Corona-Alltag im Freibad mit Bademeister Mike

Bad Wimpfen  Das Wasser ist seit jeher kalt im Bad Wimpfener Freibad. Trotzdem steigt die Zahl der Badegäste in der Corona-Zeit an. Bademeister Mike Schneider über die Besonderheiten beim Freibad-Besuch und gute Stimmung trotz Corona.

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Bademeister Mike Schneider, wie ihn viele kennen: braun gebrannt, ein Lächeln im Gesicht, Sonnenbrille. Fotos: Adrian Hoffmann

Im Bad Wimpfener Freibad ist die Welt inzwischen auch in Corona-Zeiten wieder in Ordnung. "Die Leute halten sich an die Regeln", sagt Bademeister Mike Schneider, weshalb die Stimmung entspannt sei. Die Nachfrage nach den Onlinetickets steige stetig, so Schneider.

100 Badegäste sind hier pro Drei-Stunden-Block zugelassen. Mittags zwischen 13.30 und 16.30 Uhr sind die Tickets am begehrtesten, morgens und abends ist es noch etwas ruhiger. Bad Wimpfens Freibad ist seit jeher für sein kaltes Wasser bekannt, genau dafür schätzen es die einheimischen Stammgäste. "Es muss nicht immer Spaßbad sein", sagt Klaus Arth, "auch die kleinen Gemeinden haben schöne Bäder zu bieten."

Zwischenmenschliches trotz Pandemie

Arth kennt das Bad Wimpfener Freibad noch aus seiner Kindheit. Nachmittags war hier gerne einmal Schwimmunterricht, dann sind er und seine Freunde gleich noch bis abends geblieben. Seine Verbundenheit mit dem Bad merkt man ihm an. Nach dem Mittags-Badeblock müssen alle Gäste das Gelände verlassen, eine halbe Stunde später darf wieder rein, wer ein Folgeticket gebucht hat. Arth gehört zu denen mit Folgeticket. Zusammen mit einem Freund, ganz wie früher, sitzt er im Schatten eines Baums.

"Corona fördert auch die zwischenmenschlichen Beziehungen", sagt Klaus Arth ganz positiv gestimmt. "Manchmal, wenn wir Glück haben, bringt uns jemand Kaffee und Kuchen vorbei, anschließend gehen wir wieder ins Bad." Dort bleibt der Kiosk in dieser Saison geschlossen.

Bademeister Mike und sein Corona-Jungbrunnen

Brigitte Erlewein scannt die Onlinetickets der Gäste. Foto: Adrian Hoffmann

Schneider ist wichtig, dass nicht alles mit Absperrband abgetrennt ist. Dezent ist es zu sehen, an den Einstiegsleitern ins Becken. "Zugang erfolgt nur vorne über die Treppen", sagt Bademeister Schneider. Zwischen den Badezeiten wird fleißig desinfiziert, zum Beispiel die Griffe an den Duschen. "Corona kam für uns genau richtig", sagt der Mann, der vielen aus dem Bad Rappenauer Freibad bekannt ist, wo er jahrelang arbeitete.

Man habe sich in den letzten Monaten ausgiebig um die Renovierung und Pflege des Bads kümmern können, und jetzt sei es ein wahrer Jungbrunnen geworden, so Mike Schneider, der sein Alter nicht verraten will. Schneider: "Die Leute gehen hier aus dem Mineralbad raus wie ausgewechselt."

Immer schön die Hände desinfizieren

Manchmal pfeift der Bademeister laut, wenn Jugendliche zu eng beieinander stehen, und erinnert an die Regeln. "Die vergessen das halt mal", sagt Schneider. Am Sprungturm gilt: vor Betreten der Leiter die Hände desinfizieren. Machen alle anstandslos. Anfangs hätten Stammgäste gemotzt, dass sie ihre Tickets online kaufen müssen und es einfach nicht möglich ist, auch mal vor Ort in bar zu bezahlen.

Doch jetzt, sagt Schneider, nachdem es alle einmal ausprobiert und festgestellt hätten, dass es ja ganz einfach sei (man braucht kein Bargeld mehr in der Tasche), seien alle ganz zufrieden. "Die Leute sind einfach froh und dankbar, dass ihr Bad wieder geöffnet hat", sagt der Bademeister.

Es sei wie im Paradies hier, schwärmt er. Oben fährt die Bahn entlang, unten auf dem Neckar fahren die Schiffe. Es gehe hier familiär zu, das mache die Atmosphäre aus. Diebstahl im Freibad - "das gibt es hier gar nicht, das habe ich noch nicht erlebt".


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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