Wegen neuem Bolzplatz: Neckarsulmer Stadträte stoßen Klimadebatte an

Neckarsulm  Weil auf dem Grundstück des Spiel- und Bolzplatzes in der Friedenstraße eine zweigruppige Kindertagesstätte gebaut werden soll, bekommen die Hobbykicker einen neuen Standort auf dem bisherigen Spielplatz am Richard-Wagner-Platz. Der Entscheidung im Gemeinderat ging eine Klimadebatte zuvor.

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Der Spielplatz am Richard-Wagner-Platz in Neckarsulm wird um einen Bolzplatz erweitert. Das haben Stadträte mehrheitlich beschlossen.

Foto: Simon Gajer

Das hat nicht allen Mitgliedern im Bau- und Werksausschuss Stadtwerke gefallen, die darüber zu entscheiden hatten.

Die Neckarsulmer Kommunalpolitik führt die Klimadebatte. Nicht allein um den Klimaschutz will sich die Stadt in Zukunft bemühen, auch die Klimaanpassung ist ein großes Thema. Angestoßen von CDU-Stadtrat Joachim Beil geht es darum, dass sich die Kommune auf den Klimawandel mit beispielsweise heißen Sommern einstellen muss.

Vorschlag, den Bolzplatz am Pichterich anzulegen

Entsprechend verwundert es nicht, dass es auch Beil war, der gegen den Standort Richard-Wagner-Platz war. "Wir müssen solche Flächen erhalten und aufforsten." Er regte an, mit Regenwasser von den Dachflächen das Grün zukünftig zu bewässern. Er sprach sich für die Pichterichstraße aus. Diskutiert wird zwar, dass dort langfristig eine Halle für den Schulsport gebaut wird. Das aber verhindert es aus Ansicht von Joachim Beil nicht, erst einmal dort den Bolzplatz anzulegen. Die Halle werde in den kommenden zehn Jahren nicht gebaut, war er überzeugt.

Das sah Dr. Stefan Müller (Grüne) ähnlich. Den Richard-Wagner-Platz sollte die Stadt als "grüne Lunge" erhalten, die Kinder könnten zur Pichterichstraße radeln. Ingrid Böhringer (Freie Wähler) stimmte zu, den Wagner-Platz zu bewahren. "Wir müssen die grünen Plätze aufwerten und nicht beseitigen."

In der Diskussion hatten zwar die Befürworter des Pichterich-Standorts die Oberhand, bei der Abstimmung votierte eine knappe Mehrheit für den Richard-Wagner-Platz. Dieser Standort erhielt sieben Stimmen, sechs waren für den Pichterich. Eine Fläche in der Odenwaldstraße stand zwar ebenfalls zur Verfügung, für diese sprach sich allerdings kein Stadtrat aus.

Die Verbundschule braucht Pichterich-Platz als Sportfläche

Zu den Befürwortern, die sich an der Diskussion beteiligten, gehörte SPD-Stadtrat Klaus Ranger. Er begründete seine Haltung unter anderem damit, dass man die Fläche in der Pichterichstraße für die Verbundschule benötige, die Jugendliche aus dem Umkreis anspreche. "Unsere Sportflächen werden irgendwann nicht mehr ausreichen." Die Verbundschule, die es erst seit diesem Schuljahr gibt, ist derzeit im Albert-Schweitzer-Gymnasium untergebracht. In den kommenden Jahren entsteht für sie ein neues Gebäude auf dem Gelände, auf dem sich einst das Hallenbad befand.

Die Stadtverwaltung will laut Baubürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel mit dem Bolzplatz nicht den gesamten Richard-Wagner-Platz versiegeln. Als ein Vorteil gilt aus Sicht der Stadtverwaltung, dass man den Spielplatz einbeziehen könne. Darauf hatte Reiner Denninger hingewiesen, der die Abteilung Stadtplanung leitet. Birken, die ohnehin schon geschädigt seien, müssten gefällt werden. Ein anderer Baum könne versetzt werden.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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