Dittmann Mendel taucht ein in die Geschichte der Region

Möckmühl  Ehemaliger Stadtrat, ehemaliger Rektor, vielseitig in der Stadt engagiert: Dittmann Mendel konnte noch nicht sein Werk zur Heimat seiner Eltern präsentieren. Unterdessen widmet er sich einem Hügel bei Korb.

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An diesen beiden Werken hat Dittmann Mendel aus dem Möckmühler Stadtteil Ruchsen gleichzeitig gearbeitet.

Foto: Simon Gajer

Dittmann Mendel ist die Begeisterung für Geschichte anzusehen. Wer sich mit dem 74-Jährigen aus dem Möckmühler Stadtteil Ruchsen treffen will, sollte deshalb viel Zeit einplanen - denn sehr schnell kommt er von einer Forschung zur nächsten, von einem Jahrhundert ins andere. Jeder einzelne Moment lohnt sich, denn auch in der Ortsgeschichte von Möckmühl, Ruchsen oder Korb schlummert Unbekanntes. Dem ist der pensionierte Lehrer weiterhin auf der Spur.

Corona hat Dittmann Mendel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vor Ostern wollte er in der Stadt seine Forschung über die beiden slowakischen Dörfer "Hedwig und Bries" präsentieren, die Einladungen dazu hatte Bürgermeister Ulrich Stammer längst verschickt. Dann wurden aber alle Veranstaltungen gestrichen, auch die von Dittmann Mendel. Aus den beiden Ortschaften stammen seine Eltern, noch immer wohnt dort ein Cousin des Ruchseners mit seiner Familie. Das Buch geschrieben hat Dittmann Mendel, weil es über fast alle deutsche Dörfer in dem Land Heimatbücher gab - nur über Hedwig und Bries nicht. Das bedauerte eine Gruppe, in der sich Menschen mit einer familiären Beziehung zu den Orten zusammengeschlossen haben. Als Dittmann Mendel dann mal bei einem dieser Gruppen-Treffen war, ging die Arbeit schnell auf ihn über: "Als einziger Lehrer blieb mir nichts übrig", erzählt er.

Die erste Auflage ist bereits vergriffen

Das hört sich schlimmer an, als es ist. Denn was Dittmann Mendel anfängt, macht der ehemalige Möckmühler Stadtrat und einstige Leiter der Haupt- mit Werkrealschule ganz genau und mit viel Ehrgeiz. Drei Mal fuhr er fürs Buch in die Heimat seiner Vorfahren. "Das ist landschaftlich einmalig schön." Die Nachfrage nach dem fast 300 Seiten dicken Werk ist groß, die erste Auflage längst vergriffen. Aus ganz Deutschland kamen Bestellungen, erzählt er.

Dem Ruchsener ist es ein Anliegen, das Werk auch in Möckmühl zu präsentieren. Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg: Viele verbinden damit nur jene Deutsche, die aus Ungarn kamen. Doch es waren eben auch Menschen aus der heutigen Slowakei darunter. An die Geschichte werde in den Nachbarortschaften Hedwig und Bries noch immer erinnert, deutsche Bräuche würden gepflegt - mit Trachten- und Gesangvereinen.

Mit Familiengeschichte und einem Rathaus-Detail befasst sich Dittmann Mendel gleichzeitig

Eine Forschung allein reicht Dittmann Mendel, der zahlreiche geschichtliche Werke zu Hause hat, nicht. In den drei Jahren, in denen er über die Heimat seiner Familie schrieb, befasste er sich auch mit der Renaissancetafel am Rathaus Möckmühl. Genau wollte er es wissen, mit bisheriger Forschungsergebnissen gibt er sich nicht zufrieden.

Sind tatsächlich zwei hochgeschürzte Frauen zu sehen? "Das sind Göttinen", ist seine Haltung: Aphrodite, Göttin der Liebe, und Hebe, Göttin der Jugend. Er ist überzeugt davon, dass damit beim Bau des Rathauses vor 400 Jahren an Ludwig, Herzog von Württemberg, erinnert werden sollte. Der hatte damals keine Kinder. Man habe die Sehnsucht zum Ausdruck bringen wollen, sagt er, dass man sich einen Nachkommen wünsche.

Viel Unerforschtes wartet auch in der Region darauf, entdeckt zu werden

Spannendes liegt direkt vor der Haustür, das verdeutlicht Dittmann Mendel. Und deshalb widmet er sich nun dem sogenannten Katzenbuckel bei Korb. Selbst Maulwurfshügel untersucht er, um Spuren der Geschichte zu entdecken. Er geht davon aus, dass der Hügel auf Slawen zurückgeht. Weiteres Indiz dafür sei der Name des Stadtteils. Seiner Meinung nach deute der ursprüngliche Namen nicht wie allgemein angenommen auf ein trockengelegtes Sumpfgebiet hin, sondern auf ein "Dorf am Hang". Er betont: "Das würde alles zusammenpassen."

Dittmann Mendel erhält im Jahr 2008 die Staufermedaille des Landes

Dittmann Mendel machte am am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neckarsulm das Abitur. Rektor an der einstigen Haupt- und Werkrealschule in Möckmühl war er in den Jahren von 1995 bis Juli 2008. Die Volkshochschule in der Stadt leitete er von 1977 bis 1984. Außerdem gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Jagsttalbühne im Jahr 1990. Dittmann Mendel initiierte die Städtepartnerschaft mit Cherasco in Italien und Piliscsaba (Ungarn). Im Jahr 2008 bekamt er die Staufermedaille des Landes. red


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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