Corona als Motor für Digitalisierung

Neuenstadt  Die Lindenschule in Neuenstadt kann mit neuen Laptops mehr Schüler ausstatten und ihr Angebot erweitern. Das Problem ist jedoch das flächendeckende W-Lan.

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Schulleiter Mike Massa (Mitte) und sein Stellvertreter Matthias Butz im Gespräch mit IT-Experte Marko Rhode über Digitalisierung in der Grundschule. Rhode hat der Lindenschule Laptops gespendet.

Foto: Tina Schulze

Homeschooling ohne Laptop ist schwierig. Tablets erfüllen zwar auch ihren Zweck, wer aber nur am Smartphone Dokumente öffnen kann und keinen Drucker hat, der tut sich schwer. Auch unter den Grundschülern der Lindenschule in Neuenstadt sind einige, die nicht die notwendige technische Ausrüstung haben, um Online-Angebote zu nutzen. Ihnen kann die Schule künftig Leihgeräte zur Verfügung stellen, die Marko Rhode, Geschäftsführer der Neuenstadter Firma mbicom IT, gespendet hat. 20 Laptops, die bereits kinderfreundlich und sicher eingerichtet wurden, übergab der Vater einer Grundschülerin an Schulleiter Mike Massa.

"Die kommen auf jeden Fall vielfältig zum Einsatz", verspricht der Schulleiter – im Unterricht, aber auch für Schüler, die keine entsprechende Ausstattung zu Hause haben. Denn das Homeschooling geht weiter, auch wenn seit Montag wieder mehr Präsenzunterricht stattfindet. Solange die Abstandsregeln gelten, können auch in der Lindenschule nicht alle Schüler gleichzeitig in ihre Klassen zurück.

IT-Experte Rhode hofft nun, dass die Corona-Krise die Digitalisierung in Schulen schneller voranbringt. Wenn er den schweren Schulranzen seiner neunjährigen Tochter sehe, frage er sich manchmal: "Wo sind wir denn?" Teilweise befänden sich staatliche Grundschulen in der digitalen Steinzeit. "Das wurde zehn Jahre lang ausgesessen", kritisiert Marko Rhode.

Größte Hürde: W-Lan

Von der Ausstattung her befindet sich die Lindenschule im Vergleich zu anderen staatlichen Grundschulen "im guten Durchschnitt", sagt Rektor Mike Massa. Trotzdem sind die PCs im Computerraum veraltet. Für die Vermittlung der Grundlagen am PC reiche es aber, betont der stellvertretende Schulleiter Matthias Butz, der auch die Computer-AG leitet.

Der Schule stehen auch I-Pads, Laptops und in jedem Klassenraum ein stationärer PC zur Verfügung. Das Problem ist jedoch das flächendeckende W-Lan. Bei der alten Gebäudestruktur sei das eine Herausforderung, zumal derzeit auch die notwendige Glasfaserleitung fehle, erläutert Butz. Der Schulträger, also die Stadt Neuenstadt, kümmere sich aber darum und sei grundsätzlich bei der Ausstattung sehr großzügig. Man wolle aber auch die Förderung aus dem Medienentwicklungsprogramm des Landes nutzen, um in Sachen Digitalisierung voranzukommen. Die entsprechenden Anträge zu stellen, sei aber sehr aufwendig und kompliziert, sagt Butz, der sich an der Lindenschule darum kümmert. Er hofft, dass das Prozedere durch Corona vereinfacht wird.

Das Ziel ist laut Massa, viele Klassenzimmer mit einem Smartboard auszustatten. Digitale Angebote wie Mediatheken oder Lernplattformen seien eine gute Ergänzung im Unterricht, verdeutlicht Butz. Solange eine Klasse dafür aber in den Computerraum gehen muss, mache das wenig Sinn.

Marko Rhode erwartet als Vater auch, dass Kinder in der Schule Medienkompetenz erlangen. Wie surfe ich? Welche Seiten sind vernünftig? Wie geht man verantwortungsbewusst mit Daten und Sozialen Netzwerken um? Diese Fragen müssten seiner Meinung nach bereits in der Grundschule angegangen werden.

Medienbildung steht auch ab der ersten Klasse auf dem Plan, sagt Massa. Viel Zeit bleibe in der Woche aber nicht dafür. Mit W-Lan in jedem Raum sei aber mehr möglich, so Butz.

In den vergangenen Wochen hat Marko Rhode aber auch die Erfahrung gemacht, dass es bei manchen Lehrern mit Wissen etwa über geeignete Dokument-Formate hapert. Deshalb überlege er, Schulungen für Lehrer, Eltern und Schüler anzubieten.


Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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