Wegen Umbau: Zelle 18 geht wohl vorübergehend ins Vivendi

Neckarsulm  Der Gemeinderat Neckarsulm hält an der Investition ins Innenstadtlokal fest. Es gibt aber Abstriche. Die Winterhütte als Ersatz während der Bauzeit ist offenbar vom Tisch.

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Die Zelle 18 wird umgebaut. Unter anderem erhält das Neckarsulmer Innenstadtlokal eine neue Küche. Der Gemeinderat hat das Projekt im März auf den Weg gebracht. Weil sich die Brutto-Kosten auf 730.000 Euro summieren, ist das Vorhaben nach wie vor umstritten. Der Gemeinderat hat erst am Donnerstag erneut beschlossen, an der Maßnahme festzuhalten. Allerdings gibt es Abstriche.

Die Winterhütte auf dem Marktplatz kommt nicht

Die Zelle 18 ist ein beliebtes Innenstadtlokal in Neckarsulm: Die Küche ist aber zu klein und wird vergrößert. Die Pacht an die Stadt wurde erhöht.

Foto: Archiv/Gajer

Wenn die Zelle umgebaut wird, kann sie nicht mehr öffnen, und deshalb geht eine Winterhütte auf dem Marktplatz in Betrieb: Das war zumindest vor Corona der Plan. Das ist nicht mehr der Fall. Oberbürgermeister Steffen Hertwig sagte in der Sitzung, dass man während des Umbaus das ehemalige Vivendi unter der Kreissparkasse als Zelle-18-Ersatz nutzen wolle. Eine Hütte kommt nicht, was auch Corona geschuldet ist: Der Charme eines solchen Gastrobetriebs sei, dass man darin beieinander stehe, sagte Oberbürgermeister Hertwig. Das ist wegen der strengen Kontaktbeschränkungen so nicht mehr möglich. Damit kommt nun – wenn auch nur vorübergehend – wieder Leben ins Vivendi.

Das Lokal tauchte erst vor wenigen Wochen wieder in der Lokalpolitik auf: Die Stadtverwaltung suchte nach einem neuen Pächter. Elf Interessenten hätten sich gemeldet, sagt Rathaussprecher Andreas Bracht. Von Oktober bis April geht das Zelle-18-Team rein. „Dann ist die Anschlussvermietung geplant.“

Der Gemeinderat bekennt sich zu den Ausgaben

Der Umbau der Zelle 18 steht stark in der Kritik, obwohl regelmäßig durch die Stadtverwaltung und Befürworter auf eines hingewiesen wird: Über eine neue Pacht amortisiere sich die Investition. Viele schauen trotzdem ganz genau hin, dass die Stadt in die Liegenschaft investiert. CDU-Fraktionssprecher Eberhard Jochim will erst einmal auf das Vorhaben verzichten, auch die Entrauchungsanlage ins Deutsche Zweirad- und NSU-Museum will er später einbauen. Dadurch zeige man einen Sparwillen, sagte er. Darüberhinaus will der Kommunalpolitiker aus einem weiteren Grund die Zelle 18 schieben, bis mehr Klarheit über die finanziellen Corona-Auswirkungen vorliegt: „Wir werden einen Gastronomen fördern, das sollten wir vor Augen haben.“ Eberhard Jochim hat auch keine Bedenken, sollte der bisherige Pächter abspringen. Man würde einen Nachfolger finden, ist er überzeugt.

Die Mehrheit im Neckarsulmer Gemeinderat hat eine andere Position zur Zelle 18, die zum Rathaus-Gebäude gehört. Nicolas Härdtner (SPD) sagte: „Das ist keine Förderung eines einzelnen Gastronomen.“ Es sei eine Investition in ein städtisches Gebäude – „in unsere Immobilie“. Oberbürgermeister Steffen Hertwig rückte die Ausgabe in einen weiteren Kontext: Mit dem Projekt sowie den Ausgaben im Museum sichere man das Zentrum. Es seien Investitionen in die Innenstadt. „Wir müssen etwas tun.“ Schon länger betont das Rathaus dass man bei Zentren nicht mehr nur auf den Handel setzen dürfe, um Leben hineinzubekommen. Der Gastronomie kommt hier eine wichtige Rolle zu.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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