Für neues Logistikzentrum bei Möckmühl werden Nutzer gesucht

Möckmühl  Eine Stuttgarter Immobilienfirma hat damit begonnen, die Fläche für den Projektentwickler ECE zu vermarkten. Unterdessen hat sich der Gemeinderat Möckmühl mit dem Naturschutz und Ausgleichsmaßnahmen befasst.

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So präsentiert die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG das Logistikzentrum bei Möckmühl. Nun hat die Suche nach Mietern begonnen.

Foto: ECEcom

Der Spatenstich ist fürs vierte Quartal 2020 angepeilt, die Vorarbeiten des Logistikzentrums bei Möckmühl laufen auf Hochtouren. Der Gemeinderat hat beschlossen, wo erforderliche Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden sollen. Außerdem hat die Vermarktung der Immobilie bereits begonnen.

Corona stoppt das Projekt nicht. Die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG aus Hamburg preist die Immobilie bereits über eine Stuttgarter Firma an. „Der oder die Nutzer für das Logistikzentrum stehen noch nicht fest“, sagt ECE-Pressesprecher Lukas Nemela auf Stimme-Anfrage. „Wir führen weiterhin Gespräche mit zahlreichen Interessenten aus Logistik und Industrie.“ Bis zur Fertigstellung sei ausreichend Zeit, Nutzer zu finden.

Details verrät die Anzeige: Industrie und Logistik mit einer 24-Stunden-Betriebserlaubnis können darin genauso unterkommen wie Firmen aus der Nahrungsmittel- und Pharmabranche, die eine Temperaturführung benötigen.

Der Ausgleich für die Natur hat es in sich

Damit die 13,4 Hektar große Fläche bebaut werden darf, muss ein Ausgleich für die Natur geschaffen werden. Damit hat sich der Gemeinderat Möckmühl befasst. Es geht aber nicht nur um das Areal Habichtshöfe. Die Stadtverwaltung um Bürgermeister Ulrich Stammer will sich für zukünftige Baugebiete wappnen. Es sei nicht leicht, solche Fläche auszuweisen.

"Das stellt uns zunehmend vor Probleme", sagte Bürgermeister Stammer. Möglich sei, solche Maßnahmen im Wald umzusetzen. Die Details dazu präsentierte Revierförster Klaus Reiner. Mit jedem Baugebiet werden Flächen versiegelt. Wie viel stattdessen für die Natur getan werden muss, wird in Ökopunkten angegeben. Für die Industrieansiedlung an der A81 seien 600.000 Ökopunkte nötig, sagte Klaus Reiner.

Um dem Umweltschutz gerecht zu werden, können bestimmte Wald-Abschnitte aus der Forst-Nutzung herausgenommen werden. Dort dürfe man dann die Bäume weder pflegen noch neue setzen. Das einzig Erlaubte: Drohten Bäume auf Straßen zu stürzen, dürfe man sie fällen, erklärte er.

Waldflächen aus der allgemeinen Nutzung herausnehmen

Für das ECE-Vorhaben wäre eine Waldfläche von 15 Hektar nötig. Klaus Reiner fand aber fast 33 Hektar, die dafür infrage kommen. Was das Besondere an solchen Gebieten ist, zeigte der Förster anschaulich mit Fotos. Zu sehen waren alte, große Bäume, in denen sich unter anderem Vögel wohlfühlen. "Die Strukturen sind da", sah Klaus Reiner die Chance, entsprechende Fläche aus der allgemeinen Nutzung herauszunehmen. Vom Finanziellen her erwarte er darin ohnehin kaum Einnahmen: Es seien nicht die attraktivsten, sagte er. Es mache dort keinen Sinn, Stämme zu zu vermarkten. Ökologisch sei es ein Gewinn, auf sie zu verzichten, und zudem sei es "extrem wirtschaftlich".

Revierförster Reiner gab zu, dass diese Form des Ausgleichs bei Naturschützern umstritten ist. Deshalb könne es sein, dass das Land die Regeln ändert und man nicht mehr lange solche Flächen ausweisen dürfe. Die Vorwürfe aus dem Umweltschutz: Ohne dass Kommunen etwas tun, bekommen sie Ökopunkte. Bürgermeister Ulrich Stammer warb dennoch für das Vorgehen: Bislang müsse man in einen solchen Ausgleich immer viel investieren. Für Möckmühl sei es deshalb "ökonomisch sehr sinnvoll".

Bedenken kamen von Stadtrat Hubertus Grad Waldburg (CDU), da man ein solches Gebiet nicht mehr anrühren dürfe. "Es ist eine Entwertung des Waldes." Förster Klaus Reiner verstand die Sorgen und betonte zugleich, dass es sich nur um etwas über drei Prozent der städtischen Waldfläche handele. "Das ist fast nichts."


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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