Werkstätten raten fast jedem zu Winterreifen

Region  Werkstätten in der Region laufen derzeit auf Hochtouren. Zwei Betriebe aus dem Landkreis Heilbronn berichten, was bei ihnen los ist und warum man mit Winterreifen immer auf der sicheren Seite ist.

Von Stefanie Pfäffle
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KfZ-Meister Artur Rempel hat in seiner Möckmühler Werkstatt extra Tage, an denen er nichts anderes macht als Räderwechsel.

Foto: Stefanie Pfäffle

Es gibt Dinge, denen kann auch Corona nichts anhaben. Im Herbst färben sich die Blätter in den wunderschönsten Farben, bevor sie Richtung Boden segeln – auch in diesem Jahr. Und genauso steht jetzt der Räderwechsel am Auto an, denn wenn die Temperaturen sinken, braucht es einfach eine andere Gummimischung als im Hochsommer. Das ist ein Fakt, dem wohl jeder vertrauen kann. So herrscht in den Werkstätten landauf landab derzeit Hochbetrieb an der Räderfront. Zwei Betriebe aus dem östlichen und nördlichen Landkreis berichten, was bei ihnen los ist und warum man mit Winterreifen immer auf der sicheren Seite ist.

Artur Rempel, Kfz-Meister und Inhaber des Auto-Zentrums Möckmühl, legt ein Rad in die Maschine, die die Unwucht überprüft. "In der Regel muss man Räder auswuchten, wenn man neue Reifen montiert, denn jeder Reifen hat von der Produktion her eine leichte Unwucht", erklärt er. Das kann zu Vibrationen, Geräuschen und erhöhtem Verschleiß führen. Die Maschine zeigt genau an, wo Rempel ein kleines Gewicht anlegen muss. Bei Stahlfelgen werden die kleinen Plättchen, in diesem Fall 25 Gramm, angeklopft, bei Alufelgen innen dran geklebt. Fertig zur Montage.

Eigentlich waren die alten Winterreifen des Audis noch gut, aber eben auch schon zehn Jahre alt und dann ist das Gummi so ausgehärtet, dass die Haftung auf nasser Fahrbahn nicht mehr gewährleistet ist.

Auf die Haftung kommt es an

Haftung, das ist das, worum es bei den Reifen geht. "Es ist das wichtigste Bauteil zwischen Mensch und Fahrbahn", betont Rempel. Alter und Profiltiefe sind da entscheidend. "Wenn die Sonne scheint, reichen die gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimeter aus, aber bei der kleinsten Lache reicht das nicht zur Verdrängung des Wassers und es kommt zum Aquaplaning."

O bis O, also Ostern bis Oktober oder umgekehrt, lautet die Faustformel dafür, wann es Zeit für den Umstieg ist. Trotzdem wurden in der Möckmühler Werkstatt erst etwa zehn Prozent der eingelagerten Reifen gewechselt. "Sobald es das erste Mal fröstelt, kommen die Kunden dann ganz schnell", weiß der Kfz-Meister. Derzeit müssen die Leute etwa eine Woche auf einen Termin warten.

Oft wird an den Reifen gespart

Bei Autoreparatur Hinkel in Wüstenrot dauert es genauso lang. "Die Bude ist ziemlich voll, und Knall auf Fall geht nicht", stellt Kfz-Meisterin Petra Eurich fest. Etwa die Hälfte der Kunden waren schon da, überschlägt sie, manche kommen aber erst, wenn der erste Schnee fällt und den gibt es in Wüstenrot, so weit oben, dann doch jeden Winter. Deswegen fahren wohl auch noch 95 Prozent der Menschen Winter- und Sommerreifen, während sich in anderen Gebieten immer häufiger Allwetterreifen durchsetzen. Eurich hält davon wenig. "Winterreifen sind einfach besser, die sollte man eigentlich schon bei sieben Grad drauf haben, weil die Haftung dann besser gewährleistet ist." Ein Allwetterreifen könne einfach nicht dasselbe leisten, wenn er auch bei 35 Grad im Sommer funktionieren soll. "Aber für Leute, die wenig fahren und nicht unbedingt weg müssen, denen reicht ein Allwetterreifen."

Oft werde an den Reifen gespart, dabei seien die fast noch wichtiger als die Beleuchtung. "Das muss man sich vorstellen wie einen schlechten Schuh, wenn der abschmiert, ist die Karre hin." Wobei Eurich nicht sagen möchte, dass teurer automatisch besser, wenn auch meist leiser bedeutet. "Die Nasshaftung muss stimmen und die wird angegeben."

Druck muss stimmen

Wie hält man seinen Reifen in Schuss? Viel hängt an der Fahrweise, erklärt KFZ-Meister Artur Rempel. „Ich habe einen Kunden, der mit seinem leistungsstarken Auto mit Heckantrieb viel mit 200 km/h und mehr auf der Autobahn unterwegs ist – der braucht hinten jede Saison neue Reifen.“ Wichtig ist auch der richtige Luftdruck. Zu wenig, und die Reifen nutzen sich außen ab, sind innen noch ok. Umgekehrt gilt das für zu viel Luftdruck. Außerdem ist auch dieser wichtig für die Haftung auf der Straße. 


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