Frauen und Technik? Selbstverständlich!

Neckarsulm  Im NSU- und Zweirad-Museum tauchen drei Leserinnen im Rahmen einer Lesersommer-Aktion in die Geschichte der Mobilität ein.

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Die Welt ist voller Klischees. Zum Beispiel, dass Autos und Motorräder so ein Männerding sind. Frauen und Technik? „Aber selbstverständlich“, sagt Natalie Scheerle-Walz, Leiterin des NSU- und Zweiradmuseums in Neckarsulm. Am vergangenen Dienstag blickt sie in die Runde. Drei Leserinnen hatten das Glück, einen Platz bei einer Frauenführung durch die Museumsräume zu ergattern. „Einen Mann haben wir ja aber doch dabei“, sagt Scheerle-Walz und blickt zum Autor der Heilbronner Stimme. „Mal sehen, ob der nicht auch noch etwas Neues erfahren kann heute.“

Zeitreise ins Jahr 1817

Helga Röber aus Öhringen, Angelika Feil aus Heilbronn und Erika Müller aus Obereisesheim – sie alle waren schon mal im Museum, aber „das ist Ewigkeiten her“. Getan hat sich in den vergangenen Jahren vieles. Eines ist geblieben: Die charmante und witzige Art von Museumsleiterin Scheerle-Walz, die die kleine Gruppe mitnimmt auf eine spannende Reise durch die Geschichte der Mobilität. Schnell wird deutlich, dass Technikgeschichte(n) Spaß machen können.

Im Fahrradraum staunen die drei Leserinnen nicht schlecht, wie das alles mal angefangen hat mit der Mobilität. Dort steht zum Beispiel das Laufrad von Karl von Drais aus dem Jahr 1817. „Wenn man zurückblickt und sich die Mobilität von heute anschaut, ist es sehr beeindruckend, was einst schon alles möglich war“, sagt Erika Müller. Bei den Hochrädern bleibt die Frage zurück, wie man da wohl hochkam. „Das war ganz schön umständlich damals“, sagt Helga Röber. „Da hat man ganz schön Schwung gebraucht“, meint Angelika Feil, der ein aktuelles Rad aus der heutigen Zeit dann doch lieber ist.

1956 öffnete das erste Motorradmuseum Deutschlands

Mehr als 350 Exponate lassen im ehemaligen Schloss des Deutschordens Geschichte lebendig werden. „1956 eröffnete hier in Neckarsulm das erste Motorradmuseum Deutschlands. Am Produktionsstandort des ehemaligen Weltmarktführers NSU wollte man bereits damals dem Motorrad ein Denkmal setzen“, erklärt Scheerle-Walz. Ein Museum zu führen sei weit mehr als morgens die Tür aufzuschließen und abends wieder zu. „Wir konzipieren immer wieder neue Sonderausstellungen“, sagt die Leiterin. In erster Linie sei die Einrichtung ein Ort, an dem Kultur gut aufbewahrt wird. Und wo wäre das besser als in einer Stadt, in der Mobilität eine so herausragende Rolle spielt?

Quickly und Co.: Die Welt von NSU

Besonders angetan sind die Lesersommer-Gewinnerinnen vom NSU-Teil im Untergeschoss. Dort stehen Motorräder und Fahrzeuge, die alle vor langer Zeit in großer Menge noch live auf den Straßen gesehen haben. „NSU hat schon ganz früh ein Herz für die Damenwelt gehabt“, sagt Scheerle-Walz, als sie an der weithin bekannten Quickly stehen bleibt. „Die Quickly L hatte einen eingebauten Rockschutz.“ Das Moped war seinerzeit ein motorisiertes Fortbewegungsmittel für eine immer breitere Masse. Daher auch der Werbespruch: „Nicht mehr laufen – Quickly kaufen.“ Und dann steht er auf einmal da, der Prinz. Nicht in Fleisch und Blut, sondern als Klassiker auf vier Rädern. „Wir hatten auch mal einen“, erzählt Angelika Feil. „Das waren noch Zeiten.“
 
Ja, die Zeit, sie vergeht im NSU- und Zweiradmuseum wie im Flug. Quer über die sechs Etagen stehen unzählige Raritäten und Besonderheiten auf zwei Rädern. „Da wären wir Frauen froh gewesen einen Mann zu haben, der so ein Motorrad hat“, sagt Museumsleiterin Scheerle-Walz, als sie an einer Brough Superior stehen bleibt. „Das war angesichts der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit quasi der Rolls-Royce unter den Motorrädern.“ Brough Superior ist eine englische Motorradmarke, die von 1919 bis 1940 in Nottingham (England) und ab dem Jahr 2016 im französischen Saint-Jean, zehn Kilometer von Toulouse entfernt, produziert. Gegründet und betrieben wurde das Unternehmen von dem Konstrukteur und Rennfahrer George Brough.

Besuch im streng geheimen Depot

Bevor die Damenrunde bei einem gemeinsamen Mittagessen im direkt gegenüber liegenden Restaurant Museumsstuben das Erlebte Revue passieren lässt, geht es an den wohl geheimsten Ort in ganz Neckarsulm. Die drei Gewinnerinnen dürfen einen Blick hinter die Kulissen, ins Depot des Museums werfen. Für den, der es nicht weiß, sind die Räumlichkeiten von außen völlig unscheinbar. Innen ist es eine Schatzkammer. Dort lagern unzählige Fahrräder und Motorräder, die nicht alle auch noch in die Ausstellung passen. Zudem ist hier die Werkstatt, in der Schönheitsreparaturen durchgeführt werden oder Fahrzeuge vorbereitet werden, die ab und an bei Oldtimer-Rallyes dabei sind. Hier bleiben die Türen für die Öffentlichkeit weiter verschlossen. Aber ins Museum, da sind sich die drei Damen einig, „kommen wir auf jeden Fall wieder“.


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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