Grundschulen zu: Große Unterschiede bei Ferienbetreuung

Region  Im nördlichen Landkreis haben die Städte und Gemeinden unterschiedliche Regelungen zur Ferienbetreuung von Grundschüler. Bad Friedrichshall schließt seine Einrichtungen im Jahr sogar an 39 Tagen.

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Ferien sind für viele Familien mit kleinen Kindern eine Herausforderung: Oft reichen die Urlaubstage der berufstätigen Eltern nicht aus, um damit die Schließtage der Betreuungseinrichtungen zu überbrücken. Foto: Foto: pictworks/Stock.adobe.com

Die Bundesregierung will die Betreuung von Grundschülern verbessern. Nur noch maximal vier Wochen pro Jahr sollen Einrichtungen schließen. Der Gesetzentwurf hat nicht den Bundesrat passiert, zurzeit hängt er im Vermittlungsausschuss. Eine Umfrage im nördlichen Verbreitungsgebiet zeigt: Käme tatsächlich zu dieser Regelung, müssten einzelne Kommunen deutlich nachlegen.

In Bad Friedrichshall sind 39 Schließtage üblich

Bad Friedrichshaller Eltern kritisieren schon lange, dass die Betreuungseinrichtungen für Grundschüler an sehr vielen Tagen pro Jahr geschlossen sind. Bürgermeister Timo Frey legt unserer Zeitung offen eine Übersicht fürs Schuljahr 2021/2022 vor: An 39 Tagen bleiben die Einrichtungen zu, sogar am Betriebsausflug sowie am Nachmittag der Jahresabschlussfeier. "39 Tage sind üblich", sagt er.

Erst kürzlich haben sich die Stadträte im Verwaltungsausschuss mit der Ferienbetreuung für Grundschüler befasst. Sie schlossen sich dem Vorschlag der Verwaltung an, die städtischen Betreuungsangebote in den Sommerferien nicht weiter auszubauen. Würde Bad Friedrichshall die eigenen Angebote ausweiten, wären für zusätzliches Personal 2000 Euro fällig - je Ferienwoche.

Bad Friedrichshaller Eltern werden an Drittanbieter verwiesen

In der Vorlage für die Kommunalpolitiker verweist das Rathaus auf Einrichtungen und Vereine, die in den Sommerferien eine Ferienbetreuungen anbieten. Dazu gehören beispielsweise das Kindersolbad Bad Friedrichshall oder die AWO Neckarsulm-Amorbach. Den Stadträten hat die Verwaltung vorgeschlagen, bei diesen Anbietern einige Plätze für Bad Friedrichshaller Familien zu reservieren. Bürgermeister Timo Frey sieht derzeit keinen Anlass, dass die Stadt die eigene Betreuung ausdeht. Man habe bereits in Vorjahren Familien auf die Angebote des Kindersolbads hingewiesen. "Die ganzen Jahre hat es dort bislang freie Plätze gegeben."

Auch Neckarsulmer Einrichtungen sind im Sommer an vier Wochen zu

Die Bad Friedrichshaller Einrichtungen schließen im Sommer vier Wochen, außerdem in den Weihnachts- sowie in den Pfingstferien. Neckarsulm bietet ebenfalls zeitweise keine Grundschulbetreuung an: vier Wochen im Sommer sowie in den Weihnachtsferien. "Die Stadt sieht aktuell keinen Handlungsbedarf, die Regelung der Schließzeiten zu ändern", sagt Rathaussprecher Andreas Bracht. Er verweist auf die derzeit stockenden Pläne der Bundesregierung: "Die im Bundesgesetzentwurf vorgesehene Begrenzung der betreuungsfreien Zeit auf maximal vier Wochen könnte frühestens im August 2026 in Kraft treten - vorausgesetzt, das Gesetz wird erlassen und das Land regelt die Schließzeiten in den Ferien auf dieser Grundlage neu." Andreas Bracht weiß: Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass die Städte und Gemeinden mehr Betreuung anbieten müssen, stiegen in Neckarsulm die Betriebs- und Personalkosten.

Möckmühl macht im Sommer nur an zwei Wochen dicht

Anders ist die Situation in Möckmühl. "Wir haben zwei Wochen in den Sommerferien keine Betreuung", sagt Rathausmitarbeiterin Stefanie Keck. Das sei schon sehr lange der Fall. Außerdem werden Grundschüler nach Weihnachten nicht betreut. Wie viele Tage die Schülerbetreuung in diesen Ferien geschlossen ist, sei aber unterschiedlich. Es hänge davon ab, wie die Feiertage liegen. Hinzu kämen zwei pädagogische Tage ohne Schülerbetreuung, die Fortbildung finde allerdings stets an Brückentagen statt. Dass sich Eltern für die umfangreichen Betreuungsangebote bedanken, komme selten vor.

Untereisesheim bietet eine Betreuung nach Bedarf an

Untereisesheim bietet in den Sommerferien an allen sechs Wochen eine Betreuung an - " mit einem Zusatz", sagt Bürgermeister Bernd Bordon: Die Eltern müssten sie in Anspruch nehmen. "Es müssen fünf Kinder pro Woche kommen." Das gelte so auch in den anderen Ferien. Nur bei Bedarf werde betreut.

 


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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