Mike Spitschu aus Heinsheim zum Diakon geweiht

Bad Rappenau/Freiburg  Mike Spitschu aus Bad Rappenau-Heinsheim ist erst 27 Jahre alt - und schon im Klerus. Der Freiburger Erzbischof weihte ihn am Sonntag zum Diakon.

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Auf die Anspannung folgt Freude und Erleichterung: Mike Spitschu nach der Weihe.

Die Glocken des Freiburger Münsters schlagen, und sie schlagen heute nur für Mike Spitschu. Der Erzbischof höchstpersönlich wird den 27-jährigen Priesterseminaristen aus Bad Rappenaus Teilort Heinsheim zum Diakon weihen - vor einer imposanten Kulisse, die dem Moment besondere Feierlichkeit verleiht.

"Die Anspannung steigt", sagt Mike Spitschu 24 Stunden zuvor, als er im Biergarten der Brauerei Feierling noch eine Halbe trinkt, vielleicht auch zur Beruhigung. "Aus der Sicht von Menschen, die nicht glauben, ist das, was ich morgen tue, das Dümmste überhaupt."

Im Dienste Gottes 

Frisch geweiht
Der 27-Jährige verpflichtet sich in diesem jungen Alter für den Rest seines Lebens, im Namen der Kirche im Dienste Gottes zu sein und zu handeln.

Mit dieser Aussage meint er: Er verpflichtet sich in diesem jungen Alter für den Rest seines Lebens, im Namen der Kirche im Dienste Gottes zu sein und zu handeln. Und das bedeutet auch, auf was Mike Spitschu seine Berufung oftmals von anderen reduziert sieht, ein Leben lang das Zölibat zu achten.

"Das heißt aber doch nicht, beziehungslos zu sein", erklärt Mike Spitschu. Übrigens sei es wie in der Ehe, man müsse an sich arbeiten, sich für eine wertschätzende Partnerschaft einsetzen, Krisen bestehen. Alles eine Frage der Einstellung. "Brüche sind immer möglich", sagt er. "Aber ich will mir keine Hintertür offen lassen."

Der zeremonielle Teil im Münster ist beeindruckend und die Symbolik der katholischen Kirche wirkt. Streng hierarchisch gegliedert schreiten die Geistlichen auf den Altar zur. Vorne ein Mann in Rot, mit einem goldenen Stab in der Hand, auf dem ein Kreuz aufgesetzt ist. Er macht den Weg frei für die anderen. An prominenter Stelle der Erzbischof mit dem Bischofsstab. Überall Weihrauch, es ist ganz neblig. Wer keinen Glauben hat, findet ihn jetzt vielleicht. Es riecht heilig.

 

 

Die Eltern in der ersten Reihe 

Vorne in der ersten Reihe: die Eltern von Mike Spitschu. Ganz in ihrer Nähe ihr Sohn. Er trägt eine Albe, das Untergewand eines Priesters, und gleich wird er sich dem Erzbischof und seinen Nachfolgern versprechen. Ehrfurcht und Gehorsam gelobt er. Immer wieder sagt er: "Ich bin bereit."

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Erzbischof Stephan Burger kniet vor dem Altar, auf dem Boden liegt der Nachwuchs-Diakon.

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Dieser Tag sei eine große Freude, sagt der ehemalige Bad Rappenauer Pfarrer Wolfgang Gätschenberger, der ebenfalls nach Freiburg gekommen ist. Mike Spitschu bezeichnet ihn als Schlüsselfigur auf dem Weg zu seiner Berufung. Die beiden kennen sich seit 17 Jahren. "Durch ihn wurde ich geprägt, er hat mir vieles vorgelebt", sagt Spitschu. Nun stehen sie am bisherigen Höhepunkt von Mike Spitschus kirchlichem Werdegang.

"Ich werfe mich Gott hin" 

Das wird eindrücklich im Münster. Zunächst legt sich der Weihe-Kandidat flach auf den Boden, die Stirn auf seine Hände. So bleibt er für mehrere Minuten liegen. "Ich werfe mich Gott hin", sagt Mike Spitschu. Wenig später folgt die Handauflegung des Bischofs. "Ein Brauch, der bis auf die Apostel zurückgeht. Du kannst alles weglassen bei der Weihe, aber die Handauflegung braucht es." Die Weihe ist per Definition ein unauslöschbares Prägemal. Spitschu: "Also einmal gespendet, hängst du drin."

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Im Freiburger Münster wurde Mike Spitschu zum Diakon geweiht. Fotos: Lukas Röder

Im Anschluss findet im Priesterseminar eine Feier statt. Mit "Exzellenz" spricht Spitschu den Erzbischof an. "Ich hatte nie Angst, das ich etwas falsch mache", sagt der Jungdiakon über seinen Weg in den Klerus.

Er trägt jetzt eine Soutane, ein langes, schwarzes Gewand. Künftig werde er auch im Alltag nur noch mit Kollarhemd zu sehen sein, erwähnt Mike Spitschu am Tag zuvor im Biergarten. Ihm sei es wichtig, ansprechbar zu sein für die Menschen. Oder einfach nur, ihnen zu signalisieren: Da ist ein junger Mann, der macht das, der hat diesen Weg für sich gewählt und ja, das gibt es auch heute noch.

 

 

Corona zwingt Gäste zu Abstand 

Normalerweise steht das Münster voll bei Anlässen wie diesem. Doch Corona hat selbst die fast unerschütterliche Welt der Kirche durcheinander gebracht. 100 geladene Gäste haben sich in Abstand voneinander versammelt, die Plätze sind zugewiesen. "Da ist man wahnsinnig aufgeregt", erinnert sich Pfarrer Dieter Zimmer, der aus Bad Friedrichshall hinzugekommen ist, an seine eigene Weihe zurück. "Es war sehr berührend", sagt Mike Spitschus Bruder Dennis (25) im Anschluss. Weniger aufgeregt war Mutter Romana, obwohl ihr Sohn ab diesem Augenblick offiziell vom Markt ist: "Wir sind das schon gewohnt irgendwie." Die Familie war immer sehr gläubig, wobei Vater Jürgen evangelisch ist. Immerhin denkt er darüber nach, zu konvertieren.

Nächstes Jahr, ausgerechnet am Muttertag, steht die Priesterweihe von Mike Spitschu an. Wie bei der Diakonenweihe auch wird er dann der einzige Kandidat sein, Stichwort Priestermangel. So etwas gab es auch für Erzbischof Stephan Burger noch nicht, der nun schon einige Männer zu Diakonen und Priestern geweiht hat. Er gibt sich allerdings entspannt. "Ich bin froh über jeden Einzelnen", sagt er am Rande des Empfangs im Priesterseminar und lacht.

 

 

 

Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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