein Vogel- und ein Landschaftsschutzgebiet. "Die grundsätzlichen Bedenken sind ausgeräumt", betont Manfred Hebeiß im Gemeinderat.

Die Zeag ist mit im Boot

Das Projekt wird zurzeit von der Zeag vorangetrieben, allerdings sollen sich langfristig auch Neudenauer daran beteiligen können. Ziel ist es, die Stromproduktion über eine Bürgerenergiegenossenschaft abzuwickeln. Die Anlage solle Bestandteil dieser Genossenschaft sein, sagt Neudenaus Bürgermeister Manfred Hebeiß. Ähnliche Modelle gibt es im nördlichen Landkreis bereits: Beispielsweise wird der Windpark Harthäuser Wald über solche Beteiligungen betrieben, die an allen Standortgemeinden ansiedelt sind.

Das sind weitere Genossenschaften

Auch ein großes Widderner Vorzeigeprojekt wird über diesen Weg finanziert: Beim Seehaus, einst beliebtes Ausflugslokal, werden in den nächsten Monaten 21.500 Module montiert.

Auf einer Fläche von zehn Hektar wird das Sonnenstrom-Kraftwerk eine Leistung von 9,1 Megawatt haben, gut 3000 Haushalte können nach Angaben der Zeag damit versorgt werden. Die Kosten liegen bei fünf Millionen Euro. Bestandteil des Konzepts ist das Seehaus: Es wird so umgebaut, damit dort ein Besucherzentrum Erneuerbare Energie unterkommt. Dafür ist die Lage aus Sicht der Verantwortlichen ideal: Unweit der Module befindet sich einer der größten Windparks im Land. Zudem liegt in der Nähe das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrtzentrum bei Hardthausen-Lampoldshausen mit dem Wasserstoff-Projekt, an dem sich ebenfalls die Zeag einbringt.

Die Grünen-Stadträte des Möckmühlers Gemeinderat sprechen sich dafür aus, dass die öffentlichen Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Die Stadt könne diese Module selbst betreiben oder vermieten. Geeignete Dächer gebe es reichlich, sagt die Fraktion: Dazu gehören unter anderem Stadthalle und Schulzentrum. Nach Angaben des Rathauses prüfe die Zeag bereits, Dächer zu nutzen. Um dieses Thema geht es in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend, 22. November.

So geht es in Neckarsulm und Untereisesheim voran

Potenzielle Dächer zu nutzen, das hatten auch die Neckarsulmer Grünen im Gemeinderat gefordert. Das Dach-Kataster steht aus. Untereisesheim arbeitet mit der Genossenschaft Energeno zusammen, die auf der Mehrzweckhalle Module montiert.

 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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