Masken statt Schuhe: So reagierte Firma Beck auf Corona

Erlenbach  Das Erlenbacher Unternehmen Beck hat frühzeitig auf die Corona-Pandemie reagiert und damit Kurzarbeit und Staatshilfe vermieden. Eigentlich produziert die Firma Kinderschuhe, doch in der Krise war das Management erfinderisch.

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Bunte, stylische Gesichtsmasken sind derzeit sehr beliebt. Der Schuhhersteller Beck aus Erlenbach produziert am Stammsitz sowie in Partnerbetrieben in Osteuropa Alltagsmasken, die über regionale Händler verkauft werden.

Fotos: Beck

Es ist bemerkenswert, wie viele Unternehmen unterschiedlichster Branchen ihre Produktion in der Corona-Krise auf neue, jetzt gefragte Produkte umgestellt haben. In der Region gehört das Erlenbacher Unternehmen Beck zu den ersten, die aus der Corona-Not eine Tugend gemacht haben. Normalerweise stellt die Firma Kinderschuhe her, das Volumen liegt bei zwei Millionen Paar pro Jahr. "Ab Mitte März hatten wir einen Umsatzeinbruch von beinahe 90 Prozent", berichtet Geschäftsführer Rainer Bendeich.

Maskenproduktion startete Mitte März 

Kurzarbeit für seine insgesamt 90 Mitarbeiter wollte Bendeich unbedingt vermeiden. Also setzten sich Produktionsleiter Bernd Gailing und die ersten Näherinnen am 13. März an die Nähmaschinen in Erlenbach und fingen an, Masken zu produzieren. Durch seine Kontakte zu China, wo Beck einige Produktgruppen fertigt, ahnte der Geschäftsführer, dass das Tragen von Masken während der Corona-Pandemie auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen würde.

Regionales Netzwerk sorgt für Abnehmer

"Doch wir hatten am Anfang keine Abnehmer für unsere Masken", erinnert sich Bendeich. Durch das gute Netzwerk des Unternehmens ändert sich das aber schnell. In den SLK-Kliniken kommen die Masken aus Erlenbach im nicht-medizinischen Bereich zum Einsatz, auch städtische Ämter, das Landratsamt und Unternehmen orderten zunehmend Masken bei Beck.

"Seit Mitte März haben wir Masken im sechsstelligen Bereich gefertigt", sagt der Geschäftsführer. Dadurch konnte Kurzarbeit vermieden und ein Teil des Umsatzrückganges kompensiert werden. Sein wichtigstes Ziel hat Bendeich erreicht: "Wir kommen ohne Kurzarbeit und Bankkredite durch die Krise."

Mit Masken aus der Region dem Corona-Virus trotzen
Aus bunten Stoffen fertigen die Mitarbeiter die Masken.

Allmähliche Rückkehr zum Kerngeschäft

Mittlerweile lässt Beck die Masken hauptsächlich von Partnerbetrieben in Osteuropa produzieren, die mehr Kapazität haben als die Erlenbacher am Stammsitz. "Wir kehren hier seit einiger Zeit wieder zu unserem normalen Geschäft zurück", freut sich Bendeich. Die Kunden bestellten wieder Schuhe, schließlich wachsen Kinderfüße auch in Krisenzeiten.

Wie sich das Maskengeschäft entwickeln wird, kann der Geschäftsführer nicht vorhersagen. "Wir sind am diskutieren, wie es mit der Maskenproduktion weitergeht. Wenn Masken zu Artikeln des täglichen Bedarfs werden, wenn modische Aspekte hinzukommen oder wenn unsere Kernzielgruppe Kinder Masken benötigt, wird uns das Thema noch eine Zeit begleiten", sagt Bendeich. Durch die Maskenpflicht ist die Nachfrage gestiegen. "Jetzt werden schicke bunte Masken nachgefragt, unsere Modellgestalter sind gut beschäftigt."

Regionale Händler kaufen Masken

Mittlerweile ordern auch die Schuhhändler von Beck in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Masken. Im Heilbronner Raum vertreibt Beck neben dem Fabrikverkauf am Freitag und Samstag die waschbaren Stoffmasken über Händler wie die Apotheke Harfensteller, die Bäckerei Härdtner und Edeka Ueltzhöfer.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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