Neuer Gemeinschaftsgarten: Eine Oase auf dem Bauernhof

Möckmühl  Die Jagsttalpaten starten ein Gemeinschaftsgarten-Projekt in Hagenbach. Dort soll Wissen über Gemüse- und Obstanbau vermittelt werden.

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Lisa Wittal (rechts) und Emelie Engler pflanzen im neuen Gemeinschaftsgarten der Jagsttalpaten in Hagenbach die ersten Salatpflanzen.

Fotos: Katharina Müller, privat

Ein Gemeinschaftsgarten mit Küche, Bauwagen, Feuerstelle und Spielplatz entsteht gerade auf dem Selbstversorger-Hof von Lydia Riedel-Tramsek in Hagenbach. Dass das Projekt der Jagsttalpaten, die Familien und Alleinstehende in schwierigen Lebenslagen unterstützen, möglich wurde, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Angela Tatti, die beim Kreisdiakonieverband Heilbronn arbeitet, hatte sich vor einiger Zeit verfahren und landete auf dem Hof von Lydia Riedel-Tramsek. Im Gespräch kamen die Frauen auf die Idee, ein soziales Projekt zu starten. "Ich hatte mir immer sowas überlegt, aber nicht gewusst wie", sagt Riedel-Tramsek. "Da kam Angela."

Gemeinsame Überlegungen waren nicht möglich

Alles ging ganz "spontan und schnell", wie die 68-jährige Bio-Bäuerin beschreibt. Mit der finanziellen Unterstützung der Arnold- und Hannelore-Meyer-Stiftung nahmen die Pläne Gestalt an. "Eigentlich wollten wir mit allen überlegen, was wir wie machen", sagt Tatti. Das ging dann aber aufgrund der Corona-Krise nicht mehr.

Trotzdem wurde bereits gemeinsam Gemüse gepflanzt - in kleinen Gruppen und mit großem Abstand. Schließlich ist auf dem Gelände von Lydia Riedel-Tramsek genug Platz. Sie stellt den Jagsttalpaten für einen symbolischen Pachtbetrag eine Fläche von rund 1600 Quadratmeter zur Verfügung. Etwa auf 300 Quadratmetern wurden Beete angelegt. Platz und Möglichkeiten, von denen viele Familien, die von den Jagsttalpaten betreut werden, nur träumen können. "Sie leben oft in beengten Wohnverhältnissen", weiß Tatti. Auch finanzielle Mittel und Kenntnisse über gesunde Ernährung seien oft begrenzt.

Kochen und Wissen über Obst- und Gemüseanbau

Neuer Gemeinschaftsgarten: Eine Oase auf dem Bauernhof

Angela Tatti (links) und Lydia Riedel-Tramsek vor dem Küchenanbau.

Deshalb soll auch vermittelt werden, wie viel Arbeit hinter dem Gemüse- und Obst-Anbau steckt und was aus den Produkten gekocht werden kann. Dabei sind Lydia Riedel-Tramsek und ihr Sohn Tillmann wertvolle Ansprechpartner. Der 68-Jährigen ist es wichtig, dass Wissen über Lebensmittelproduktion nicht verloren geht.

Für gemeinsame Koch-Erlebnisse laufen derzeit Bauarbeiten für eine Küche. Davor entsteht ein Freisitz, auch neue Toiletten wird es geben. In acht bis zwölf Wochen soll das alles fertig sein, sagt Angela Tatti. Zudem ist der Ausbau eines Bauwagens als Rückzugsort für Kinder geplant, ebenso wie eine Feuerstelle und ein Spielplatz. Rund um den Gemeinschaftsgarten weiden Tiere. Lydia Riedel-Tramsek hat Ziegen, Schafe und Esel.

Die Familien, die jetzt schon im Gemeinschaftsgarten mithelfen, beschreiben ihn als Oase, in der sie runterkommen können, berichtet Tatti. Problematisch sei allerdings, dass viele kein Auto hätten und deshalb nicht nach Hagenbach, das zuMöckmühl gehört, kommen können. Es sei zwar geplant, Fahrgemeinschaften zu bilden, das sei in Corona-Zeiten aber nicht möglich. "Wir bräuchten ein Corona-Mobil mit Plexiglasscheiben." Die, die nicht vor Ort sein können, pflanzen auf der Fensterbank und ziehen Setzlinge. So sind sie wenigstens ein bisschen beteiligt, erläutert Tatti.

Alle sind im Gemeinschaftsgarten willkommen

Mitmachen können später aber nicht nur Familien oder Alleinstehende, die von den Jagsttalpaten betreut werden. "Jeder ist willkommen, der sich im Gemeinschaftsgarten einbringen möchte", sagt Angela Tatti. Dieser soll vor allem ein Treffpunkt sein.

Lydia Riedel-Tramsek freut sich schon, wenn alles fertig ist. Auf ihrem Hof sei mit fünf eigenen Kindern und zeitweise fünf Pflegekindern immer viel los gewesen. Außerdem beherbergt die 68-Jährige bis heute Gäste aus der ganzen Welt, die gegen Kost und Logis auf dem Hof mithelfen.

 

Jagsttalpaten

Bei den "JaPas" werden ehrenamtliche Paten mit Familien oder Einzelpersonen zusammengebracht, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden und Unterstützung brauchen. Die Paten sind ein Ausgleich für fehlende familiäre Netzwerke und bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Aktuell benötigen die Jagsttalpaten ein kostenlos nutzbares Fahrzeug mit vielen Sitzplätzen, in dem die Corona-Regeln eingehalten werden können. Kontakt: Telefon 06298 959518; E-Mail jagsttalpaten@diakonie-heilbronn.de

 

Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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