Schulleiter bringt viele Kooperationen auf den Weg

Neckarsulm  Wolfram Karg, langjähriger Rektor der Pestalozzi-Schule, geht in den Ruhestand. Keine Schüler mehr zu sehen, das bedauert er.

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Mit dem Geschenk der Schüler: Wolfram Karg geht mit Abschluss des Schuljahrs in den Ruhestand. Er hat die Pestalozzi-Schule in Neckarsulm seit 2007 als Rektor geleitet. Foto: Simon Gajer

Die über 100 Kinder und Jugendlichen sind bei Wolfram Karg zu Hause. Auf einem Handtuch hat sich die Schule verewigt: Mal lächelnd, mal winkend blicken die Strichmännchen und Figuren dem Betrachter entgegen. Wolfram Karg, der langjährige Rektor, ist gleich mehrfach dabei: Der Schulleiter ist anerkannt und beliebt. Mehrere Kinder wollten den 64-Jährigen aus Heilbronn-Sontheim auf dem Abschiedsgeschenk verewigen.

Die Schulgemeinschaft ist anders

Corona setzt allen Schulen zu, auch dem sonderpädagogischen Bildungs-und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Hat sich früher die ganze Schule regelmäßig getroffen, sind jetzt sogar die Pausen gestaffelt. "Die Schulgemeinschaft ist anders", sagt Wolfram Karg, der nach seinem Referendariat Anfang der 80er Jahre in Heilbronn an die Gerhart-Hauptmann-Schule gekommen ist und 2007 als Schulleiter nach Neckarsulm wechselte. Der Sontheimer, sonst eigentlich sehr offen und auskunftsfreudig, wird für einen kurzen Moment still und nachdenklich, wenn er über die Corona-Folgen spricht. "Das Gemeinschaftsgefühl ging verloren." Die Klassen würden sich noch sehen, mehr ist gerade nicht drin. "Das ist schade."

Für den Rektor ist es "die tollste Schule, die es gibt"

Für Wolfram Karg ist die Pestalozzi-Schule "die tollste Schule, die es gibt". Der Standort im Neckarsulmer Stadtteil Amorbach sei bereits schön. Die Grüne Mitte ist schnell zu erreichen, ein Wald ist in der Nähe. "Es ist eine ganz lebendige Schule." Wolfram Karg blickt auf das Stadtteil-Motto. Vielfalt: So vielfältig Amorbach sei, so unterschiedlich seien auch die Schüler, die aus den umliegenden Orten kommen. Allen widmen sich die Lehrer, damit jedes Kind das Potenzial entfalte könne, das in ihm stecke, sagt Wolfram Karg. Dazu passt, dass in den zurückliegenden Jahren die Schule ihre Profile ausgebaut hat. Zum sportlichen Profil kamen ein künstlerisches, ein berufliches und ein soziales Profil hinzu.

Von Schwierigkeiten, Jugendliche in Berufe zu vermitteln

Die Schüler und ihre Bedürfnisse hätten sich in den zurückliegenden Jahren nicht gewandelt, aber manchmal die Haltung der Firma gegenüber den Jugendlichen. Mittlerweile werde es "zunehmend schwieriger", die Jugendlichen in ein Praktikum oder einen Beruf zu vermitteln. Als Zimmermann arbeiten, in einer Auto-Werkstatt tätig sein: Früher sei das problemlos möglich gewesen, erzählt Wolfram Karg. Mittlerweile verstünden die Betriebe es aber manchmal nicht, dass die Jugendlichen oft nur eine kurze Auszeit im Freien bräuchten, um danach wieder konzentriert weiterzuarbeiten. In Schulen sähen es die Lehrer, wenn ein Kind sich nur mal kurz austoben muss. "In Betrieben gibt es dafür niemanden."

Die Pestalozzi-Schule Neckarsulm ist vernetzt. Aus der Zusammenarbeit mit der Amorbachschule in Neckarsulm entstand der Wunsch, eine Gemeinschaftsschule im Stadtteil zu schaffen. Mit Kaufland Neckarsulm kooperierte die Schule über mehrere Jahre, mit der Aufbaugilde und der Arbeitsagentur entstand die Ausbildungsschule. Über das Neckarsulmer Forum Ehrenamt ist die Schule mit den IT-Beratern der Firma Xeptum zusammengekommen. Die Chefs des Unternehmens halfen beispielsweise den Jugendlichen dabei, eine gute Bewerbung zu schreiben. Sie trainierten ein Vorstellungsgespräch. Wolfram Karg ist über so viel Unterstützung durch die Geschäftsführung noch immer dankbar. Mädchen und Jungen der Pestalozzi-Schule nehmen außerdem am Erfinder-Wettbewerb "Kreative Köpfe" teil.

Wolfram Karg vertritt auch als geschäftsführender Schulleiter alle Neckarsulmer Bildungseinrichtungen. Die Zusammenarbeit ist intensiv, "wir sind füreinander da". Als Rektor erlebte Wolfram Karg den Trubel im Schulhaus, er konnte sich aber auch zurückziehen, wenn er es ruhig brauchte. Schon jetzt weiß er aber: Keine Schüler mehr zu sehen, "das bedauere ich."


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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