Neudenauer Ehepaar hat Angst, dass die Bäume aufs Haus fallen

Neudenau  Seit Jahrzehnten befürchtet das Ehepaar Seeberger aus Neudenau, dass die 30 Meter hohen Eschen des angrenzenden Waldes bei einem Sturm aufs Haus fallen. Laut Stadt und Waldbesitzer besteht keine akute Gefahr. Ein Ratschlag für die Rentner: Einfach umziehen.

Von Stefanie Pfäffle
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Gerhard Seeberger hat seit Jahren Angst, dass die riesigen Eschen auf dem Nachbargrundstück irgendwann auf sein Haus fallen.

Foto: Stefanie Pfäffle

Eigentlich leben Monika und Gerhard Seeberger in purer Idylle. Ihr Grundstück in der Hölderlinstraße in Neudenau grenzt, nur durch eine Schlucht getrennt, direkt an den Wald. Doch genau von dort drohe ihnen Gefahr, sagen sie. Das Rentnerpaar hat seit Jahrzehnten Angst, dass ihnen die inzwischen rund 30 Meter hohen Eschen bei einem Sturm aufs Haus fallen.

"Diese permanente Angst zehrt an den Nerven, wir schlafen nachts kaum noch", erzählt der 74-Jährige mit zittriger Stimme. Immer wieder bittet er die Stadt um Hilfe, doch der Wald ist in Privatbesitz. "Wir dürfen da gar nichts tun, solange nicht absolute Gefahr in Verzug ist", betont Bürgermeister Manfred Hebeiß. Und die sei nicht vorhanden, wie eine Kontrolle nach Anfrage der Heilbronner Stimme ergab.

Nur eine Frage der Zeit, bis die Eschen umfallen

Seit fast 32 Jahren wohnen die Seebergers in der Hölderlinstraße, haben hier ihre Kinder groß gezogen. "Es gefällt uns sehr gut, auch von der Landschaft", betont Gerhard Seeberger. Doch schnell merken sie, dass ihr Grundstück, wenn auch nach Bebauungsplan rechtmäßig, zu nah am Baumbestand liegt. Das denkt übrigens auch Waldbesitzer Ernst Vogt, der sich deswegen bereits 1990 von potentiellen Schadensansprüchen distanziert hat.

Passiert ist seitdem nie etwas, wobei das Paar von großen Ästen berichtet, die immer mal wieder in den Garten krachen. "Andere Eschen sind schon umgefallen, die eine hängt in den Tannen drin, das ist nur eine Frage der Zeit, bis die umfallen", sagt Seeberger.

Bürgermeister schlägt dem Ehepaar vor, auszuziehen

Der Neudenauer hat schon einen ganzen Ordner mit Schreiben an verschiedene Behörden gesammelt. Ihn beunruhigen auch die teilweise unterspülten Wurzeln. Jedes Mal, wenn seine Enkel zu Besuch seien, habe er ein ungutes Gefühl, wenn diese im Garten spielen.

Er selbst habe Ernst Vogt 2017 schon angeboten, die Kosten für das Fällen zu übernehmen, doch keine Reaktion erhalten. Auch persönliche Ansprachen hätten nichts gebracht. Und Bürgermeister Manfred Hebeiß sei auch keine Hilfe, im Gegenteil. "Der hat geschrieben, wenn das wirklich so schlimm sei, hätte ich als verantwortungsvoller Ehemann, Vater und Großvater schon längst ausziehen müssen", zeigt sich der Rentner entsetzt.

Einschätzung nach mehreren Kontrollen: Bäume sind kerngesund

Hebeiß kennt den Vorgang, der sich schon über viele Jahre hinzieht. "Wir schauen und kontrollieren die Bäume jedes Mal, wenn er sich meldet", erklärt er. Auch jetzt ist sein Bauhofleiter, ein ausgebildeter Forstwirtschaftsmeister, nochmal hingefahren. "Die Schilderungen bezüglich der Wurzelunterspülungen entsprechen nicht der Wahrheit, der Großteil vom Wurzelberg ist im Erdreich, wo er hingehört, und die Bäume sind kerngesund", erläutert Hebeiß das Ergebnis.

Der Verwaltungschef betont, dass er Vogt gar nicht anweisen könne, die Bäume zu fällen. So einfach kann der das auch gar nicht. "Das ist ein Landschaftsschutzgebiet, das müsste ich mir genehmigen lassen", erklärt der Waldbesitzer. Doch der 82-Jährige zeigt sich entgegenkommend. Er werde den Beauftragten vom Amt für Umwelt, Bauen und Nahverkehr beim Landratsamt kontaktieren und wenn der sage, er solle die Bäume ummachen, würde er das tun. "Wenn derjenige, der bei uns rückt, mal da ist, also sich die Gelegenheit ergibt, soll er sie umziehen, aber ich mache da jetzt keinen Kopfstand", ergänzt er. Ein Ende des Konflikts ist also in Sicht.


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