Kreativer Mai-Scherz: Die Ortschefs in der Zollstation

Region  Ein Häuschen mit Schranke und Preisliste begrüßt Bürger zwischen Ober- und Untereisesheim. Viele loben die aufwendige Idee, manchem war der Spaß sogar ein paar Cent wert. Andere setzen Gewalt ein und werfen die Zollstation um.

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Vieldiskutiert am Wochenende: der Mai-Scherz zwischen Ober- und Untereisesheim. Ein Zollhäuschen mit Schranke haben Unbekannte in der Hexennacht aufgebaut und Porträts von Gemeindechef und Ortsvorsteher im Innern drapiert.

Foto: Carsten Friese

"Das war der beste 1.-Mai-Scherz bisher. Echt eine tolle, sehr kreative Idee." Für einen 72-jährigen Obereisesheimer hat der Auftakt in den Wonnemonat in diesen Zeiten mal wieder etwas Positives zum Lachen gebracht.

Er hat in den sozialen Medien Bilder entdeckt, auf denen der Verbindungsweg zwischen Ober- und Untereisesheim nahe der Tennisplätze auf humorvolle Art mit einer Zollstation bestückt ist. Ein Schlagbaum ist über den Weg gespannt, am Rand steht ein stabiles Zollhäuschen mit der Aufschrift "Zoll Owerneise".

Gebührenliste sieht happige Jahresgebühr für "Neigschmeckte" vor

Auf dem Tresen ist ein Formblatt des "Hauptzollamts Obereisesheim" ausgelegt. Wer passieren will, soll 9,50 Euro berappen. "Neigschmeckte" müssten für eine Jahreskarte 489 Euro auf den Tisch legen, Obereisesheimer bekommen die Jahreskarte umsonst. Im Häuschen sind die Konterfeis zweier Prominenter der beiden Orte zu sehen, auf zwei mit Stroh ausgestopften Jacken: Gemeindechef Bernd Bordon und Ortsvorsteher Andreas Gastgeb blicken in trauter Eintracht aus dem Häuschen. Hat alles seine Ordnung mit der Zollgebühr, soll das mit Augenzwinkern wohl heißen.

"Das ist mit Herz gemacht - und es ist nichts kaputt." Es sei die beste Aktion junger Männer aus dem Ort bisher, findet der 72-jährige Bürger. Auf der Facebook-Seite "Du kommst aus Obereisesheim, wenn...", hat die Zollstation mit Bildern die Runde gemacht. "Super, vielen Dank", "Ich kann nicht mehr vor Lachen" oder "ein guter Einfall, klasse", ist dort zu lesen.

Junge Männer haben offenbar in einer Werkstatt an dem Bauwerk getüftelt

Auch am Sonntag kommen immer wieder Spaziergänger oder Radfahrer am "Tatort" vorbei und sehen sich den Mai-Scherz vergnügt an. "Das ist ja lustig", sagt eine Frau. "Wirklich gut gemacht", lobt ihr Mann. Ein Bürger erzählt, dass am Samstag sogar ein paar Cent-Münzen auf dem Tresen des Zollhäuschens gelegen hätten. Ein Mann, der ungenannt bleiben will, erzählt, dass ein paar junge Männer aus Obereisesheim die Idee gehabt und alles in seiner Werkstatt gebaut hätten.

Es gibt aber auch Bürger, die den Mai-Scherz nicht so gut fanden. Fahrradfahrer hätten gemeckert. Und in der Nacht auf Sonntag hätten Unbekannte das Zollhäuschen umgeworfen, erzählt ein Bürger. "Da gibt es mal eine nette Gaudi - und dann das", ärgert er sich. Am Sonntag steht das Zollhäuschen wieder aufrecht und erfreut viele Passanten. "99 Prozent", glaubt der Bürger, "haben immerhin Humor."

 


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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