So läuft es im größten Möckmühler Verein

Möckmühl  Der größte Möckmühler Sportverein nimmt langsam wieder den Trainingsbetrieb auf. Die Klubführung erwartet wegen Corona einen "großen finanziellen Verlust".

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Auf dem Sportgelände in Möckmühl: Der Spvgg-Vorsitzende Frank Herzberg (rechts) und Waldemar Haas, der die Fußball-Abteilung leitet.

Foto: Simon Gajer

Gymnastik-Gruppen treffen sich im Freien statt in der Halle. Fußballer kicken in kleinen Gruppen. Im größten Möckmühler Verein, der Spvgg, beginnt ganz langsam wieder der Trainingsbetrieb. Von Normalität kann aber erst einmal keine Rede sein.

Der Verein erlebt einen großen Zulauf

Mitglieder sehnen sich nach Sport. Diesen Eindruck erhält, wer sich mit dem Vereinsvorsitzenden Frank Herzberg und Waldemar Haas unterhält, der die Fußballabteilung leitet. "Der Zulauf ist extrem gut", sagt Frank Herzberg. Selbstverständlich werden Abstandsregeln und Gruppengrößen eingehalten. Aber: Kamen in Vor-Corona-Zeiten nur 15 Mitglieder zum Training, waren es nun 23. Stets unterteilt, damit alles im Rahmen des Erlaubten ist.

Keglen findet nicht statt

Das Volleyball für Kinder sollte mit neun Mädchen und Jungen starten, elf meldeten sich an, zählt der Klubchef zusammen. Es ist ein deutlich kleineres Programm, das gerade im Verein möglich ist. Frank Herzberg schätzt, dass unterm Strich gerade ein Viertel möglich ist. Beispielsweise darf Kegeln nicht stattfinden.

Die Kinder und Jugendlichen kommen nur langsam zurück ins Training

Mit den Erwachsenen hat der Klub vergangene Woche angefangen, nach und nach kommen Kinder und Jugendliche zurück in den Verein. Dabei überlässt es die Spvgg den Übungsleitern und Trainern, welche Gruppen sich wieder treffen. Der Sportverein hat sich einen Anhaltspunkt gegeben. Waldemar Haas sagt: Altersgruppen, die schon wieder in die Schule gehen, können auch trainieren. "Das ist unsere selbst gesetzte Richtlinie."

Um auf Fünfer-Gruppen, die zusammenkommen dürfen, achten zu können, sei eigentlich für jede ein Trainer notwendig. Die Führung hat deshalb klare Regeln fürs Training zusammengestellt. Mit der gelben Karten wird verwarnt, wenn man sich an die Abstandsregeln nicht hält. Im Wiederholungsfall gibt es Rot, und man muss gehen. Für den Verein sei das eine schwierige Angelegenheit. "Wir wollen schließlich kein Kind im Verein verlieren." Aber die Trainer müssen so reagieren. "Die Verantwortung ist hoch", ergänzt Waldemar Haas.

Die Trainer führen eine Anwesenheitsliste

Erst einmal ist viel Bürokratie notwendig. In jeder Gruppe, in jeder Übungseinheit wird notiert, wer mitmacht. "Wir führen für jede Trainingsstunde eine Liste", sagt Frank Herzberg. Der Klub nimmt diese große Aufgabe und den Aufwand auf sich. Den Mitgliedern wolle man wieder Sport bieten. "Wir haben die gesellschaftliche Verantwortung", sagt Frank Herzberg. "Die Menschen sehnen sich danach, rauszukommen." Außerdem will der Verein keine Mitglieder verlieren.

Dem Klub werden vermutlich 40.000 Euro fehlen

Corona wirkt nach. Das Oktoberfest ist gestrichen, die Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Fußball-Abteilung sind verschoben. Unterm Strich geht der Verein davon aus, dass ihm 40.000 Euro im Jahresbudget fehlen. Das führt die Klubführung unter anderem auf die fehlenden Einnahmen durch Feste zurück. Zudem werde für die gut 1000 Mitglieder vermutlich der Jahresbeitrag reduziert, sagt Frank Herzberg.

Und die Einnahmen aus der Verpachtung des Klubheims fallen komplett weg. Im Verein läuft alles übers Ehrenamt, trotzdem sind die finanziellen Mittel notwendig. Das Gebäude gehört dem Verein, und es muss regelmäßig saniert werden. Das wird nun wieder einmal verschoben. Spannend wird der Übungsbetrieb, wenn in Kürze Sportplatz und Laufbahn saniert werden und diese Flächen dann fürs Training in den Corona-Zeiten wegfallen.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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