Einen böllernden Salut zum Neckarsulmer Stadtjubiläum

Neckarsulm  Zahlreiche dezentrale Programmpunkte ermöglichen der Stadt Neckarsulm auch in der Corona-Zeit ein buntes Festwochenende zum 1250. Bestehen der Stadt mit vielfältigen Aktionen.

Von Ralf Schick
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Einer von vielen Höhepunkten und definitiv ein Moment zum Festhalten: Die Delegationen aus den fünf Partnerstädten treffen vor dem Zweiradmuseum ein.

Foto: Ralf Schick

Ein napoleonisches Feldgeschütz, die Stadtkanone und zwei kleinere nachgebildete Kanonen stehen auf dem Scheuerberg zum Salut bereit. "Drei, zwei, eins, los", ruft Schütze und Kanonier Martin Märklen von der Schützengilde Neckarsulm am Sonntagvormittag. Es folgen einige Kanonenschläge und ein Echo aus dem Tal zurück. Nicht alle Rohrgeschosse funktionieren gleichzeitig, "weil das Pulver feucht geworden ist", erklärt Märklen.

Dennoch sind die Menschen am Neckarsulmer Hausberg begeistert von der Atmosphäre und dem Blick aufs Neckartal. Zumal im Anschluss das erste Viertele des Tages von den Jungwinzern der "Vin-Harmonie" vor der prächtigen Weinbergkulisse ausgeschenkt wird und auch die Schlosswache Kirchhausen ein Bergzeltlager errichtet hat.

"Hamlet" als Maskenspiel

Mit einem Stück über Rache und Intrige beginnt das Festwochenende zum Neckarsulmer Stadtjubiläum am Freitagabend, als der Schauspieler Bernd Lafrenz vor gut 70 Zuschauern in der Ballei Shakespeares "Hamlet" aufführt. Lafrenz ist alles in einer Person: Hamlet, der Geist des ermordeten Vaters, der Mörder Claudius, der Freund Laertes, die Mutter Gertrude und Ophelia. Ein verwirrendes Spiel mit Masken, das in der Corona-Zeit ungewollt eine fast doppeldeutige Pointe bekommt.

Geschmunzelt, gelacht und gestaunt wurde nach dem Festakt in der Innenstadt, als die Straßenkünstler Stefan Göggel, Pablo Zibes, Nils Müller und Enzo Paolo ihre Kunststücke vorführen. Strahlende Gesichter auch bei den Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung am Merchandising-Stand. "Beim Verkauf laufen am besten das Jubiläumsbuch, der Wein und die T-Shirts mit dem Jubiläumslogo", sagen die jungen Verwaltungsangestellten Zarife-Devora Davoul und Sabrina Lederer.

Münzen prägen wie im Mittelalter

Mit 30 Tonnen Schwerkraft prägt Patrick Simm aus Leonberg-Renningen Jubiläumsmünzen. "Das sind alles eigens angefertigte Handgravuren", erzählt der Münzpräger. Als Motiv hat er Rathaus, Stadtwappen und das Logo angefertigt und prägt dann die Münzen in Edelmetall so, wie es schon im Mittelalter gemacht wurde.

Am Gleis 3 toben sich Kinder an der Spielstraße aus. Hockeyparcours, Schwammwurf oder ein Rollbrettparcour stehen zur Auswahl und mehr als 100 Kinder nutzen das Angebot, erzählt Stephanie Guldi. "Ich habe alles mitgemacht und Hockey fand ich am besten", sagt die sechsjährige Edda. Am Nachmittag nutzt eine Gruppe junger Abiturienten das Graffiti-Angebot am Gleis 3 mit dem Grafiker Armin Rill. "Wir wollen ein bisschen Farbe in das Leben der Jugendlichen bringen, weil die lange genug zu Hause in den grauen Wänden eingesperrt waren", sagt der mobile Jugendarbeiter Guido Oetzmann.

Museumsführung für die Delegationen aus den fünf Partnerstädten

Gleichzeitig herrscht beim Deutschen Zweiradmuseum reges Treiben. "Es ist ein Kommen und Gehen", sagt Museumschefin Natalie Scheerle-Walz. Die Akkordeongruppe der Musikschule spielt sich vor dem Museum warm, bis die Delegationen aus den fünf Partnerstädten Bordighera, Carmaux, Zschopau, Grenchen und Budakeszi etwa verspätet zum Sektempfang eintreffen. Beim anschließenden Rundgang durchs Museum und Depot staunten die gutgelaunten Delegationsmitglieder nicht schlecht: Ein Vertreter aus Zschopau wagte eine Runde auf dem Rumi-Roller "Scoiattolo" (Eichhörnchen), während die italienische Delegation von den zahlreichen italienischen Motorradmodellen begeistert war.

Männer dominieren auf dem Stadtplan

Als die Jungwinzer ihre Weine im Rathaus-Hinterhof auszuschenken beginnen, eröffnen zeitgleich Neckarsulmer Künstlerinnen ihre Ausstellung "Die Sulm und der Neckar". Rund 480 Straßen gibt es in Neckarsulm, 94 sind nach Personen und Persönlichkeiten benannt. "Und davon nur eine einzige nach einer Frau", sagt die Performance- und Videokünstlerin Verena Stenke. Genauso sehe es bei den öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Hallen aus, nur eine ist nach einer Frau benannt. "Schenken wir uns doch die Größe, auch endlich Frauen zu benennen", ermahnen die Künstlerinnen die männerdominierte Geschichtsgestaltung.

Das ist der Grund zum Feiern

Auf den Tag genau vor 1250 Jahren wurde Neckarsulm am 10. Juli 771 erstmals urkundlich erwähnt. Von Freitagabend bis Sonntag feierte die Stadt ihr Jubiläum - coronabedingt mit knapp 30 Veranstaltungen an verschiedenen Orten. "Am Ende hat alles ganz gut geklappt", sagt ein erleichterter Citymanager Daniel Bürkle. Zum Stadtjubiläum wurde ein historisches Buch "Sulm ain Stättl" herausgegeben, außerdem kreierten die Jungwinzer von der Vin-Harmonie einen extra Jubiläumswein. Weitere Jubiläumsaktionen gab es zudem im Ernst-Freyer-Freibad in Obereisesheim.


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