Neckarsulm beschließt Wohnbau-Programm

Neckarsulm  Obereisesheim bekommt ein neues Baugebiet "Nördlich der Römerstraße" und an anderer Stelle Mehrfamilien-Gebäude. Appartments entstehen auch im Stadtteil Amorbach.

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Amorbacher sind froh, dass sich am Ortsrand etwas tut: Das Areal gilt für manchen sogar als "Schandfleck". Dort entstehen Mehrfamilienhäuser.

Foto: Simon Gajer

Der Gemeinderat Neckarsulm hat ein kleines Wohnbauprogramm auf den Weg gebracht. Die Sitzung stand zwar nicht unter dieser Überschrift, allerdings hat sich das Gremium mit einigen Vorhaben befasst: In den kommenden Jahren können dann Dutzende Wohnungen und Einfamilienhäuser entstehen.

Obereisesheimer sind erleichtert

Viele Bauinteressierte im Stadtteil Obereisesheim atmen auf. Der Bebauungsplan für die Erweiterung "Nördlich der Römerstraße" kommt voran, jetzt hat der Gemeinderat auch die ersten Feinarbeiten bei den Ingenieurleistungen vergeben. Im Spätjahr rücken sogar schon Archäologen an, um das Baufeld nach historischen Objekten zu untersuchen.

"Es war ein langer Weg dahin, doch sind wir froh, dass die Verwaltung drangeblieben ist", sagte CDU-Stadtrat Stephan Schluchter. Auf der Zielgerade sei die Stadt zwar noch nicht, aber sie erreiche "einen wichtigen Meilenstein". Die Stadt solle das Projekt "konsequent und zügig" vorantreiben, um jungen Familien in ihrem Umfeld eine Perspektive zu bieten, sagte er.

Bis zu 60 Wohnungen entstehen 

Das ist in Obereisesheim noch nicht alles. Die Classic Bautreuhand aus Heilbronn hat im Bereich der Biberacher Straße/Lichtensterner Straße mehrere zusammenhängende Grundstücke erworben. Dort sollen zwischen 40 und 60 Wohnungen entstehen. Die genaue Größenordnung stehe noch nicht fest, sagte Reiner Denninger, der im Rathaus die Stadtplanung verantwortet. Nun wird in den nächsten Monaten ein vorhabenbezogener Bebauungsplan entwickelt, damit gebaut werden kann.

Oberbürgermeister Steffen Hertwig freute sich über das "schöne Projekt". Positiv äußerte sich der SPD-Fraktionssprecher Karl-Heinz Ullrich. In der Vergangenheit konnte dort nichts gebaut werden, alles sei an der "Sturheit der Eigentümer" gescheitert. "Wir kommen jetzt einen großen Schritt nach vorn." Zufrieden äußerte er sich zudem mit Blick auf die jüngste Strategie-Klausur des Gemeinderats, in der sich das Gremium konkret dafür aussprach, auf die Nachverdichtung in den Orten zu setzen. Es sollen sogar zwei neue Baugebiete nicht realisiert werden.

Karl-Heinz Ullrich hofft, dass sich durch zusätzliche Wohnungen auch der Markt für Einfamilienhäuser bewege. Die Überlegung: Ältere Neckarsulmer, für die das bisherige Einfamilienhaus zu groß ist, könnten in ein Appartement ziehen und ihre Immobilie an junge Familien verkaufen. Grünen-Stadtrat Dr. Stefan Müller sah das ähnlich: "Es ist ein schönes Beispiel für weitere Innenverdichtung."

Das tut sich am Amorbacher Ortsrand

Das Obereisesheimer Vorhaben will die Stadtverwaltung genauso mit einem Informationsabend vorstellen wie ein Projekt im Teilort Amorbach. Auch dafür wird in einem nächsten Schritt ein vorhabenbezogener Bebauungsplan entwickelt. Die IGC Projekt Sonnenhalde GmbH aus Ostfildern hat das Grundstück Amorbacher Straße 1/Sonnenhalde gekauft. Derzeit vorgesehen sind laut Stadtverwaltung 85 Wohneinheiten, ein Teil davon soll von der öffentlichen Hand gefördert werden und dann nur Mietern zur Verfügung stehen, die einen sogenannten Wohnberechtigungsschein vorlegen können.

"Endlich kommt der Schandfleck weg", freute sich Freie-Wähler-Stadtrat Bernhard Kuhn, dass sich am Ortseingang etwas tue. Er sprach sich aber dafür aus zu schauen, ob die "massive Bebauung" tatsächlich die Vorgaben einhalte. Stellplätze sollten verbindlich zu den Wohnungen gehören, damit keine Autos in den umliegenden Straßen stehen. Die Stadt versprach, je nach Wohnungsgröße bis zu zwei Parkplätze vorzuschreiben. Man stehe aber ganz am Anfang des Verfahrens, sagte Reiner Denninger.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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