Recycling in den 1920er Jahren: Neckarsteg erhält seine heutige Stelle

Neckarsulm  Die Verbindungsbrücke zwischen Untereisesheim und Bad Friedrichshall-Kochendorf stand davor in Neckarsulm. Darauf weist ein Hobbyhistoriker hin.

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Gerhard Mannheim hat für die Historischen Blätter geschrieben.

Foto: Simon Gajer

Untereisesheimer nutzen den Neckarsteg am häufigsten. Um die Querung müssen sich die beiden Nachbarorte Untereisesheim und Bad Friedrichshall gemeinsam kümmern. Doch ursprünglich, darauf weist der Neckarsulmer Heimatforscher Gerhard Mannheim hin, stand das Gerüst auf Neckarsulmer Gemarkung.

Der Steg ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Und wenn es um die Kostenaufteilung geht, ist stets nur vom Steg der Bad Friedrichshaller und Untereisesheimer die Rede. Das aber will Gerhard Mannheim so nicht gelten lassen. "Ich wundere mich, dass die Geschichte nicht erwähnt wird." Gerhard Mannheim hat jedenfalls schon für die "Historischen Blätter" des Heimat- und Museumsvereins Neckarsulm über "Neckarsulm und den Neckar" geforscht.

Die Kosten in Neckarsulm teilen sich die Stadt und Unternehmen

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Der Fähre und dem Neckarsteg widmet der Hobbyhistoriker darin ein Kapitel. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts ging demnach eine modernere Anlegestelle in Betrieb, um beide Neckar-Seiten miteinander zu verbinden. Das aber habe den Menschen nicht ausgereicht, sie forderten einen Fußgängersteg. Der Gemeinderat Neckarsulm brachte ihn auf den Weg, nach 20-monatiger Bauzeit wurde die Brücke im Juni 1907 eröffnet, hat Gerhard Mannheim herausgefunden. Die Kosten, 56.000 Mark, teilten sich die Stadt sowie Neckarsulmer Firmen.

Mannheim vermutet, dass sich die Unternehmen nicht allein wegen sozialer Motive daran beteiligt haben. Sie fürchteten um ihren Standortvorteil. "Eine Überlegung dürfte auch gewesen sein, dass mit dem Bau der Neckargartacher Straßenbrücke potenzielle Arbeitnehmer vom linken Neckarufer das Heilbronner Industriegebiet leichter erreichen und damit attraktiver finden könnten als die Neckarsulmer Industriebetriebe, zu denen man nur mit einer Fähre gelangen konnte."

Zwei Schleppkräne ziehen Neckarsteg an seine heutige Stelle

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Der Steg verband aber gerade einmal für 17 Jahre Neckarsulm mit Obereisesheim. Mit dem Ausbau des Flusses, schreibt Gerhard Mannheim, zur Großwasserstraße erhielt Neckarsulm mit der Wehr- und Kanalbrücke eine Straßenverbindung. Der Steg wurde 1924 abgebaut. Zwei Schleppkräne transportierten damals die Eisenkonstruktion an seine heutige Stelle.

Zurzeit geht es um die Sanierung der Querung, die unter Denkmalschutz steht. Was eine Entscheidung erschwert: Das Land will für einen sogenannten Radschnellweg eine neue Brücke beim Yachthafen bauen. Mit dem historischen Steg gäbe es dann zwei Neckar-Querungen auf wenigen Hundert Metern. Gerhard Mannheim will sich nicht festlegen, was er von der Zukunft der Brücke hält. "Es ist ein historischer Steg", sagt er. "Sanieren oder abreißen, das müssen andere entscheiden."

Neckarsulm investiert in eine Badeanstalt

Neckarsteg bei Bad Friedrichshall-
Der Neckarsteg verbindet Untereisesheim mit Bad Friedrichshall-Kochendorf. Er ist eine wichtige Brücke für Radfahrer und Spaziergänger entlang des Flusses. Foto: Simon Gajer

Mit dem Fluss bei Neckarsulm hat sich Gerhard Mannheim schon häufiger beschäftigt. In einer weiteren Ausgabe der "Historischen Blätter" des Heimat- und Museumsvereins schreibt er über "Schwimmen und Baden" in der Stadt. Darin hat sich der Hobbyhistoriker unter anderem mit der Badeanstalt im Neckar befasst. Zu dieser besonderen Insel gehörten ein Sprungbrett, die Wassertiefe lag zwischen 60 Zentimetern und 1,50 Metern. Eröffnet wurde die Einrichtung im August 1925, also gerade einmal drei Wochen vor Eröffnung des ausgebauten Neckarabschnitts Heilbronn - Kochendorf.

Mannheim weiß: "Die schwimmende Badeanstalt im Kanal wurde 1938 geschlossen und an einen Gundelsheimer Interessenten verkauft." Ein Problem für die Badeanstalt sei die zunehmende Verschmutzung des Flusses durch die Schifffahrt gewesen.

 

Werft

Gerhard Mannheim hat sich für die "Historischen Blätter" auch mit der Neckarsulmer Werft beschäftigt. Es sei der erste Betrieb der metallverarbeitenden Industrie in der Stadt gewesen. Das Unternehmen bestand zwischen 1872 und 1984, gegründet wurde sie von Franz Bauhardt. Das erste Schiff, die "Stadt Neckarsulm", wurde schon ein Jahr nach der Gründung gebaut. Die "Neckarbummler", die auch in der Werft entstand, stammt aus dem Jahr 1975.

 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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