Rehkitz gerade noch rechtzeitig bei Waldarbeiten entdeckt

Bad Friedrichshall  Bei Bad Friedrichshall-Plattenwald wurde das Unterholz zum Schutz von Jungbäumen zurückgeschnitten. Anwohner sorgen sich um darin lebende Tiere.

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Revierförster Jörg Pfeiffer bei einer durch das Eschentriebsterben auf den Zaun gestürzten Esche. Um die Jungbäume zu schützen, musste die Fläche vom dichten Bewuchs freigeschnitten werden.

Foto: Andre Daub

Die Waldarbeiter waren erstaunt, als sie das Rehkitz im Unterholz entdeckt haben. "Es ist durch eine Lücke im Zaun in die Aufforstungsfläche geraten", vermutet Revierförster Jörg Pfeiffer.

Brombeeren wuchern in dem Waldstück

Der Förster steht inmitten einer Brache im Wäldchen hinter dem Plattenwald-Klinikum. Vor einigen Tagen überwucherten dicht gewachsene Brombeeren und Klettenlabkraut die im letzten Jahr gepflanzte Jungbäume. Von dem dichten Bewuchs um die Zöglinge herum sind nur noch Häcksel am Waldboden übrig. Der radikale Kurzschnitt in dem abgezäunten Wiederaufforstungsgebiet hat Spaziergänger verunsichert. Sie machen sich Sorgen um im Unterholz brütende Vögel, lebende Insekten und äsendes Wild.

Kegelschnitt gilt im Forst als schonend

Revierförster Pfeiffer versteht die Bedenken. "Als die Waldarbeiter das Kitz entdeckten, haben sie die Arbeiten abgebrochen und die Umzäunung offen gelassen", berichtet er. Damit die Mutter das Jungtier zurückholen kann. Es stimme, dass ein Flächenschnitt nicht sehr ökologisch sei. "Wenn nun Schmetterlinge ihre Eier im Unterholz ablegen, sind die nach den Waldarbeiten kaputt". Schonender sei ein Kegelschnitt um die Jungbäume herum.

Junge Bäume benötigen im Unterholz Licht

Pfeiffer wollte sich aber einen Überblick über den Bestand verschaffen. "Nur konnte ich ihn unter dem Bewuchs nicht mehr entdecken", berichtet der Förster, der erst seit Januar für das Waldstück zuständig ist. Bekommen die Jungbäume im Unterholz zu wenig Licht, gehen sie ein. "Kultursicherung" ist der Fachbegriff für diesen jährlich im Frühjahr stattfindenden Rückschnitt. Dazu gehöre auch, Jungbäume gegen Wild abzuschirmen, damit sie die Bäumchen nicht kahlfressen. Der liegengebliebene Schnitt sei ein guter Dünger und biete Schutz für Insekten und Kleinstlebewesen.

Nabu sorgt sich um den Wald

Auch Horst Schulz vom Naturschutzbund (Nabu) sorgt sich um das Waldgrundstück. Eigentlich sei ein Rückschnitt im Juni besser. "Dann können die Pflanzen aussamen." So handhabe es der Nabu auf seiner mehrere hundert Meter entfernten Streuobstwiese. Bereits im vergangenen Jahr war Schulz mit dem damals zuständigen Revierleiter Ulrich Zobel vor Ort. "Damals waren alle Fichten vom Borkenkäfer befallen", erzählt er. Zur Wiederaufforstung wurden Buchen und Lärchen gepflanzt. "Ahorn, Eschen, Hainbuchen und Wildkirschen sind hier von Natur aus gewachsen", erzählt Pfeiffer. 40 Prozent der gesetzten Buchen seien vertrocknet.

Unter den Bäumen in dem Wäldchen gibt es ein weiteres Sorgenkind. Pfeiffer zeigt auf eine auf den Schutzzaun gestürzte Esche. Zu Fall gebracht hat sie indirekt das durch einen Pilz, dem kleinen Stengelbecherchen, ausgelöste Eschentriebsterben. "Der Pilz befällt die Leitungsbahnen der Esche", erklärt Pfeiffer. Der Baum mache seine Leitungsbahnen wegen des Pilzbefalls dicht, und Nährstoffe sowie Wasser können nicht mehr bis in die Blattkrone transportiert werden. Die Triebe sterben ab und stürzen zu Boden.

Als sogenannter Sekundärschädling setzt sich dann noch der als Speisepilz bekannte Hallimasch an die Wurzeln und zersetzt sie. Der Baum verliert den Halt und stürzt auf den Schutzzaun. "Durch eine so entstandene Lücke ist das Kitz in die Umzäunung geraten", vermutet Förster Jörg Pfeiffer.

 

Baumsterben

Erderhitzung und Schädlinge machen dem Wald in Bad Friedrichshall zu schaffen. Allein die vom Eschentriebsterben stark gefährdete Esche hat im Stadtwald einen Anteil von 30 Prozent. Auch die sehr seltene Lärche kann von einem aggressiven Borkenkäfer befallen werden. Die von einem Pilz verursachte Rußrindenkrankheit setzt dem Ahorn zu. Die Baumart hat im Stadtgebiet Bad Friedrichshall einen Anteil von sieben Prozent am Wald. Im Stadtgebiet von Bad Wimpfen sind 70 Prozent der Buchen durch die von der Erderhitzung verursachte Trockenheit betroffen. 


Daub

André Daub

Volontär

André Daub arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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