Gemischtes Resümee über den Erfolg von "Neckarsulm geht live"

NECKARSULM  Das Wetter war zu wechselhaft, der Einzelhandel klagt über wenig Kundschaft. "Neckarsulm geht live" zieht nur teilweise, die Stadt aber ist zufrieden.

Von Stefanie Pfäffle
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Gut besetzte Plätze, aber auch leere Bänke − die Resonanz auf den letzten Abend ist sehr unterschiedlich.

Foto: Stefanie Pfäffle

Gut besetzte Tische auf der einen, leere Bierbänke und einsame Läden auf der anderen Seite. Die Resonanz auf den letzten Termin von "Neckarsulm geht live" ist bei 20 Grad Außentemperatur sehr unterschiedlich. "Unser Ziel war es, die Gastronomie zu beleben, das haben wir erreicht", freut sich Citymanager Daniel Bürkle. Der Mehreffekt beim Einzelhandel habe sich allerdings nicht eingestellt. Man überlege, das Konzept in ähnlicher Form im Herbst oder Winter zu wiederholen.

Live-Konzerte aus dem Kreativ-Keller

Um 19 Uhr ist Startschuss. Im Kreatief-Keller, aus dem die Live-Konzerte übertragen werden, herrscht eine halbe Stunde davor hektische Betriebsamkeit. "Ein bisschen weniger Bass, aber mehr Akustikgitarre", lautet die Bitte aus den Reihen von Gonzo"s Friends an die Techniker der Felix-Kühner-Production. "Im Großen und Ganzen ist es wirklich gut gelaufen, wir haben durchweg positives Feedback bekommen", erzählt Kühner. Alle Streams wurden zwischen knapp tausend und 1500 Mal zu Hause abgerufen, eine gute Zahl, wie Kühner aus der Erfahrung der letzten Monate weiß.

Eigentlich sind die Einzelhändler dazu aufgerufen, ihre Geschäfte bis 20 Uhr zu öffnen. Kurz vor 19 Uhr haben die meisten bereits zu. Im Blueshop bedient eine Mitarbeiterin. Die Boutique hat ohnehin immer bis um 19 Uhr offen. "Wir haben es am Anfang probiert, aber es kam niemand, die extra Stunde lohnte sich nicht", erzählt sie. In der Boutique Stilvoll ist Verkäuferin Tanja Gücer allein. "Es hat sich nicht gelohnt." Sie ziehen es aber durch, ebenso wie "Kleidsam", Lederwaren Berthold und die Buchhandlung Chardon. "Ich denke, wenn die Leute das Konzert sehen wollen, dann gehen sie in die Gastronomie, aber wollen nicht einkaufen", sagt Kleidsam-Inhaberin Regina Schweikert. Sie hofft, dass nächstes Jahr wieder alles normal ist.

Gemischte Gefühle

In den Museumsstuben läuft inzwischen das Konzert im Biergarten, allerdings vor leeren Bänken. "Wir hatten überlegt, es nach innen zu verlegen, aber das geben die Räumlichkeiten nicht her", erklärt Servicekraft Dennis Weber. Heute sei es den Leuten leider zu kalt draußen. Generell nahm der Zuspruch bei ihnen über die vier Termine kontinuierlich ab. "Es ist doch Urlaubszeit, aber die Gäste, die da waren, fanden es alle positiv, dass sich die Stadt Neckarsulm was einfallen lässt."

Vor der Ballei sitzen die Gäste eingemummelt in ihre Jacken. Nach holprigem Start ist Pächter Martin Kübler sehr zufrieden. "Vergangene Woche war hier kein freier Platz und eine tolle Stimmung, es gibt Stammgäste, die ganz gezielt zu diesem Format kommen", erzählt er. Kübler hat die Konzerte auch ein paar Mal unter der Woche laufen lassen, das sei gut angekommen. "Wenn's funktioniert, ist es wirklich sehr gut."

Im Restaurant Alte Post vom Welcome Hotel bietet sich wieder ein anderes Bild. "Die effektiven Reservierungen für das Event waren sehr gering", erzählt Service- und Bankettleiter Artur Schreiner. Zwei Mal habe man die Bildschirme drinnen, zwei Mal draußen gehabt. "Drinnen lief besser, außen war es einfach zu heiß." Auch wenn er sich mehr Gäste gewünscht hätte, sei man der Stadt aber dankbar für die Möglichkeit, erst recht, wenn es bei Kollegen was gebracht habe. "Die Bands waren super, die Technikjungs auch und die Stadt war immer ansprechbar", lobt Schreiner.


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