Neckarsulm startet ins alternative Sommerprogramm

Neckarsulm  Das Konzept vom alternativen Sommerprogramm sieht in Corona-Zeiten anders aus: Statt "Donnerstags in die City" mit Live-Musik spielen die Bands im Kreatief-Keller in Neckarsulm und werden in den Gaststätten live übertragen.

Von Stefanie Pfäffle
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Hannah (links), Anke und Michael Schüfer finden es cool zu wissen, dass das Konzert auf dem Bildschirm nur wenige Meter weiter live gespielt wird.

Foto: Stefanie Pfäffle

Ganz gezielt ist Familie Schüfer am Freitagabend zur Zelle 18 auf dem Neckarsulmer Marktplatz gegangen. "Weil Donnerstags in die City ausfällt, nehmen wir alle Alternativen mit", meint Anke Schüfer. Es sei doch cool, dass die Band live spielt. Auch, wenn das nur auf einem großen TV-Bildschirm zu sehen ist.

So das Konzept vom alternativen Sommerprogramm der Stadt im August - eine Band spielt im Kreatief-Keller ein Livekonzert, das wird dann in den eigentlich sieben teilnehmenden Gaststätten übertragen. Der Auftakt ist allerdings ein bisschen holprig.

Die Technik streikt

Eigentlich waren Eveline Sterl und ihre Freunde extra in den Biergarten vor dem Ballei-Restaurant gegangen, um das Konzert zu sehen. Dafür hatte Pächter Martin Kübler einen Fernseher unter die Streben des Hallenvordachs gehängt. Doch die Technik streikt. "Wir sind schon enttäuscht, aber wir sitzen hier gut, deswegen bleiben wir zum Essen", erklärt das Quartett.

Kübler ist froh, denn viele andere sieht er wieder abbiegen. Der Gastronom hat einen richtig dicken Hals. "Seit 14 Tagen hängt der Fernseher, wir haben Anzeigen geschaltet, Plakate gedruckt und uns extra verschiedene Picknickkisten überlegt, damit die Leute hier auch auf der Wiese entspannen können, aber die Firma hat es in der ganzen Zeit nicht auf die Reihe bekommen", ärgert er sich. Die Idee der Stadt sei eigentlich genial, aber ob er nächste Woche noch einmal dabei sein wird, weiß Kübler noch nicht.

Also weiter ziehen. Das Café Hammer ist zwar als Teilnehmer angekündigt, hat aber geschlossen. Beim Gnadenstäffele sitzen die Gäste bei der Hitze draußen auf der Empore. Von innen ist die Musik der Band Coco zu hören, die mit Coversongs den Auftakt macht. Zu sehen ist das Konzert auf den aufgehängten Bildschirmen nicht, auch hier hat es technisch nicht geklappt, aber Inhaber Karl Traub hat kurzfristig die Musik von seinem Laptop auf die Boxen geschaltet. Citymanager Daniel Bürkle schaut gerade vorbei. "Es gab ein paar technische Schwierigkeiten, wir haben viel aus diesem ersten Termin gelernt. Nächste Woche bekommen wir es besser hin", sagt er zuversichtlich.

Kein großes Interesse an der Musik

Traub findet die Idee an sich aber super, auch wenn er eine Veranstaltung auf dem Marktplatz bevorzugt hätte. Die zwei Gäste, die innen sitzen, bräuchten das alles nicht, geben sie zu. Auch Karl-Heinz Plattner und Günter Herold, die draußen sitzen, interessieren sich nicht für das Konzert. "Richtige Livemusik ist uns lieber, aber das geht halt gerade nicht", erklären sie. Die Herren haben auch nicht den Eindruck, dass das Angebot viele Menschen in die Stadt lockt.

Es sind tatsächlich nicht besonders viele Leute unterwegs. Zumindest die Außengastronomie ist ganz gut besetzt. Mancher Einzelhändler hat bis 20 Uhr geöffnet, wie auch Ina Maria Berthold vom gleichnamigen Lederwaren- und Reisegepäck-Geschäft. "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, die Kunden kommen bei der Hitze gern erst abends", stellt sie fest. Aber eigentlich sei es zu heiß. Donnerstags in die City könne die Aktion nicht ersetzen, aber der gute Wille sei da. Berthold ist jetzt selbst noch verabredet und wird sich den Rest des Konzerts anschauen.

Viel los am Brauhaus 

Im Neckarsulmer Brauhaus ist außen viel los. Musik ist da allerdings nicht zu hören. Innen sitzt als einzige eine achtköpfige Gruppe direkt unterm Bildschirm. "Wir sind Dahenfelder und kennen die Sänger persönlich, Dahenfelder unterstützen sich gegenseitig", meint Petra Mühleck. Natürlich sei es anders als auf dem Marktplatz, aber trotzdem gut. "Sie hören halt unseren Applaus nicht, sonst würden wir wie Groupies schreien", sagt sie lachend.


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