Bahn baut vier neue Lärmschutzwände in Neckarsulm und Bad Friedrichshall

Bad Friedrichshall/Neckarsulm  Anwohner von Zugstrecken sind bald besser vor Lärm geschützt. Bahn investiert rund 5,5 Millionen Euro.

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In Neckarsulm wird nordwestlich des Stadtzentrums auf Höhe des Christian-Schmidt-Platzes eine Lärmschutzwand gebaut.

Foto: Mario Berger

Lärmgeplagte Anwohner von Bahnstrecken in Neckarsulm und Bad Friedrichshall können bald aufatmen. Die Deutsche Bahn baut Schallschutzwände über mehrere Hundert Meter Länge. In Neckarsulm ging es in dieser Woche bereits los. Es entsteht eine 514 Meter lange Wand, die nordwestlich des Stadtzentrums auf Höhe des Christian-Schmidt-Platzes beginnt und am anderen Ortsende hinter den letzten Häusern der Hezenbergstraße endet.

Die Bahn investiert rund 1,5 Millionen Euro. In Jagstfeld und Untergriesheim finden seit März Vorarbeiten statt, ab August werden auch dort Schallschutzwände errichtet. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf 3,9 Millionen Euro, berichtet Hasan Ilhan, Leiter Lärmsanierung Südwest bei der Deutschen Bahn.

Arbeiten in der Nacht

Die Arbeiten finden jeweils nachts statt. Die Bahnstrecken sind in dieser Zeit gesperrt. "Die Sperrpausen müssen drei Jahre im Voraus angemeldet werden. Das ist dann im Fahrplan eingetaktet", erläutert Hasan Ilhan auf Nachfrage. Gearbeitet werde mit modernen, lärmgedämpften Geräten, um die Belästigung in der Nacht so gering wie möglich zu halten. Die Schallschutzwand in Neckarsulm und auch die, die noch in Bad Friedrichshall entstehen, sind aus schallabsorbierenden Leichtmetall-Elementen. Die Hauptarbeiten werden in Neckarsulm voraussichtlich im Juni abgeschlossen sein, heißt es in einer Pressemitteilung.

In Jagstfeld und Untergriesheim beginnen die Arbeiten voraussichtlich am 2. August, sagt Hasan Ilhan. Ungefähr zwei Wochen vorher werden die Baustellen eingerichtet. "Mitte Juli sind also vielleicht schon die ersten Tätigkeiten zu sehen", sagt er. Es entstehen im Zeitraum bis 11. September zwei Lärmschutzwände in Jagstfeld. Eine auf der Südseite der Bahnstrecke nach Würzburg. Sie beginnt an der B27-Brücke und führt entlang dem Steinweg. Auf der Nordseite verläuft die zweite südlich des Friedhofs. Beide Wände zusammen umfassen ungefähr 820 Meter.

In Untergriesheim wird eine 758 Meter lange Lärmschutzwand unterhalb der Neuen Straße und der Friedenstraße bis zur Bahnbrücke bei der Oberen Dorfstraße gebaut. Sie soll bis 2. Oktober fertiggestellt sein und wird ausschließlich vom Gleis aus gebaut. In Jagstfeld wird zum Teil auch von der Straßenseite aus gebaut, berichtet Hasan Ilhan.

An Bahnübergängen und an Haltepunkten entstehen zur besseren Sicht der Lokführer transparente Elemente. Ansonsten handelt es sich um Leichtmetallwände aus Alu.

Vorarbeiten in Bad Friedrichshall

Derzeit finden für die Projekte in Bad Friedrichshall Vorarbeiten statt. Das heißt: Es werden sogenannte Suchschlitze gezogen, um den Baugrund zu untersuchen, erläutert Hasan Ilhan. Dabei könne man zum Beispiel Leitungen im Boden entdecken. Zudem wird vermessen. Der Rückschnitt von Bewuchs entlang der Strecken erfolgte bereits Ende Februar.

Generell können Hauseigentümer im Einflussbereich der Bahnstrecken in Neckarsulm und Bad Friedrichshall auch passive Lärmschutzmaßnahmen umsetzen, die der Bund zu 75 Prozent fördert. Maßgeblich ist dabei die Überschreitung von bestimmten Immissionsgrenzwerten. Die betroffenen Eigentümer werden laut Hasan Ilhan von der Deutschen Bahn per Post informiert. Sie müssen nicht selbst tätig werden.

Richtlinien verändert

Die Richtlinien für Lärmschutz wurden vom Bund im Jahr 2019 noch einmal verändert. Sonst wäre etwa die Wand auf der Seite des Friedhofs in Jagstfeld nicht möglich gewesen, berichtet Hasan Ilhan. Gekippt wurde die seither geltende Regelung, die nur Gebäude berücksichtigte, die vor dem 1. April 1974 errichtet wurden. Neuer Stichtag ist der 1. Januar 2015. Auch wurden die Immissionsgrenzwerte für die

Förderprogramm des Bundes

Das Programm "Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes" wird seit 1999 vom Bund gefördert. Damit wurde die finanzielle Möglichkeit geschaffen, Schallschutzmaßnahmen auch entlang vorhandener Schienenwege umzusetzen. Über 1,7 Milliarden Euro wurden seither in die Lärmsanierung von mehr als 2000 Kilometern Schienenstrecke und rund 64 000 Wohneinheiten investiert. Allein im Jahr 2020 wurden über 75 Kilometer Schallschutzwände fertiggestellt und rund 146 Millionen Euro ausgegeben. Bis zum Jahr 2030 soll die Lärmsanierung mehr als die Hälfte aller Anwohner an bestehenden Schienenwegen vom Lärm der vorbeifahrenden Züge entlasten.

Der Bund fördert Schallschutzwände sowie schalldichte Fenster und Lüfter in Gebäuden. In Einzelfällen werden auch Dämmungen von Außenfassaden und Dächern teilfinanziert. Da die Lärmsanierungsmaßnahmen eine Wertsteigerung des Objektes bedeuten, tragen die Eigentümer ein Viertel der Kosten.Lärmsanierung abgesenkt.


Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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