Haben Neckarsulmer Verkehrspläne weiterhin Bestand?

Neckarsulm  Bei der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, haben in der Corona-Hochphase viele Mitarbeiter im Homeoffice gearbeitet. Dies wirkte sich auf den Berufsverkehr rund um Neckarsulm aus. Muss man die Verkehrspläne nun überdenken, weil das Arbeiten von daheim auch in Zukunft nicht an Bedeutung verlieren wird?

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Der Verkehr durch und an Neckarsulm vorbei belastet viele in der Stadt und ist ein großes Diskussionsthema. Nach wie vor umstritten ist, ob die Bundesstraße tatsächlich verbreitert sowie die Anschlussstelle an die Binswanger Straße gebaut werden sollen.

Kritiker der beiden Großprojekte betonen: Corona verdeutliche die Zukunft der Arbeit. Langfristig würden viel weniger Menschen zu den Arbeitsstellen in der Stadt pendeln als zuvor, auf die Maßnahmen könne man deshalb verzichten.

Schwarz-Gruppe sieht Notwendigkeit weiterhin

Die Schwarz-Gruppe gehört zu den Firmen, die zurzeit viele Mitarbeiter im Homeoffice haben. Dort betont eine Unternehmenssprecherin auf Stimme-Anfrage: "Der Rückgang des Individualverkehrs war eine Begleiterscheinung der Pandemie beziehungsweise des mobilen Arbeitens." Unabhängig von der aktuellen Situation sei aber die Verkehrsplanung für den Raum Heilbronn und Neckarsulm angelegt. "Die Planung ist auf längere Zeiträume ausgelegt. Ihre Notwendigkeit und Gültigkeit besteht weiterhin."

Zum Konzept gehören aber nicht nur neue Straßen. Darauf zielt der sogenannte Mobilitätspakt für die Region ab: Der Individualverkehr soll zurückgehen. Mehr Menschen sollen für den Radverkehr gewonnen werden, auch der öffentliche Personennahverkehr soll zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

"Kontrollierte Wiedereröffnung von Standorten" bei der Schwarz-Gruppe

Die Schwarz-Gruppe ist noch im Corona-Modus. "Um die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen und gleichzeitig den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, hatten wir zunächst an den Verwaltungsstandorten unter anderem in Heilbronn und Neckarsulm flächendeckend das mobile Arbeiten eingeführt." Momentan befinde sich die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, in der Phase der "kontrollierten Wiedereröffnung von Standorten". Die Sprecherin sagt: "Das oberste Ziel bleibt, unsere Mitarbeiter zu schützen und das Infektionsgeschehen einzudämmen - bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs."

Die Schwarz-Gruppe beobachtet nach eigenen Angaben das Infektionsgeschehen sehr genau und stimme alle Lockerungsmaßnahmen mit den entsprechenden Behörden ab. "Wir rechnen nicht mit einer baldigen Rückkehr zur Normalität."

Hinter dem Ausbau der Bundesstraße steht der Bund, der für die Finanzierung aufkommt. Anders sieht es bei der neuen Anschlussstelle an die Binswanger Straße aus, die ein städtisches Projekt ist. Die Kosten wurden zuletzt auf 42 Millionen Euro gerechnet. Diesen Berechnungen zufolge bleiben an der Stadt etwa 22,6 Millionen Euro hängen. Allerdings: Über die langfristigen Großprojekte will der Gemeinderat diskutieren. Möglicherweise fallen einzelne Vorhaben weg oder werden geschoben.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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